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Susanna Kadzhoyan

Susanna Kadzhoyan

Susanna Kadzhoyan verbindet künstlerische Fähigkeiten und eine charismatische Persönlichkeit mit einem starken Willen, soliden technischen Kenntnissen und ausgeprägter Erkenntnis von Intention und Interpretation. Sie begeistert ihr Publikum weltweit. Sie gewann den 1. Preis in einigen internationalen Klavierwettbewerben und dies brachte Susanna Kadzhoyan internationalen Ruhm. 2012 absolvierte sie die Kölner Musikhochschule mit Auszeichnung sowie 2014 ihr Konzertexamen Klavier mit Auszeichnung bei Prof. N. Tichman sowie den Master of Music Kammermusik bei Prof. A. Spiri. 2013-2016 unterrichtete sie Klavier Kammermusik an der Hochschule für Musik Freiburg. 2016 übernahm sie die künstlerische Leitung der Konzertreihe „Bechstein Young Professionals“ in Köln.  2016-2019 unterrichtete Susanna Kadzhoyan Klavier an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Photo © Mischa Blank

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Interview mit Lucas Singer

„Wenn jemand die Loewe-Balladen am Leben halten kann, dann sind es vielleicht wir Bässe.“ – Interview mit Lucas Singer 

 

Herr Singer, Sie haben zuletzt im April 2019 an der Oper Köln bei Walter Braunfels’ Heiliger Johanna mitgewirkt, die gleich auf mehreren Ebenen eine Parabel über Widerstand und Selbstzweifel ist. Wie gelingt danach der Umstieg in die Romantik der Liedwelt?

Lucas Singer: Für uns Opernsänger ist es ja völlig normal, zwischen den Epochen und Stilen zu springen. Das gehört zum Alltag dazu. Es ist täglich Brot, dass man flexibel bleibt. An der Oper Köln spielen wir zwar momentan durch das Interim bedingt ensuite, aber an den meisten deutschen Stadt- oder Staatstheatern kann es durchaus passieren, dass man an einem Abend eine Händel-Oper singt, am nächsten Tag die Zauberflöte und am Tag drauf vielleicht Wagner. Da muss man einen Weg für sich finden. Die Stile muss man sich aneignen und danach auch wach halten. Natürlich gibt es Spezialisten, die sich beispielsweise verstärkt auf das barocke Repertoire verlegen, oder auf die Romantik. Aber das kann man sich als Ensemble-Mitglied eines solchen Theaters nicht immer leisten. Allerdings ist das auch etwas, das großen Spaß macht. Ich genieße es sehr, einen Abend dies zu machen und den nächsten etwas ganz unterschiedliches.

Es ist also eher Freude als Herausforderung?

Lucas Singer: Schon eine Kombination aus beidem. Ich singe ja auch viele Konzerte im Oratorienfach und ähnlichem, und das ist natürlich wieder etwas ganz anderes. Es kann sein, dass sonntags morgens eine Bach-Kantate ansteht und abends dann Parsifal. Aber das eine bedingt ja zum Teil auch das andere. Ich genieße es jedenfalls, das Breitgefächerte machen zu können. Das mag nicht jeder, das weiß ich. Ich schon.

Erklärt sich so auch die Programmauswahl für die Loewe-Matinée?

Lucas Singer: Die Loewe-Balladen sind im Grunde kleine Mini-Opern. Denen schadet es nicht, wenn man da mit etwas opernhaftem Gestus reingeht. Bei Schubert ist es anders, aber ich würde sagen, das lässt sich gut vereinbaren.

Gibt es denn bei aller Liebe zum großen Repertoire so etwas wie Favoriten?

Lucas Singer: Die deutsche Romantik und Spätromantik – das ist ein Stil, den ich sehr mag. Strauß und Wagner, das ist fantastische Musik. Aber auch in der Symphonik: Bruckner und Mahler. Für mich ist das Musik zum Reinlegen und Eintauchen. In einen Wagner-Ring kann man sich richtig versenken. Das liegt mir sehr. Aber ich mag auch die italienische Romantik: Verdi, Puccini. Das singe ich sehr gerne. Mozart-Opern sind auch fantastisch. Als ich noch Klavier studiert habe, habe ich auch Debussy sehr gerne gespielt. Brahms, Bach… Ich liebe die Bach-Passionen. Je länger ich darüber nachdenke: Es fällt mir schwer, mich festzulegen.

