„11 Fragen an…“ – Patricia Radeck

„11 Fragen an…“ – Patricia Radeck


Was machen Sie tagsüber?

Arbeiten. Wenn ich zu Hause bin, singe ich, übe Texte, bereite Konzerte vor. Wenn dann noch Zeit ist, handarbeite ich. An freien Tagen fotografiere ich sehr gerne.

Literatur Tipp?
Ich liebe Gedichte von Erich Fried. Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ und Hesse „Das Glasperlenspiel“ gehören auch zu meinen Liebsten.

Lieblingskinderlied?
Ich liebe die Oper „Hänsel und Gretel“ von Humperdinck, da sind neben der grandiosen Hexenpartie wundervolle Kinderlieder vertont, Reger hat  ebenfalls Kinderlieder komponiert, die nicht so oft zu hören, aber wunderschön sind.

Persönliches Lied-Steckenpferd?
Habe ich nicht wirklich. Ich höre, was mich berührt und das singe ich auch, sofern es zu meiner Stimme und Persönlichkeit passt.

Was will ich der Welt mit dem Lied sagen?
Vor allem mit dem Lied, aber grundsätzlich mit klassischer Musik, dass Musik und musizieren eben nicht bedeutet, Radio zu hören,  sich von U-Musik benebeln zu lassen und loszuträllern. Professionelles Singen bedeutet vor allem Disziplin, viel Arbeit, Empathie und Freude an dem, was man macht, dann kommt das, was man dem Zuhörer sagen möchte, auch an.

Gehen Sie Wandern? Wo? Warum?
Wandern, Spaziergänge, je nach Zeit und Muße, ich liebe alte Friedhöfe, Wälder, Berge, das Meer oder schöne Seen, aber ich entdecke gerne auch Städte, das ist ganz unterschiedlich, aber immer werden dabei Foto geschossen. 😁

Was ist Ihnen die größte Freude beim Liedmusizieren?
Lied, Oper oder Sakralkonzert, das Allerbeste ist das gemeinsame Aussuchen, Austesten, was passt, was geht, die Grenzen ein Stück weiter legen, zusammen mit meinen beiden Lehrern ein neues Programm erstellen und in den Wochen des Einstudierens fallen manche Stücke wieder weg und andere werden ins Programm aufgenommen. Spannend ist dann, wie es sich am Ende entwickelt hat.

Graben Sie gern in Archiven?
Auf jeden Fall, wenn auch eher im Web als in Bibliotheken.

Ein Bild, eine Skulptur, das / die  ein Lied verdient?
Viele und noch mehr Gedichte hätten es verdient, vertont zu werden. Eines meiner Lieblingsgemälde ist auf jeden Fall „Der erste Kuss“ von William Adolphe Bouguereau.

Ihr Lieblingsort für einen Liederabend?
Oh, ganz viele, natürlich die ganzen Konzerträume, in denen man so singt, wäre man berühmt. In Florenz, im Garten einer Villa habe ich mal ein Konzert gehört, das würde mir gefallen.

Spannendstes Liedfundstück
Alle Lieder, die ich für mich entdecke, sind spannend. Mein momentanes Lieblingslied ist von Schubert, Totengräbers Heimweh, das kann morgen schon wieder anders sein.

Ritual vor jedem Auftritt?
Einfach und sicher, ich bete.

Gucken Sie Fußball?
Ja, WM und EM wenn unsere Mannschaft spielt.

Favorisierte Liedaufnahme?
Natürlich die Mozart/ Mendelssohnlieder und Regerlieder, gesungen von Barbara Schlick, „Winterreise“ mit Ian Bostridge und alle Lieder, die Christian Gerhaher eingespielt hat.

Was wollten Sie als Kind später werden?
Sängerin, eigentlich Operettensängerin, weil meine Mutter nur Operette hörte. Alternativ dazu Krankenschwester oder Paramentenstickerin.

Was würde uns in einer Zeit ohne das Lied verlorengehen?
Beim deutschen Lied ganz klar unsere Geschichte, die es ja viel länger gibt als unsere traurige nationalsozialistische Geschichte, auf die wir leider immer wieder reduziert werden. Die ganzen wunderbaren Dichter, Komponisten und Maler gerieten noch mehr in Vergessenheit. Schöne Momente mit schöner Musik und schönen Stimmen gingen verloren, dem Zuhörer und Künstler, ein Stück der eigenen Fantasie.

Wie stellen Sie sich das perfekte Liederabend-Publikum vor?
Neugierig, offen für Neues und empathisch . Schafft man es, einen Zuhörer zu begeistern, hat man viel erreicht.

Ihr Rat für junge Studenten?
Musizieren und Kunst machen zu dürfen, ist ein großes Privileg, es gibt viele große Talente auf der Welt, die niemand kennt, weil sie durch persönliche Umstände, im falschen Land geboren zu sein, kein Geld  vorhanden ist usw. nicht ihrer großen Leidenschaft nachgehen können. Umso wichtiger ist es, dass die, die Musik machen dürfen, professionell und respektvoll mit diesem großen Geschenk umgehen.

