Good Vibrations

Good vibrations

Eröffnungskonzert und Ausstellungseröffnung: Luft und Raum – Kulturfestival in der Zentrifuge Bonn

Mit einem launig unterhaltenden Quintett des tschechischen Komponisten Zdeněk Fibich ging es gleich mitten ins Geschehen: Er war Schüler von Bedřich Smetana und Lehrer von Franz Lehar – und in dieser Komponisten-Folge spann sich der Bogen der Musik, eine ehrliche, das Leben bejahende Musik, die sich als Opener für ein Festival, das für viel Energieaustausch bekannt ist, bestens eignete.

Die in dieser Besetzung liegende symphonische Anlage wusste Fibich im zweiten Satz durch eine geschickte Instrumentierung zu nutzen, die durch die Umsicht und das Miteinander der Künstler sehr gut zur Geltung kam. Die dichte Klangrede vermittelte auch zu Brahms und dem Landsmann Dvořák starke Verwandtschaft.

So darf sich der Zuhörer eigentlich nicht erst in dem schicken Horn-Solo fragen, warum Komponist und Werk so unbekannt sind. Auch Klänge der Bratsche liegen geschickt im Satz und mehren die Verbindung zum Orchesterklang und dessen Farbigkeit. Man freut sich über das deftige Ländler-Trio und wird bis zum Schluß kurzweilig unterhalten.

Bestens mit Schwung ausgestattet und mit viel Freude am gemeinsamen Musizieren waren neben Tobias Krampen am Klavier und Peter Stein an der Violine die Gäste Nicolai Pfeffer, Klarinette, Lauren Whitehead, Horn und Eglantine Latil, Violoncello zu erleben.

Der Komponist Stefan Heucke stellte drei Lieder Robert Schumanns zusammen und schrieb für diese Kammermusik-Besetzung den Klavierpart um: Der kleine Zyklus startete mit der „Frühlingsfahrt“ bunt und geschäftig und sparte nicht mit farbigen Korrespondenzen. „In der Fremde“ zeigte gleich zu Anfang kluge, schlüssige Aufteilungen der Rollen zwischen den Instrumenten bis zum colla parte. Wie hier die Zeit bei der Zeile „Da ruhe ich auch“ stehen blieb, das war schon sehr beeindruckend. Auch „Der Einsiedler“  gab so für die Altistin Ingeborg Danz wunderbare neue Klangmöglichkeiten mit denen auch sie freudigen Austausch bot, so dass die Lieder ganz neues Leben auch für die Zuhörer bekamen, die die Stücke dachten, bestens zu kennen. Nicht erst die dritte Strophe „O Trost der Welt, Du stille Nacht!“ brachte das Schumann-Lied nahe ans Orchesterlied, durchweg in den zarten klanglich feinen Korrespondenzen  der Instrumente.

Der neue Flügel, den „Brahms noch die Gelegenheit gehabt hätte kennenzulernen“ (Peter Stein), verwob die Kammermusik mit warmen Tönen, stellte sich als hervorragender Klangmixer heraus und bot allen Künstlern (inklusive Pianist) mit galantem Bass eine elegante Grundlage für durchhörbares Musizieren.

Zum Eröffnungskonzert waren zahlreiche Besucher und Teilnehmer des Meisterkurses präsent – in der Pause durften sie sich nicht nur über das Programm austauschen. Auf der Suche nach der Harfe, die „man nicht sieht und nicht hört“ (Peter Stein), wurde der Suchende von mehreren seiner Origami-Engeln geleitet….

Nach der Pause dann wieder Eichendorff-Lieder, nun von Stefan Heucke zusammengestellt zur „II. Kammermusik“. Gleich der erste der beiden Sätze des Ingeborg Danz gewidmeten Werks gab affirmativ den Ball weiter. Das zweite Lied, „Letzte Heimkehr“, spielte mit engen Korrespondenzen zum Text, tupfte lautmalerisch das Schütteln des Frosts, schauderte tief im Herzensgrund mit einem tiefen Klaviertremolo und fand im Horn-Ruf eine Totenanrufung.

Höchste Ansprüche an die Sängerin in der orchesteralen Engmaschigkeit

Engmaschig verzauberte den verschneiten Garten die Geige, geleitete in eine Traumwelt, in der die Ruhe beim Einsamen nur kurz verweilt, treibt die Klarinette zum Pizzicato ihn auf das Feld hinaus… Nicht nur hier erinnert die Klanglichkeit und Dichte immer wieder an Schönbergs Pierrot Lunaire.

Der abschließende Willkommensgruß „Nun ruh zum letzten Male aus, Wenn du erwachst, sind wir zu Haus'“ wiederum gemahnt an Mahlers Orchesterlieder und auch die Auferstehungssymphonie. Ein wunderbar offenes Willkommen jedenfalls für den Start dieses einzigartigen Festivals, das zahlreiche Gäste mit einem gemeinsamen Umtrunk abschlossen.

Text + Photo © Sabine Krasemann