Ich liebe Schubert. Leider gibt’s von Schubert nicht viel für die Oper. Oder Gott-sei-Dank – ich weiß es nicht (lacht). Aber Schubert instrumental, das ist fantastisch; die Klaviermusik finde ich unglaublich toll. Und die Lieder sowieso.

Was ist es, was Sie sich versenken lässt?

Lucas Singer: Wenn ich an die Oper denke, ist es die Üppigkeit, das Überbordende, was vielleicht manchmal auch ein bisschen kitschig sein mag. Was mir bei Verdi und Wagner in den Sinn kommt, sind diese riesig instrumentierten Szenen und die langen musikalischen Bögen. Das sind wirklich Welten, in die man eintauchen kann. Auf der anderen Seite ist es auch das Gefühlsbetonte, wobei das interessanterweise bei den Liedern, die ich für unsere Matinée von Schubert ausgewählt habe, nicht so im Vordergrund steht. Bei Loewe ist es eher das Balladenhafte, das vielleicht auch nicht so sehr auf eine gefühlsmäßige Innenwelt zielt.

Was charakterisiert denn die Stücke, die bei der Loewe-Schubert-Matinée auf dem Programm stehen? Ist es das Drama?

Lucas Singer: Was bei beiden, also Loewe und Schubert, in unserem Programm Thema ist, sind die „Grenzen der Menschheit“. So auch der Titel eines der Schubert-Lieder und des Programms vom 9.6.2019. Es geht um die Zwischenwelt, die Schnittstelle zwischen Diesseits und Jenseits, da wo die irdische Welt immer wieder verhandelt wird.

Bei Loewe ist es oft ein bisschen wie beim Tatort. Es hat etwas vom Krimi. Ewig lang gibt es diese ungeklärte Situation, der Krimi spitzt sich zu und dann kommt am Ende in den letzten zwei Takten die Auflösung oder einer ist plötzlich tot. Die Romantik hat eben auch dieses Erzählerische. Das finde ich sehr spannend.

Steht das Programm schon? Können Sie schon verraten, welche Lieder dabei sein werden?

Lucas Singer: „Grenzen der Menschheit“ auf jeden Fall. Schuberts „Sehnsucht“, und eines seiner „Abendrot“-Lieder. Wir überlegen außerdem, die „Fahrt zum Hades“ reinzunehmen. Ein sehr lustig-makaberes Lied ist das „Totengräberlied“: quasi eine Dankes-Ode des Totengräbers an seinen Spaten, der ihm den Lebensunterhalt ermöglicht. Ich weiß aber noch nicht, ob es reinkommt. Dann gibt es „Auf der Donau“, wo der Schiffer mit seinen Gedanken in eine Zwischenwelt abdriftet. Beim Erlkönig sind wir noch nicht hundertprozentig sicher – wahrscheinlich wird es nicht der Schubert, sondern der Loewe. Der würde natürlich super passen. Aber es besteht immer die Gefahr, dass man nur die Bekannten nimmt. Wahrscheinlich machen wir auch den „Nöck“.

Diese Loewe-Balladen, das ist ein Universum. Da gibt es soviel zu entdecken. Es gibt sehr viel Material. Ich fürchte, nicht alles, was ich gerne machen möchte, passt rein. Ich habe aber ein paar Lieder ganz neu für mich entdeckt. „Tod und Tödin“, zum Beispiel, wo es darum geht, wie der Tod und seine Frau ihren Alltag gestalten. Das ist eine ganz süße Miniatur, ein super Stück. Leider wird Loewe nicht mehr so viel gespielt. Darum dachte ich mir: Zum 150. Todestag, da kann man noch mal gezielt viel Loewe machen.

Haben Sie eine Idee, warum Balladen generell weniger populär geworden sind?