Lieder zwischen Ost und West – Facettenreiche Klangwelt unter romanischer Deckenmalerei

Lieder zwischen Ost und West – Facettenreiche Klangwelt unter romanischer Deckenmalerei

Ein ganz außergewöhnliches Konzert im Rahmen des Bonner Liedersommers in der Doppelkirche in Schwarzrheindorf

25. August 2018 – Unter den romanischen Deckenmalereien begegneten sich gleich zwei große Klangkulturen aus Ost und West. Der in Aleppo geborene und heute in Neuss lebende Komponist und Qanunspieler Hesen Kanjo bewies bereits zu Beginn des Konzerts die facettenreiche Klangwelt seines Instruments, das er auf dem Schoß liegend mit Plektren aus Metall zupfte. Virtuosität, Temporeichtum und überraschende harmonische Vielfalt vermittelte Hesen Kanjos Qanunspiel als Begleitung und solistische Improvisation.

Die Kölner Sopranistin Elisabeth Menke führte durch das vielseitige Programm und betonte die Bedeutung der musikalischen Selbst- und Fremderfahrung zwischen Ost und West, wobei der Mond und seine Beobachtung als Leitmotiv eine überzeugende Kontinuität zwischen den verschiedenen Liedformen stiftete.

Zahlreiche Lieder von Franz Schubert, die bei dem Bonner Liedsommer bereits zu hören waren, hat das Duo dabei aus Rücksicht auf die besondere Stimmung und die technischen Voraussetzungen des Qanuns speziell für dieses Konzert umgeschrieben. Das Formspiel von deutschem Lied und persischer Kunstmusik kam besonders in den bewegenden Improvisationen von Gesang, Rezitation und Qanun zur Geltung.

Elisabeth Menke beeindruckte zudem mit ihrem virtuosen Geigenspiel, das klar und differenziert über den kaskadenartigen harmonischen Rückungen des Qanuns schwebte. In dieser wechselseitigen Erhellung von Gesang, Geigenspiel und Qanun entfaltete sich die komplexe Vielstimmigkeit beider musikalischer Kulturen. Die Experimentierfreude und Lust am Klang übertrug sich zuletzt auch auf das Publikum: Begleitet von Elisabeth Menke und Hesen Kanjo ertönte das wohl bekannteste Abendlied im Zeichen des Mondes: „Der Mond ist aufgegangen“. Und das in seiner wohl schönsten musikalischen Vermittlung zwischen Orient und Okzident.

Text: Clara Pauly
Photo © Liedwelt Rheinland | Sebastian Herzog Geddes

Konzert am 25.8.2018 im Rahmen des Bonner Liedsommer 2018

Wiederholungskonzert am Donnerstag, den 11. Oktober 2018 19:30 Uhr in der Versöhnungskirche Bonn-Beuel

Umarmung der Kulturen – Improvisationskonzert

Umarmung der Kulturen – Improvisationskonzert

Improvisationen mit Gesang, Violine und Qanun

Elisabeth Menke, Gesang und Violine
Hesen Kanjo, Qanun

Fremdsein in der Kultur eines anderen trifft auf das Fremde in einem Selbst: Die Klangwelt des Qanun tritt ein in die der Psalmentexte nach Hildegard von Bingen und begegnet Franz Schuberts Liedern. Alles klingt neu, die Improvisation lockt mit freundlicher, spielerischer Orientierungs­hilfe: Nur in der Begegnung und dem gemeinsamen Fragen nach der eigenen Identität kann Neues entstehen.

 

Die Stimme ist das ursprünglichste Instrument – Interview mit Martin Wistinghausen

Die Stimme ist das ursprünglichste Instrument – Interview mit Martin Wistinghausen

Sie bezeichnen sich als „singenden Komponisten und komponierenden Sänger“. Was überwiegt und inwiefern beeinflussen sich beide Tätigkeiten?
Das ist schwer zu sagen, es ist „mal so, mal so“ … Ich möchte beide Tätigkeiten nicht missen. Als Komponist sitzt man viel am Schreibtisch, droht ein wenig zu vereinsamen. Als Sänger macht es mir große Freude, mit Kolleginnen und Kollegen zu musizieren. Ich glaube auch, dass es für einen Komponisten nur von Vorteil sein kann, auch die „andere Seite“ zu kennen.

Wie war Ihr Weg zum Gesang?  War das ein direkter Weg oder gab es Umwege?
Ich habe schon als Kind gerne gesungen, beispielsweise im Kinderchor. Nach dem frühen Stimmbruch habe ich dann gleich Gesangunterricht genommen: der Weg war also sehr direkt.

Was reizt Sie am Gesang? Was ist das schönste an der Arbeit mit der menschlichen Stimme beziehungsweise dafür zu komponieren?
Die Stimme ist das ursprünglichste Instrument, schon bevor der Mensch Instrumente gebaut hat, wurde musiziert – mit der Stimme! Mich reizt die große Schönheit der Stimme, wie wir sie aus der traditionellen abendländischen Kunstmusik kennen; mich reizen aber ebenso die vielen Ausdrucksmöglichkeiten, die die Stimme sonst noch bietet. Darüber hinaus habe ich als Sänger wie als Komponist immer wieder mit vielen wunderbaren, ganz unterschiedlichen Texten verschiedener Sprachen und Epochen zu tun.

