Liedwelt Rheinland

“Man muss sich sehr gut kennen, damit man als Duo harmoniert”
Interview mit Katharina Diegritz

Interview von Elena Sebening

“Männer sind… und Frauen auch….” lautet der Titel des von Katharina Diegritz konzipierten Loriot-Programms. Im Gespräch erzählt sie von ihrer Karriere, ihrer Motivation für das Thema und dem Wunsch mehr Menschen für das Lied zu begeistern.


“Bei mir wird es nie Programme mit dem Titel ,Liederabend’ geben. Ich suche stets nach einem Thema, das möglichst viele Menschen anspricht”, erzählt Katharina Diegritz. Die 27-jährige Sopranistin ist sich sicher, ein Programm ohne direkten klassischen musikalischen Bezug lockt mehr Menschen in die Konzertsäle. Und: “Mit Humor kriegt man die Leute”, sagt Diegritz und lacht. 

Seit einigen Monaten singt sie im Opernchor in Bremerhaven. Doch nach acht Jahren in Köln bezeichnet sie mittlerweile die Domstadt als ihre Heimat, obwohl sie selbst aus Niederbayern stammt. Dort brachte sie das Loriot-Programm gemeinsam mit Baritonsänger Benjamin Hewat-Craw und dem Pianisten Yuhao Guo erstmalig auf die Bühne. 

Loriot begleitet die Opernsängerin schon seit Kindheitstagen und noch heute schaut sie in unregelmäßigen Abständen immer wieder die bekannten Sketche. Das Zitat “Männer sind… und Frauen auch…” stammt aus der Komödie “Pappa ante portas” in der ein Vater sichtlich ungeschickt und mit viel Unbehagen seinen Sohn versucht aufzuklären. 

Klassische Rollenbilder inszenieren

In Diegritz’ Programm dreht sich ebenfalls alles um die klassischen Beziehungen zwischen Frauen und Männern. “Ich möchte Menschen anlocken, obwohl es klassische Musik ist und jene erreichen, die sonst vielleicht eher nicht in ein Konzert gehen würden”, betont sie. In ihrer Heimatstadt sei dieser Plan aufgegangen. 

Nachdem sie sich im Jahr 2019 dazu entschlossen hatte, ein Loriot-Programm zu entwickeln, stand innerhalb von zwei Monaten das Konzept. Erst übte sie die Stücke für sich, dann gemeinsam mit ihrem Duo-Partner Yuhao Guo.

Sprachlich und gesellschaftlich schätzt Diegritz die Vielfältigkeit von Loriot. “Er schafft es das Ganze musikalisch umzusetzen und ist für mich einer der besten deutschen Komiker. Auf so hohem Niveau erzählt sonst keiner so sympathisch und humorvoll.” Durch die schöne heile Welt, die doch nicht so heil ist, wie es auf den ersten Blick scheint, habe er in ihren Augen etwas zeitloses geschaffen.

Lieder und Arien diverser Epochen

Auch ihre Eltern seien große Fans und haben sie beim Managen des ersten Konzertes intensiv unterstützt. Das Programm umfasst Lieder und Arien diverser Epoche und bringt neben bekannten Duetten aus Oper und Musical auch unbekannte Werke zum Vorschein. Gemeinsam mit Benjamin Hewat-Craw und Yuhao Guo werden die Keller-Lieder von Hugo Wolf, russisches Liedgut Rachmaninoffs und Werke des englischen Komponisten Vaughan Williams zu hören sein. Weiter gibt es Stücke aus Musicals wie Carousel, Duette aus der Zauberflöte und Arien von Wagner und Nicolai. Mit Hilfe einer humorvollen Rahmengeschichte, Loriot-Zitaten und Selbstgeschriebenem führen die Drei durch den Abend. 

Die 27-Jährige möchte an diesem Abend nicht nur unterhalten, sondern den Besuchern auch etwas zum Nachdenken mit auf den Weg geben. “Ich fände es schön, wenn sich manch einer im Anschluss Gedanken über Klischees machen würde.” Erzählt wird durch genannte Stücke eine ganz klassische Geschichte: Eine Frau trifft einen Mann, beide verlieben sich ineinander, doch sie ziert sich, lässt ihre Gefühle nicht zu, weil sie schon zu oft verletzt wurde. Der Mann kämpft und bemüht sich und erst, als er kurz davor ist, aufzugeben, erwidert sie offen seine Gefühle. “Ich bediene damit ganz klassische Rollenbilder. Jedoch stets mit dem Ansinnen, das dies hinterfragt wird.” 

Die Pianist Yuhao Guo ist schließlich auf humorvolle Art der Vermittler zwischen den Liebenden. Mal macht er sich lustig, mal führt er beide wieder zusammen. All das stets mit Blick auf einen der bekanntesten deutschen Humoristen, der vor knapp neun Jahren gestorben ist. Der Abend dauert inklusive Pause rund zwei Stunden.

Die Liebe zum Lied

Für Katharina Diegritz können Liederabende dem Zuhörer Musik auf einzigartige Weise näherzubringen: “Ich liebe das Lied, weil es die Sprache in den Vordergrund stellt und Klavierpartner und Sänger komplett gleichberechtigte Partner sind.” Zusammen würde man so eine Einheit bilden. “Man muss sich sehr gut kennen, damit man als Duo harmoniert”, ist sich die Sopranistin sicher. Über das Lied sei es möglich viel Stimmung zu transportieren

Das Musizieren ist für die Opernsängerin ihre große Leidenschaft. “Es ist möglich, alles zu denken, alles zu fühlen und auszuleben. Daran erfreue ich mich täglich. Es wirklich ist ein großes Geschenk, von der Musik leben zu können.”

Frau Diegritz, wir danken ganz herzlich für das Gespräch! Das Gespräch führte Elena Sebening im März 2020.

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