Lucas Singer: Ich glaube, das liegt daran, dass da so wenig Raum für Interpretation auf verschiedenen textlichen Ebenen ist, weil die Ballade im Grunde einfach eine Erzählung ist. Das, was gesagt werden soll, wird gesagt. Und die Gefahr ist, dass man das vielleicht manchmal Kitschige darin, das nicht so unglaublich Doppelbödige, als einfach abstuft. Aber ich habe das Gefühl, dass das, wenn man sie ernst nimmt, durchaus unterhaltend sein kann. Es gibt schon etwas nachzudenken, und auch mitunter den Fingerzeig. Vielleicht ist die Gefahr: dass es auf den ersten Blick zu simpel wirkt und zu kitschig. Loewe kann durchaus auch etwas hausbacken wirken. Vielleicht sind wir Bässe auch etwas einfach gestrickt (lacht). Aber ich finde, gerade für die Bässe gibt es da sehr dankbare Sachen. Ich habe ja viel mit Kurt Moll gearbeitet, der die Loewe-Balladen sehr geliebt hat. Und wenn jemand die Loewe-Balladen am Leben halten kann, dann sind es vielleicht traditionell wir Bässe.

Sie sprachen von der technischen Ebene, über die Sie sich die Breite an Repertoire erhalten. Gibt es daneben noch andere Wege für Sie, sich auf diese Welt einzustimmen?

Lucas Singer: Wenn ich von der Oper ausgehe, sind es die Rollen, die sich anbieten; dass man sich da reingibt. Technisch ist es wie bei einem Instrumentalisten auch. Ein Geiger muss seinen Bogen bei einem Barockstück anders führen als bei einem romantischen. Das ist bei uns ähnlich. Je weiter es in die Moderne geht, wird es mehr Sprechgesang, zum Beispiel. Auf der inhaltlichen Ebene geht es über die Rollen und natürlich über den Text. Das ist der Vorteil eines Sängers, dass er den Text hat, der Vorgaben macht. Da ist das Fahrwasser schon in eine Richtung geklärt.

Das bringt mich zu einer anderen wichtigen Frage: Was hat Sie denn bewogen, vom Klavier zum Gesang zu wechseln?

Lucas SInger: Gute Frage. Weniger Üben! (lacht) Aber im Ernst: Ich komme aus einer Sängerfamilie und habe mich zuerst auf ein anderes Feld verlegt – wohl, weil das zuhause schon belegt war. Ich habe lange nicht gesungen. Aber irgendwann hat es mich doch wieder eingeholt. Im Klavierstudium hatte ich Pflichtfach Gesang, musste also singen. Darüber bin ich langsam wieder dazu gekommen. Es hat mir dann immer mehr Spaß gemacht und irgendwann hat’s mich dann doch gepackt. Und ich dachte mir: Probier’s doch einfach aus. Dann habe ich die Aufnahmeprüfung in Köln bestanden, und es ist immer so weiter gegangen. Parallel habe ich noch Kunst- und Kulturmanagement studiert, weil ich eigentlich gar nicht so sehr in die ausübende Richtung gehen wollte.

Aber das Singen hat schleichend immer mehr Raum eingenommen. Wenn man sich dann doch intensiv mit der Sache auseinandersetzt, packt es einen. Als ich den Studienplatz bekam, dachte ich: Jetzt versuchst du es auch. Zuerst habe ich dann noch nebenbei Klavier unterrichtet, aber irgendwann war klar: Das Singen war raumgreifend geworden. Als ich dann ins Opernstudio Köln kam, war klar: Ich muss mich jetzt auf diese eine Sache konzentrieren.

Nichtsdestotrotz spiele ich natürlich viel Klavier, um meine Stücke einzustudieren oder um Stücke kennenzulernen. Das ist mein Vorteil: dass ich mir vieles selbst aneignen kann, wofür ich sonst einen Repetitor bräuchte. Insofern ist das Klavier schon immer noch dabei, aber ich gehe nicht mehr auf die Bühne damit. Und da komme ich zu dem, was ich zuerst sagte: Klavier braucht Minimum vier bis fünf Stunden Üben am Tag. Die habe ich einfach nicht mehr zur Verfügung.

Sie haben ja dafür nun mit Elnara Ismailova eine versierte und viel gepriesene Liedbegleiterin an ihrer Seite.