Schreiben viele moderne Komponisten nicht zu viel gegen die Stimme? Fehlt ihnen unter Umständen die sängerische Sozialisation, wie sie zum Beispiel viele britische Komponisten durch Knabenchöre erfahren haben?
Es ist sicherlich so, dass viele Komponisten wenig mit dem „Instrument Stimme“ anfangen können, das habe ich auch als Sänger, der viel Neue Musik singt immer wieder erleben müssen. Was aber genau heißt „gegen die Stimme“ schreiben? Das ist ein weites Feld… Ich glaube zum Beispiel nicht, dass alles, was sich auch nur ein Stückchen weit vom Belcanto-Gesang entfernt, schädlich für die Stimme ist. Da fehlt auch oft die Bereitschaft der Sänger, sich auf Unbekanntes einzulassen.

Viele der gesungenen Liedtexte wirken heutzutage gestelzt und manieriert, sie werden gerade von jungen Menschen immer weniger verstanden. Wie kann man ihnen diese Texte näherbringen und verständlich machen?
Das ist in der Tat eine sehr berechtigte, schwer zu beantwortende Frage. Das erste Problem sehe ich in der Bildung: junge Menschen werden – etwa in der Schule, aber auch im Elternhaus – einfach zu wenig mit den traditionellen Texten und Liedern konfrontiert, da fällt es dann später auch schwerer, sich darauf einzulassen. Ich glaube, dass der klassische Liederabend durchaus noch seine Berechtigung hat. Man sollte aber auch versuchen neue Wege zu gehen, besondere Programme zu kreieren, die zum Beispiel alte mit neuen Texten thematisch klug kombinieren. Auch Konzertabende, in welchen instrumentale Kammermusik und/oder Lesungen sich mit Liedvorträgen sinnvoll abwechseln, können sehr spannend sein.

Ist es für Nachwuchssänger heutzutage nicht ungeheuer schwer, sich angesichts der großen Anzahl an Sängern auf dem Markt durchzusetzen? Bilden Musikhochschule eventuell nicht zu viele Sänger aus?
Das ist sicherlich nicht ganz falsch. Allerdings gibt es Fächer, wo das Missverhältnis von Beschäftigungsmöglichkeiten und Anzahl der Studienabsolventen noch krasser ist, denken sie etwa an Pianisten! Für Sänger gibt es doch noch vergleichsweise viele Arbeitsmöglichkeiten: in Rundfunk- und Opernchören, als Opernsolisten, Konzertsänger, Gesanglehrer. Und: wenn man die künstlerische Ausbildung nur noch allein am „Markt“ ausrichtet, ist das der Anfang vom Ende.

Welche Konzerte und Projekte stehen aktuell an? Auf welches freuen Sie sich besonders?
Ende September 2018 kommt es in Düsseldorf zur Uraufführung meines neuen Werkes „Wasser-Bilder“. Im November reise ich für einige Tage zum Festival Timsonia in Temeswar in Rumänien. Dort werde ich als Sänger und Komponist präsent sein und auch einen kleinen Meisterkurs für Schubertlieder geben. Ich mache das nicht aller Tage und freue mich sehr darauf…

Wieviel Prozent Ihrer Arbeitszeit geht fürs Üben und Konzertieren drauf, wieviel fürs Organisieren? Wieviel fürs Komponieren?
Das lässt sich kaum beziffern, variiert auch stark, je nachdem was gerade ansteht. Um sängerisch fit zu bleiben, ist aber auf jeden Fall das tägliche Training wichtig, genau wie bei einem Sportler. Und: als Freiberufler ist die Zeit, die für Planungen und Organisationsarbeit drauf geht nicht zu unterschätzen…

Sind Sänger wirklich solche mimosenhaften Sensibelchen, als die sie oft verschrien sind? Warum haben sie diesen Ruf?
Ich glaube, das ist ein Stück weit Klischee. Aber natürlich wird das Klischee von einzelnen Personen immer wieder bedient, meiner Erfahrung nach aber äußerst selten.

Ist es nicht eine ungeheure Belastung, sich immer so um sein eigenes Instrument sorgen und unter Umständen auf viele Dinge verzichten zu müssen?
Manchmal schon, besonders, wenn man wie ich, was Erkältungen, Allergien und dergleichen angeht, nicht ganz unempfindlich ist…

Das Gespräch führte Guido Krawinkel im August 2018.
Photo © Martin Wistinghausen

Bilder über persönliche Sehnsuchtsorte – Interview mit Tobias Krampen

Bilder über persöhnliche Sehnsuchtsorte – Interview mit Tobias Krampen

Die Konzerte im September in Bonn, bei denen Sie mit Elena Marangou die CD „Into a Children`s Room“ mit Liedern unterschiedlicher Komponisten aus unterschiedlichen Kulturen vorstellen, sind ein schöner Anlass, mit Ihnen, Herr Krampen, ins Gespräch zu kommen über Ihre musikalische Arbeit. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit mit Frau Marangou gekommen??

Das Programm ist größtenteils von Elena Marangou ausgewählt und zusammengestellt worden. Die Zusammenarbeit mit ihr begann ursprünglich im Rahmen von privaten Korrepetitionsstunden. Es ist großartig, welche unterschiedlichen Stile, Sprachen und Inhalte Elena in dieser abwechslungsreichen Einspielung zusammengestellt hat und die Arbeit an den Werken war auch eine Bereicherung für mein Repertoire als Begleiter.

Insgesamt erscheint einem als Außenstehendem die Arbeit eines Liedpianisten als große Herausforderung. Die Musikliteratur besteht ja nicht nur aus Schuberts Liedzyklen und anderen Klassikern, sondern, wie ja auch die CD zeigt, aus einer Unzahl an zu hebenden Schätzen.?