Lucas Singer: Genau. Wir arbeiten schon seit Jahren zusammen. Sie war meine Repetitorin in der Hochschule und auch in verschiedenen Meisterkursen. Wir kannten uns schon vor meinem Studium und haben uns dann an der Hochschule wieder getroffen, in Essen und in Köln. In letzter Zeit kommen wir leider nicht mehr so viel dazu, etwas zusammen zu machen, weil die Oper doch sehr raumgreifend ist und viel Zeit in Anspruch nimmt. Umso mehr freut es mich, dass wir jetzt dieses schöne Programm miteinander musizieren werden.

Wie viel Zeit widmen Sie dem Singen täglich?

Lucas Singer: Das ist unterschiedlich. Wenn ich morgens Probe an der Oper habe und abends eine weitere Probe oder Vorstellung, sehe ich zu, dass ich dazwischen Ruhe habe. Je mehr Oper ich singe, umso mehr merke ich, dass die Stimme zwischendurch Erholung braucht. An meinen freien Tagen versuche ich aber schon, mich Minimum zwei bis drei Stunden mit der Sache zu beschäftigen. Das kann Notenlesen sein, Technikübungen, Textlernen; das ist wie Fingerübungen am Klavier. Aber natürlich gibt es auch Tage, wo ich mich vier bis fünf Stunden einschließe, um meine Sachen zu lernen. Dann singe ich aber nicht die ganze Zeit.

Sie sind jetzt 36 Jahre alt. Wie sehen Sie Ihre Zukunft – was kann und soll noch kommen?

Lucas Singer: Ich genieße es momentan sehr, in Köln meinen Hauptsitz zu haben und fest am Haus zu sein. Die Perspektive ist aber sicher, dass man mehr und mehr freischaffend macht. Das ist die klassische Laufbahn. Aber ich glaube, ein Stammhaus würde ich gerne behalten. Die Verbundenheit zu einem Ort, die gibt mir viel. Ich glaube, ich brauche immer zumindest so etwas wie eine Teilbasis. Und ich genieße es sehr, dass das momentan die Oper Köln ist, in dieser schönen Stadt.

Zum Schluss die vielleicht wichtigste aller Fragen: Was bedeutet es Ihnen, ein Sänger zu sein?

Lucas Singer: Das Klischee – aber auch die Wahrheit – ist, dass man sein eigenes Instrument ist. Dass es eine andere Stufe von Erleben ist, wenn man selbst den Klang produziert, als wenn es über ein Medium wie ein Instrument passiert. In Kombination mit dem schauspielerischen Aspekt, also in eine Rolle zu schlüpfen – das ist noch mal eine ganz andere Ebene. Sie haben immer diese drei Faktoren: Sie müssen Künstler, Instrument und Rolle sein. Diese Kombination macht es kompliziert, aber auch total spannend. Und sehr erfüllend.

 

Das Interview führte Christiane Nitsche.

© Photo: Lucas Singer |  www.lucassinger.com

Heimat Europa? – Ein brandaktuelles, facettenreiches und fragmentarisches Mosaik

Heimat Europa? – Ein brandaktuelles, facettenreiches und fragmentarisches Mosaik

Liederabend im Rahmen der Kölner Themenwoche 2019 „Europa“: Kulturelle Identität als Fragment im Kunst- und Volkslied Europas

Insgesamt sechs Sängerinnen und Sänger und fünf Pianistinnen und aus der Liedakademie der Hochschule für Musik und Tanz Köln gestalteten am 10. April 2019 unter der künstlerischen Leitung von Prof. Ulrich Eisenlohr in der Trinitatiskirche Köln ein spannendes Programm zum Thema „Heimat Europa?“ Die Formulierung des Titels als Frage könnte angesichts der derzeitigen Situation Europas in Zeiten des Brexits, der anhaltenden Migrationsströme aus Krisengebieten und des beunruhigend wachsenden Rechtspopulismus aktueller nicht sein. Die Studierenden der Liedakademie musizierten auf hohem künstlerischem Niveau Lieder, die zur Nachforschung hinsichtlich der kulturellen Identität Europas anregen.