Darin liegt für mich seit langer Zeit schon die große Faszination meiner Arbeit. Ich habe schon als Jugendlicher Sprache und literarische Texte geliebt und das Lesen ist neben der Musik eine weitere Leidenschaft in meinem Leben.

Das klingt, als habe die Liedbegleitung und die Kammermusik für Sie bereits früh in der beruflichen Laufbahn zum Programm gehört??

Nur teilweise. Zwar gab es zu Hause früher auch gemeinsames Spiel mit meinem Bruder, der Geiger ist, aber ursprünglich habe ich das Studium zum Konzertpianisten abgeschlossen. Während des Studiums in Hannover gab es eigentlich nur wenige Berührungspunkte zur Liedgestaltung. Es ist eher so, dass ich weit weg von Deutschland meine besondere Neigung zum Lied entdeckt habe: Im Aufbaustudium an der McGill University in Montréal nahm ich an einem studienbegleitenden Zusatzangebot in “Song Interpretation“ teil. Ich lernte das europäische Liedgut also in Kanada neu kennen.

Die Besonderheit der menschlichen Stimme berührt mich stark

Seit dieser Zeit schätze ich die künstlerisch bereichernde Arbeit und die Möglichkeiten, die diese gerade mit Sängerinnen und Sängern birgt. Es ist nicht nur die Zeit, die man mit Proben und Meisterkursen gemeinsam verbringt, sondern auch die, welche außerhalb der künstlerischen Arbeit, zum Beispiel beim Essen oder auf Reisen in anregenden Gesprächen miteinander verbracht wird. Hier ist es gerade bei der Liedgestaltung zwischen Sängern und Pianisten möglich, etwas ganz Besonderes und Individuelles zu entwickeln. Und es gefällt mir, meine fachlichen Möglichkeiten als Pianist in diese Arbeit mit einzubringen. Ich mag es, das Geschehen auf der Bühne mitzugestalten und zu steuern.

Es ist schön, ausgehend von der genauen Kenntnis der Liedliteratur den sängerischen Kollegen in seiner Arbeit auf diese Weise zu unterstützen. Manchmal geht das so weit, dass ich mit dem Einatmen des Sängers schon antizipieren kann, wie der Ton klingen wird. Die Besonderheit der menschlichen Stimme berührt mich stark und die große Individualität und Bandbreite meiner sängerischen Kollegen ist es, was ich an der Arbeit als Liedpianist so liebe.

Wie ist das möglich, wenn man bedenkt, dass alleine das Liedgut von Schubert circa 700 Werke umfasst??

In diesem Zusammenhang ist meine Liebe zu Literatur, Gedichten und Texten eine große Hilfe. Ich mag es, die jeweilige Liedliteratur so weit durchgearbeitet zu haben, dass bei der Zusammenarbeit mit den Sängern direkt der gestalterische Aspekt in den Vordergrund rücken kann, damit ich mit meiner Erfahrung und Notenkenntnis den sängerischen Partner bestmöglich unterstützen kann.

Geben Sie diese in jahrelanger Zusammenarbeit zum Beispiel mit Christoph Pohl und Ingeborg Danz gesammelten Erfahrungen auch weiter??

Im Rahmen meines Lehrauftrages an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz unterrichte ich Liedgestaltung für Sängerinnen und Sänger. Zum Teil kommen diese mit ihren jeweiligen Pianisten in den Einzelunterricht, sodass ich auch Duos in ihrer Arbeit betreuen kann. Ein besonderes Anliegen ist es mir hierbei, die Künstler in ihrer Individualität zu bestärken. Die jungen Künstler sind handwerklich hochqualifiziert und motiviert, jedoch durch den Anforderungen des Studiums mit der großen Bedeutung des Erwerbs von Scheinen und Credits in ihren Entfaltungsmöglichkeiten oft gebremst. Hier liegt eine besondere Chance der Beschäftigung mit dem Liedgut. Das Lied ist insgesamt eine leisere Kunstform im Vergleich zum Auftritt des Sängers auf großen Opernbühnen. Die ganz intime und feine Arbeit mit den Texten gibt den Künstlern die Möglichkeit, eine Brücke zu ihrer ganz persönlichen Kreativität als Sänger oder Pianist zu schlagen.

Wie können wir uns das vorstellen??

Es geht darum, die auf den ersten Blick teilweise altmodisch wirkenden Texte zum Beispiel der romantischen Literatur, weltbekannte Texte wie den „Lindenbaum“ oder das „Gretchen am Spinnrad“, für sich als Künstler in ihrem Bedeutungsgehalt neu zu deuten. Es sind ja zunächst Gedichte, die Komponisten seinerzeit so tief berührt haben, dass sie diese zum Anlass genommen haben, wunderbare, zeitlose Musik zu erschaffen, deren Notentext für sich genommen bereits ein Kunstwerk und schon eine individuelle Interpretation des Textes ist. Und aus dieser einzigartigen Verschmelzung zweier Kunstgattungen können wir schöpfen.