Den Einstieg gaben im ersten Themenblock Vertonungen romantischer Komponisten aus der Gedichtsammlung Johann Gottfried Herders „Stimmen der Völker in Liedern“. Herders zu seiner Zeit extrem einflussreiche Gedichtsammlung bietet einen breiten Schatz an Volksliedern aus ganz Europa: Sagen, Liebesgedichte und Referenzen auf politische Ereignisse wie zum Beispiel das „Lied der Königin Elisabeth“ geben Einblicke in die kulturelle Geschichte Europas und seine kulturelle Identität. Hedwig Ritter (Sopran), Tabea Mahler (Mezzosopran), Vincent Debus (Tenor) und Frederik Schauhoff (Bariton) gestalteten gemeinsam mit Yuhao Guo (mit perlendem Klang am Klavier) Lieder von Johannes Brahms und Carl Loewe.

Hölderlin und Hollywood

Im zweiten Themenblock wird Europa als kulturelle Heimat gebrochen. Hanns Eislers „Hölderlin- Fragmente“ aus dem „Hollywooder Liederbuch“ erinnern an den zweiten Weltkrieg und den Holocaust und die damit einhergehende Krise der deutschen und europäischen Identität im 20. Jahrhundert. Eisler vertonte Gedichte Hölderlins, die er selbst nur fragmentarisch übernahm – jedes Auslassen und Umschreiben im Text ein Kommentar auf die Fragmentierung der eigenen Erfahrung von Heimat, der Zerstörung des eigenen Heimatgefühls auf Grund des Exils. So zum Beispiel das letzte Lied im Zyklus „Erinnerung“, das bei Hölderlin noch den Titel „Lied eines Deutschen“ trägt.

Tabea Mahler und Lisa Ochsendorf am Klavier interpretieren entschieden und vermitteln das auch in der Tonsprache fragmentarisch von der Zwölftonmusik bis zum Jazz changierende Werk eindrücklich.

Der Wanderer – immer im Kunstlied präsent

Nun wendet sich das Programm der Figur des Wanderers zu, eine Figur die im romantischen Kunstlied einen großen Platz einnimmt, denkt man zum Beispiel an die Winterreise von Schubert.

Die Figur des Wanderers, des Heimatlosen bleibt auch in heutigen Zeiten der Migration hochaktuell. Hedwig Ritter, Frederik Schauhoff und Ayaka Kodoi musizieren mit klarem Klang Lieder von Schubert, Schumann und Brahms, die sich verschiedenen Facetten des Wandererdaseins zuwenden: keine Heimat finden („Der Wanderer“/Schubert), die Wut über Einsamkeit und Heimatlosigkeit („Kein Haus, keine Heimat“/Brahms), die Sehnsucht, endlich nach Hause zu kommen („Mondnacht“/Schumann) und schließlich als Fragment aus dem vorhergegangenen Themenblock: Erinnerung an die Heimat „Erinnerung an Schumann und Eichendorff“/ Eisler.

Kosmopoliten und Weltenbürger

Julie Verkauteren (Sopran) und Ani Ter-Martirosyan am Klavier gestalten elaboriert, mit Witz und starker Ausdruckskraft im nun folgenden Block „Kosmopoliten“ die Lieder „ Six Poèmes de Guillaume Apollinaire“ von Arthur Honegger. Apollinaire war selbst polnisch-italienischer Abstammung und lebte den größten Teil seines Lebens in Frankreich – ein Weltenbürger, Europäer und Europareisender wie er im Buche steht. Beide – Honegger als Teil der Groupe des Six, Apollinaire in seinen Freundschaften zum Beispiel mit Picasso – waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts Teil des aktiven Pariser Kunstlebens der Moderne, Surrealismus und Dadaismus entstehen, die europäische Kunst floriert vor dem Beginn des ersten Weltkrieges – ein Exkurs in eine Zeit, in der der Titel des Programmes vielleicht nicht mit einem Fragezeichen versehen werden musste.