Abseits von einer eher aus der Tradition der „Meisterlehre“ stammenden Liedinterpretation, besteht ja die Möglichkeit, den Symbolgehalt der Textbilder in Verbindung mit der Komposition neu für sich als Künstler zu entdecken und für die persönliche Interpretation zu nutzen. Ich arbeite mit den Sängern und Pianisten sehr viel am Text, rege dazu an, diesen zunächst individuell für sich und auf sich wirken zu lassen:

Wofür steht beispielsweise die Zeile „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum“? In einem assoziativen Prozess entwickeln sich so Bilder über persönliche Sehnsuchtsorte, die auch mit der Biographie des jeweiligen Künstlers zusammenhängen. Ausgehend davon ist es möglich, die bei guten Texten immanente universelle Symbolik zu erkennen und dann hörbar zu machen. Es ist so, dass es ja trotz kultureller Unterschiede der Studierenden, die ich unterrichte, im Eigentlichen um das Sichtbarmachen allgemeingültiger emotionaler Inhalte geht.

Das Lied als Brücke zur künstlerischen Infividualität

Und hier kann das Lied in besonderer Weise Brücken bauen zur künstlerischen Individualität. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Technik sehr gut funktioniert. Die Ergebnisse überzeugen dabei umso mehr, je mehr es dem Dozenten gelingt, die eigene Wertung in Bezug auf ein Lied und das Einbringen einer direktiv wirkenden Stellungnahme möglichst zurückzufahren und in der Rolle des Beobachters, Prozessbegleiters und Moderators zu bleiben.

Das künstlerische Ergebnis wird mit dieser Herangehensweise in einem ganzheitlichen Gestaltungsprozess erarbeitet, im Unterschied zu einer Korrektur einzelner Bereiche eines Stückes. In dieser Arbeit wird nicht nur die Eigenständigkeit der Interpreten unterstützt, sondern es gelingt oft auch, in einer gewissermaßen kulturell übergreifenden archetypischen Deutung der Textsymbolik, das Liedverständnis zu vertiefen, egal aus welchem kulturellen Hintergrund die jeweiligen Künstler stammen. In diesem Sinne wird die Liedinterpretation authentisch und individuell, was sie dann von einer eher nostalgisch und musealen Herangehensweise unterscheidet.

Vor einigen Wochen haben Sie ja auch einen Vortrag über diese von der tiefenpsychologischen Arbeit inspirierten Herangehensweise in der Liedinterpretation gehalten, beim 2018er Festival „Luft und Raum“ in Bonn.?

Ja, ich bin sehr glücklich über die Möglichkeit, jetzt schon über mehrere Jahre das Wachsen des Kunstraums Zentrifuge in Bonn miterleben und mit gestalten zu können. Ausgehend von den Räumlichkeiten des ehemaligen Testgeländes für Schwerelosigkeit im All des Instituts für Luft- und Raumfahrt in Bonn hat sich dort ein Zentrum für Kulturschaffende entwickelt, welches ein wertvoller noch wachsender Kunstraum ist. So konnten Ingeborg Danz, Peter Stein und ich gemeinsam mit anderen Künstlern dort im vergangenen Mai ein abwechslungsreiches Programm anbieten mit Meisterkursen für Liedinterpretation und Kammermusik, verschiedenen Vorträgen über den tiefenpsychologischen Gehalt des europäischen Liedgutes aber auch über eher physikalisch inspirierte Themen der Kunst. Nicht zu vergessen der Origamiworkshop mit dem Geiger und Origami-Künstler Peter Stein…

…es ist also ein künstlerisch sehr abwechslungsreicher Rahmen dort??

Ja, und ich freue mich jetzt schon auf die fünfte Auflage des Festivals, das 2019 vom 4. bis zum 9. Juni stattfinden wird!

Worauf freuen Sie sich noch in den nächsten Monaten??

Zunächst freue ich mich über ein paar freie Tage in den Sommerferien. Dann geht es aber auch direkt weiter mit Meisterkursen für Liedinterpretation in Arosa und in Essen, die Ingeborg Danz und ich schon seit vielen Jahren regelmäßig geben. Anschließend kann ich mit Elena Marangou die CD in mehreren Konzerten im Rahmen des Liedsommers vorstellen.

Und dann freue ich mich, in der Saison 2018/19 die städtische Konzertreihe in Moers erstmals federführend zu gestalten. Es wird ein abwechslungsreiches Programm mit einem Schwerpunkt auf unterschiedlichen kammermusikalischen Quartetten geben, so wird es neben Streichquartetten auch Saxophon-, Klarinetten- und Gitarrenquartette geben. Zusätzlich werde ich vor einigen der zwölf Konzerte eine Konzerteinführung geben. Ich bin sehr gespannt auf das Gesprächskonzert mit Frau Prof. Nicola Jürgensen, der Soloklarinettistin des WDR Orchesters und auch auf den Workshop für Schüler mit dem Titel „Winterreise, darf ich da mit?“

Das klingt interessant!?

Warum sollte es nicht gelingen, jungen Menschen neben den täglichen, ja auch sehr gefühlsbetonten Playlists der Alltagsmusik den emotionalen Gehalt dieses Meilensteins des Kunstliedes nahezubringen? Es gibt so viele gute Ansätze in der Musikpädagogik. Ich denke, dass auf diese Weise das Lied nicht nur für die Liebhaber der etwas intellektualisierten Kunst, sondern auch für viele andere Menschen als authentischer Ausdruck von Gefühlswelten fruchtbar sein kann.

Herr Krampen, für Ihre Projekte wünschen wir Ihnen alles Gute und danken ganz herzlich für das Gespräch!

Das Gespräch führte Heike Paulsen.