Zum Abschluss des Konzertes musizieren Rina Hirayama (Mezzosporan) und Wan-Yen Li (Klavier) die „Quattro canzoni popolari“ des italienischen Avantgardisten Luciano Berio. Es schließt sich der Kreis zum Anfang des Konzertes, denn Berios Lieder sind Volkslieder „canzoni popolari“, in den letzten Kriegsjahren des zweiten Weltkrieges vertonte Texte aus dem 12. – 14. Jahrhundert. Und da ist es wieder, das Fragment der europäischen Tradition, des Volksliedes, das uns bis heute beschäftigt und Luciano Berio zu einem kraftvollen Werk mit eklektischer Tonsprache inspirierte! Rina Hirayama und Wan-Yen Li entlassen uns mit energiegeladener Ausführung in unsere eigenen Gedanken.

Europäische Identität bleibt ein Mosaik

Die Erfahrung der europäischen Identität bleibt die Erfahrung eines Mosaiks, facettenreich und fragmentarisch. Als Zuhörer des Konzertes erfahren wir etwas über die Vielfältigkeit dieser Fragmente, Mosaikstücke in Form von Liedern und Volksliedern unterschiedlichster Nationen und unterschiedlicher Epochen, die als Ganzes ein Bild Europas ergeben. Wir erfahren als Zuhörer, dass die Lieder nichts an Aktualität eingebüßt haben und auch, dass zum Fragmentarischen der kulturellen Erfahrung Europas aus unserer heutigen Perspektive andere Bedeutungen hinzukommen. So denkt man beispielsweise beim Vortrag des von Johannes Brahms romantisch vertonen Liedes „Die Meere“ aus Herders Gedichtsammlung unwillkürlich an die von vielen europäischen Staaten auf den europäischen Meeren vergessenen und abgewiesenen Flüchtlinge- Wanderer im heutigen Sinne.

Wie können sie, die ihre Heimat verlassen mussten, in Europa eine neue Heimat finden? Wie können die in Europa aufgewachsenen Europäer Europa als Heimat empfinden und im Angesicht von Brexit und wachsendem Rechtspopulismus den europäischen Gedanken der Einheit unterschiedlichster Völker weitertragen?

Die ersten zwei Stücke des Programms „Wege der Liebe“ (1. und 2. Teil) von Johannes Brahms könnten uns hierzu eine Antwort geben. Hier wird der Gott der Liebe Amor als ein Flüchtling besungen, der trotz Widrigkeiten doch immer einen Weg und eine Heimat findet. Hoffen wir, dass es in Europa in diesem Sinne weitergehen kann.

Bericht: Milena Knauss (20.4.2019)

Photos © Milena Knauss

Gelbe Villa

 

Gelbe Villa

Die Gelbe Villa wurde 1907 am Hang der Ville von einem Ziegeleibesitzer erbaut. Die Front schaut ins Tal, über Felder, Gewerbegebiet, den Kölner Grüngürtel… bis zum Kölner Dom.

Nachdem das Haus 1986 unter Erhalt aller alten Elemente (Türen, Fenster, Grundriss, Treppenhaus) liebevoll restauriert war, zogen Menschen ein, die der Musik sehr zugetan waren. Der Salon bekam einen Flügel, es erklang Klavier- und Kammermusik. Die ersten Konzerte waren schnell organisiert und wurden bald zum festen Brauch. Sie sind geprägt von Begeisterung für die Musik und Freude an Geselligkeit.

Zentrifuge Bonn

 

Zentrifuge Bonn
Haus der Luft- und Raumfracht

Räume für Musik und Kultur

1955 erwirbt die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt die Godesberger Allee 70, um dort das Institut für Flugmedizin einzurichten. Im Garten des Hauses wird eine kreisrunde Halle für eine Human-ZENTRIFUGE errichtet, in der die Auswirkungen von Beschleunigungskräften auf den menschlichen Organismus untersucht werden. In der ZENTRIFUGE werden Piloten und Astronauten ausgewählt und trainiert.

1980 zieht das Institut für Flugmedizin mit der ZENTRIFUGE nach Köln-Porz um (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR). Die Godesberger Allee 70 wird zum Haus der Luft- und Raumfahrt umgebaut, die ZENTRIFUGEN-Halle steht leer.

2009 erwerben Monika Osterheld und Peter Koepke das Haus der Luft- und Raumfahrt, dessen Veranstaltungssräume für verschiedene soziale und kulturelle Zwecke genutzt werden.