Photo © Tobias Krampen | Christian Palm

Making of – Into a Children’s Room

Making of – Reisebericht in die Kindheit. Über die Entstehung der CD „Into a Children’s Room“

Liebe Elena Marangou, „Into a Children’s Room“, so heißt die CD, die Sie gerade herausgebracht haben – bei dem Titel stoppe ich und denke, da finde ich vielleicht nicht unbedingt Kinderlieder im eigentlichen Sinne drauf?

Genau, das sind Lieder, die im Erwachsenen die Erinnerungswelten aus der Kinderzeit wiederbeleben. Lauter kleine verschiedene Szenen sind das. Ich bin selbst immer wieder entzückt, wenn ich an meine eigene Kindheit oder an Momente mit Kindern denke, die ähnlich sind. Da geht es mir ganz so wie jedem Hörer der Lieder. Das ist vom Gefühl her ein bisschen so wie wenn man als Erwachsener „Der kleine Prinz“ liest.

Europäische Ausmaße haben die Komponisten, die auf der CD versammelt sind. Wie ist denn die Idee zu der CD entstanden und wieso kam es zu dieser bemerkenswerten Komponisten-Versammlung von Poulenc über Britten zu Mussorgsky, dann Brahms, Koukos, Couroupos und Baltas?

Zuerst habe ich die Mussorgsky-Stücke kennengelernt, war völlig verzaubert und habe die dann in Düsseldorf aufgeführt. Tobias Krampen und ich haben zu der Zeit auch ein Konzert in Athen vorbereitet und da haben wir viel Brahms und Schubert gemacht, also auch viel andere Literatur. Aber das Virus von den Mussorgsky-Stücken hatte sich bei uns eingenistet. Vorher waren schon die Britten-Stücke aufgetaucht: „A Charm of Lullabies“, die hatte ich in einer Version mit Orchester noch einige Jahre zuvor in Griechenland gesungen, aber den Ausschlag gaben die Mussorgsky-Stücke. Die Poulenc-Lieder „Quattre Chansons pour les Enfants“ haben wir dann mittels Recherchieren gefunden und auch Lieder von Szymanowski, die passten, aber das war dann schon mit den Brahms-Liedern zuviel. Denn Tobias hatte noch gefragt, ob wir denn keine griechischen Lieder dazunähmen – da hatten wir drei noch lebende Komponisten.

Da kennen wir uns ja gar nicht aus – wer sind denn die drei Herren?

Da ist zunächst Periklis Koukos, ihn kenne ich aus Athen. Er hat einen Zyklus geschrieben, „Merlin the Wizard“, das ist ein Album sozusagen mit musikalischen Erzählungen und daraus haben wir ein Mädchen-Lied ausgesucht. Dann haben wir ein „Mäuselied“ von George Couroupos dazugesellt; den Komponisten kenne ich schon ganz lange und die Stücke sind eigentlich schon wirkliche Kinderlieder. Er hat sie 1978/79 geschrieben und seiner Tochter gewidmet. Das Wiegenlied passte mehr als die anderen Lieder zu denen, die wir sonst auf der CD versammelt haben. In den anderen finden sich auch politische Hinweise, das passte hier inhaltlich nicht so gut, daher wurde es dieses sechste des Mäuse-Zyklus‘. Der Text ist aus der Sicht des Kindes geschrieben – und das passt zu Brahms‘ „Volkskinderliedern“, wie diese Werke ohne Opuszahl zusammengefasst werden.

Dann haben wir noch ein Lied von Baltas aus den „Six Simple Songs“,  komponiert 1971. Wir haben Kostas Krystallis‘ zartes Gedicht gewählt, weil die liebevolle Art, das Kind in den Schlaf zu singen, sehr nahe an der Volksmusik orientiert ist.

Wie sind denn die Brahms-Lieder entstanden?

Die hat Brahms für die Kinder von Clara und Robert Schumann geschrieben! Auch sie sind den Kindern gewidmet. Wir haben drei ausgewählt, die mit anderen Liedern auf der CD wunderbar korrespondieren.

Und wann und wie sind die Stücke dann an ihre Stelle auf der CD gerutscht?

Britten war für den Anfang zu intellektuell, ich wollte ursprünglich den Mussorgsky an erster Stelle, aber unser Tonmeister Martin Frobeen-Waldvogel empfahl, den Britten als zweites zu nehmen. Wir haben diskutiert. Dann wurde klar, dass wir den Poulenc als erstes machen wollten. Da haben wir uns gefragt – was kann danach gut kommen und haben erst an den Brahms gedacht. Aber dann bekamen wir das Gefühl, dass der Hörer meinen könnte, er höre doch eine Kinder-CD. Aber der Poulenc war intuitiv richtig am Anfang und von der Stimmung her passte da der Britten hinterher. So entstand allmählich auch nach der Aufnahme noch die Reihenfolge, die Sie nun im Booklet sehen.

Mal etwas ganz anderes noch: Die Mussorgsky-Lieder machen Sie auf Russisch? Wie bereitet man sich da vor?

Ohhh – das dauert … ich habe immer wieder mit zwei Muttersprachlerinnen gearbeitet. Erst einmal Bedeutung, dann Vokale, dann Konsonanten… Ich habe es mir dann in lateinische Schrift umgeschrieben, aber inzwischen kann ich es auch auf Kyrillisch lesen. Das ging in Griechenland los, dann habe ich in Düsseldorf weiter an den Stücken gearbeitet. Insgesamt haben wir fünf Sprachen auf der CD, das war viel Arbeit, aber es hat auch unglaublich Spaß gemacht und zum Glück ist die Musikerwelt international, da haben mir viele Kollegen geholfen. Aber ganz so einfach ist es nicht: Der eine sagt so, der andere so bei der Aussprache, es gibt immer verschiedene Ansichten.

Wie entscheiden Sie sich denn da? Sie können ja schlecht einen Diskurs über die Dialekte und die Hochsprachen und die Sprache abhalten, die man im Lied verwendet…

Ach, ich war ganz praktisch – aber wenn ich drei Personen frage, habe ich mindestens drei Meinungen. Mindestens! Daher habe ich nach dem Ohr und der inneren Schlüssigkeit entschieden, habe, wenn vorhanden, Aufnahmen verglichen. Aber die Basis war schon immer gleich, die Unterschiede marginal. Ich wollte es ja dann auch sehr sorgfältig vorbereiten.

Geben Sie uns doch bitte einen kleinen Vorgeschmack auf ein paar der Lieder, die Sie besonders mögen – was erwarten uns da für Geschichten?

Wenn ich nun zurückschaue auf die Produktion und die Entstehung des Ganzen sind meine Gefühle und Gedanken zu den Liedern ganz andere geworden als vor Beginn der Produktion!

Ich mag ja die Mussorgsky-Lieder so sehr! Im ersten spricht ein Kind mit seinem Kindermädchen, oder im vierten, da erzählt es der Puppe eine Geschichte – da erlebt man Kinderabenteuer aus dem Alltag, von „Draußen“. In einem ist beispielsweise ein kleiner Käfer angelaufen gekommen, es sind immer solche kleinen Geschichten, die für uns, als wir Kind waren, doch auch so wichtig waren. In mindestens drei Liedern sprechen das Kind und die Mama oder das Kindermädchen miteinander, da gibt es so schöne Stimmungswechsel aus den Perspektiven – die fand ich so charmant! Diese Identifizierung mit dem, was das Kind sagt, da habe ich mich ganz oft in der „kleinen“ Rolle wiedergefunden, die ich doch so von mir selbst kannte und dann kommt die Mutterstimmung.

Oder in einem Lied, da kommt die Babuschka und das Kind fragt nach einer Gute Nacht-Geschichte, hier spricht nur das Kind! Warum? Na weil…warum der Knochenmann denn die Kinder isst? Vielleicht, wie Papa und Mama was sagen, oder weil man unartig ist? Das Kind hat da was gehört, kann es nicht einordnen. Sucht Erklärungen, denn es ist noch viel zu aufgeregt, um einschlafen zu können. Das Ende dieses Liedes können Sie sich selbst denken….

Die Britten-Lieder liebe ich auch sehr! Beispielsweise das Lied „Charm“, das vierte aus dem Zyklus. „Sei still und schlafe“ – da droht die Mutter dem Kind, wenn es nicht schläft, kämen die Erinnyen und Rhadamanthus, um es zu bestrafen. Hier wird die übliche Thematik des Wiegenliedes auf den Kopf gestellt… und natürlich liebe ich die griechischen Lieder!

Eine wichtige Frage zum Schluss: Wie bekomme ich eine CD und wo kann ich reinhören, wenn ich zu einem der Release-Konzerte nicht kann?

Wir sind zunächst einmal dem Bechstein Zentrum in Düsseldorf sehr, sehr dankbar. Wir durften die CD hier aufnehmen, haben keine Miete gezahlt, hatten ideale Bedingungen. Dass der damalige Geschäftsführer Christian Müller so viel Interesse hatte und sich engagierte, war ein wirkliches Geschenk für das wir uns nun – nicht nur – mit dem Release-Konzert in Düsseldorf und dem in Köln in den Bechstein Centren bedanken möchten.

Inzwischen ist im griechischen Radio auch eine Präsentation gelaufen bei ERT – TRITO PROGRAMMA. Auf Spotify und über iTunes kann man reinhören.

Die CD kann natürlich nach den Release-Konzerten erworben werden oder auch im Internet über die Liedwelt bestellt werden. Im Plattenladen kann sie leider zurzeit nicht erworben werden, aber in Griechenland schon.

Wir bedanken uns für die vielen Hintergrundinformationen. Da freuen uns schon sehr auf die kleine Reise in unsere Kindheitserinnerungen bei den Release-Konzerten und wünschen Ihnen viel Erfolg beim Liedsommer in Köln, Bonn und Düsseldorf!

Das Gespräch mit Elena Marangou führte Sabine Krasemann.

Konzerte:

Konzert am 20.9.2018 im Bechstein-Zentrum Köln
Konzert am 23.9.2018 in der Zentrifuge Bonn
Konzert am 28.9.2018 im Bechstein-Zentrum Düsseldorf

Photos © Elena Marangou, Elena Marangou

Perlen des Repertoires in Zauberberg, Dr. Faustus und Co.

Perlen des Repertoires in Zauberberg, Dr. Faustus und Co.

Thomas Mann-Lieder-Lesung beim Bonner Liedsommer

Nicht selten steht bei einem Liederabend die Musik im Vordergrund, der Dichter spielt in diesem Zusammenhang ohnehin nur in Verbindung mit der Vertonung seines Textes eine Rolle. Dass der literarische Hintergrund oder gar die literarischen Folgen nicht minder interessant sein können, das zeigten bei einem Liederabend im Bonner Augustinum die Pianistin Kristi Becker, Frauke May (Mezzosopran) und der Moderator Michael Schwalb.