Sinngewimmel

 

Sinngewimmel

Warum gehen wir ins Konzert?

In einer Zeit des Internets, Spotify und Youtube, wenn die Musik uns von überall entgegengeschleudert wird, ist das eine allgegenwärtige Frage für die Musiker.

Sinngewimmel heißt: Verschiedenes ausprobieren aber immer mit einem zentralen Punkt im Kopf: einen Rahmen zu schaffen, in dem Menschen, unabhängig vom Alter und sozialen Differenzen aber mit Neugier für das Neue und Bedarf für das Schöne, zusammenkommen und gemeinsam einen unerwarteten Augenblick teilen.

Die Technologisierung kann unserer Meinung nach diesen ganz einfachen Moment des Zusammenseins und Teilens mit Nichts ersetzen.

Unter sinngewimmel@gmail.com können Sie sich für weitere Veranstaltungen informieren lassen und in den Newsletter-Verteiler.

Augustinum Bonn

 

Augustinum Bonn

Nur zehn Minuten von der Innenstadt und direkt am Rhein steht mit der Augustinum Seniorenresidenz Bonn ein weltoffenes und lebendiges Haus für ältere Menschen. Unter einem Dach gibt es hier alles, was das Leben im Alter einfach und unkompliziert macht.

Das abwechslungsreiche Kulturprogramm genießt nicht nur bei unseren Bewohnern, sondern auch im gesamten Bonner Raum einen hohen Stellenwert.

RheinVokal

 

RheinVokal
Festival am Mittelrhein

RheinVokal findet als internationales Festival für Vokalmusik seit 2005 jährlich in der Region Mittelrhein zwischen Bingen und Remagen statt. Solisten und Ensembles gastieren zwischen Juni und August in bedeutenden historischen Spielstätten der Region.

Im Mittelpunkt der rund 20 Konzerte steht die menschliche Stimme mit all ihren Facetten. Neben Liveübertragungen zeichnet der Südwestrundfunk zahlreiche Konzerte auf, die in einer RheinVokal-Radiowoche in der zweiten Jahreshälfte gesendet werden.

Jacques-Offenbach-Gesellschaft

 

Jacques-Offenbach-Gesellschaft

Jacques Offenbach schuf ein gewaltiges kompositorisches Werk, das weit über die wenigen heute noch gespielten “Operetten” hinausgeht.

Die Jacques-Offenbach-Gesellschaft hat ihren Sitz in Bad Ems, was sich dadurch erklärt, dass sich Jacques Offenbach zwischen 1858 und 1870 wiederholt zur Kursaison im Hochsommer an die Lahn begab. Erst in zweiter Linie der Erholung wegen. In erster Linie suchte und fand er dort sein Publikum, denn ein maßgeblicher Teil der Gäste stammte aus Frankreich, insbesondere Paris. So kam es, daß Offenbach sein eigenes Ensemble mitbrachte, als Dirigent seiner Werke in Erscheinung trat und an neuen Stücken für den Winter in Paris weiterarbeitete.

Wesentliche Teile seines “Orpheus” etwa sind in der entspannten Atmosphäre des mondänen Kurbads Ems entstanden. Zum Emser Stolz gehören auch die acht Werke, die im heute noch erhaltenen Marmorsaal ihre Uraufführung erlebt haben, darunter “Les Bavards” (1862), “Il Signor Fagotto” (1863), “Lischen et Fritzchen” (1863), “Jeanne qui pleure et Jean qui rit” (1864) und “Coscoletto” (1865).

Die Jacques-Offenbach-Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein, der sich der Aufgabe verschrieben hat, das Werk Offenbachs bekannt zu machen, durch Aufführungen wie durch wissenschaftliche Forschung.

Die Jacques-Offenbach-Gesellschaft hat ihren Sitz in Bad Ems, was sich dadurch erklärt, dass sich Jacques Offenbach zwischen 1858 und 1870 wiederholt zur Kursaison im Hochsommer an die Lahn begab. Erst in zweiter Linie der Erholung wegen. In erster Linie suchte und fand er dort sein Publikum, denn ein maßgeblicher Teil der Gäste stammte aus Frankreich, insbesondere Paris.