Zusammen spürten sie den literarisch-musikalischen Zusammenhängen im Werk Thomas Manns nach, speziell im Hinblick auf Lieder, die dieser in seinem Schaffen literarisch verewigt hat. Und davon gibt es einige, von Schubert, Schumann, Wolf, Lassen und Brahms, zumeist bekannte Perlen des Repertoires, die sich im Zauberberg, Dr. Faustus und Co. wiederfinden. Für den ohnehin sehr musikaffinen Mann hatte das Kunstlied eine ganz besondere Bedeutung, die sich an diesem Abend einmal mehr offenbarte: auf der Suche nach den Wurzeln der deutschen Seele, nach Innerlichkeit und Tiefe griff der Autor immer wieder auf Bezüge zu dieser wohl deutschesten alles Musikgattungen zurück und benutzte sie als Illustration für seine literarischen Aussagen.

Einführungen in diese literarisch-musikalischen Zusammenhänge gewährte WDR-Moderator Michael Schwalb, der ebenso eloquent wie kenntnisreich in die Konzeption und Hintergründe des Liederabends einführte. Zu hören gab es neben Auszügen aus Franz Schuberts Winterreise und Robert Schumanns Liederkreis auch Goethe-Lieder von Hugo Wolf, den letzten der Vier ernsten Gesänge von Johannes Brahms und – eine absolute Rarität – eine Heine-Vertonung von Brahms-Zeitgenosse Eduard Lassen.

Stimmiger Gesamtklang

Die Lieder waren bei Kristi Becker und Frauke May in den besten Händen, zusammen mit der Moderation ergab sich ein stimmiger Gesamtklang aus Wort und Musik, der beim gemeinsamen Austausch mit den Künstlern nach dem Konzert in einem gemütlichen Rahmen ausklang. Denn auch das ist eine Qualität des Liedsommers: Nach dem Konzert bleibt es nicht minder spannend.

Text: Guido Krawinkel
Photo © Thomas Kölsch

Rheinischer Kultursommer 2018

Konzert am 3. August im Rahmen des Bonner Liedsommers 2018

Pressespiegel Liedsommer

Pressespiegel Liedsommer

Hier darf ich Mensch sein

Der Hintergrundbericht zum Bonner Liedsommer 2018 bei O-Ton.

Pressespiegel zu den einzelnen Konzerten

 

Aus Tiefe und Höhe: Das Lied im Spiegel der Moderne

Ein Bogenschlag von Tradition und zeitgenössischer Musik

Lieder zwischen Ost und West

Ein außergewöhnliches Konzert in der Doppelkirche in Schwarzrheindorf

Perlen des Repertoires

Zauberberg, Dr. Faustus & Co.

Romantik mit Geschichte

Genau das Richtige am Hochsommer-Abend: Eine Lieder-Lesung mit Koryphäen.

Liedkunst in der Vollendung

„scheinbar unprätentiös, aber hochartifiziell, sensibel und mit einem feinen Gespür für die Musik“

Unbekannter Rilke

„perfektes Zusammenspiel“ – „Das ist große Kunst, zumal das Niveau bei der Auswahl der Lieder sehr hoch liegt.“

Vorbericht auf WDR 3 TonArt

Ein Gespräch mit Oliver Cech über Liebes- und Todesbetrachtungen in Musik.

„Gottesmutter als Mensch –
Hindemiths „Marienleben“ bei RheinVokal“

Christiane Oelze und Eric Schneider gelang es in ihrer großartigen Interpretation, die Intention Rilkes und Hindemiths perfekt umzusetzen…

„Tanzen und Springen“

Träumereien und Naturidyllen in der Savanne des Naturkundemuseum Alexander Koenig

Eine inszenierte poetische Dichter-Reise“

Mit berührenden und liebevoll inszenierten Bildern erzählt das Ensemble Eikona voller schauspielerischem Geschick die Geschichte eines Dichters, der nach dem Scheitern seiner Liebe zu einer poetischen Reise aufbricht.

„Kunde aus dem mittelalterlichen Europa“

Mit dem ältesten bekannten Musikstück der Welt, dem Hymnos Seikilos begann das Konzert.

„Mit Leidenschaft, Hingabe und aus tiefstem Herzen“

Ein inszeniertes Konzert über Alma Mahler am 27.5.2018 in Oberpleis mit Judith Hoffmann und Desar Sulejmani

Romantik mit Geschichte

Romantik mit Geschichte

THOMAS MANN UND SEINE LIEDER – von Michael Zerban

Genau das Richtige am Hochsommer-Abend: Eine Lieder-Lesung mit Koryphäen.

Zu lesen bis Montag, 6.8.2018 kostenfrei bei unserem Medienpartner O-Ton

„May gelingt es, die alten Lieder mit Frische und Aplomb vorzutragen, so dass die knapp anderthalb Stunden des Vortrags verfliegen. …. Am Flügel sitzt Kristi Becker, eigentlich Spezialistin für Neue Musik, die aber schnell zeigt, dass sie auch als Liedbegleiterin eine hervorragende Figur macht. … Die Moderation des Journalisten geht weit über das Übliche hinaus“

Photo © Michael Zerban