“Es muss fast so sein wie in einer Ehe: Da wird gestritten, aber auch geliebt” – Liedduo Heinzen / Mead

“Es muss fast so sein wie in einer Ehe: Da wird gestritten, aber auch geliebt”

Liedduo Heinzen – Mead

Seit 2014 konzertiert sie erfolgreich als Liedduo mit dem Pianisten Benjamin Malcolm Mead. Im April 2017 gewann das Liedduo den 1. Preis am 2. Internationalen Lied-Wettbewerb Rhein-Ruhr mit Schwerpunkt “Osteuropäisches Kunstlied” in Ratingen. Der Preis ist unter anderem mit einem Liederabend bei Im Zentrum Lied in der Spielzeit 2018/2019 verbunden.

Im März 2018 stand das Debüt mit einem Schubert-Zyklus bei der Schubertìada a Vilabertran in Barcelona an. Juvetudes de musica españa ehrte das Liedduo mit einem Sonderpreis für ein Liedrezital in der Saison 2017/2018 in Spanien. Das Liedduo erhielt den Kulturförderpreis Musik 2017 der Landeshauptstadt Düsseldorf.

 

Das Interview mit der Gewinnerin und dem Gewinner des ersten Preises des Liedduo-Wettbewerbs Rhein-Ruhr: Franziska Heinzen, Sopran und Benjamin Mead, Klavier, hier zum Nachlesen:

Lieber ist mir ein zwar kleines, aber aufmerksames Publikum als große Massen

Franziska Heinzen: Auf jeden Fall ist das Kunstlied eine „Nische“, aber es gibt so viele Initiativen und Veranstaltungen sowohl mit Arrivierten wie auch mit „rising stars“, das macht durchaus Mut, sich mit dem Kunstlied zu beschäftigen. Mir ist auch ein zwar kleines, aber aufmerksames Publikum lieber als große Massen. Und, ja – die intime Kunstform des Liedes hat definitiv eine Zukunft, gerade auch in unserer Zeit.

Wir verehren die „Klassiker“ wie etwa Franz Schubert als den Liedkomponisten schlechthin

Benjamin Mead: Natürlich sind die „Spätromantiker“, wie sie jetzt hier beim Wettbewerb gefragt waren, also Leute wie Szymanowski, Berg oder Schönberg, großartig und gefallen uns ihre Lieder sehr. Aber ebenso verehren wir die „Klassiker“ wie etwa Franz Schubert als den Liedkomponisten schlechthin ganz besonders. Wir haben aber keine direkte Präferenz, wenn es sich nur um erstrangige Kompositionen handelt,..

Heinzen: …und man darf auch das 20. Jahrhundert nicht vergessen, ebenso nicht das 21. Eine „Nische“ in der Nische wie die Lieder von Lutoslawski, die wir hier beim Preisträger-Konzert präsentiert haben. Diese Musik bietet so viel an neuen Farben und Techniken des Vortrags, die unbedingt dem Publikum bekannt werden müssen, um Ohren und Augen zu öffnen für die Kunst unserer Zeit.

Mead: Weil wir beide das Lied sehr lieben, haben wir ein, wie ich sagen möchte, sehr gesundes Gleichgewicht in unserer Duo-Partnerschaft. Wir schätzen die Meinung des jeweils anderen sehr und hören uns gegenseitig zu. Das geht oft bis in Einzelheiten, wo jeder seine Ideen mit einbringt, wie man bestimmte Details des Textes beipielsweise dem Publlikum am besten präsentieren könnte, oder habe ich jetzt als Pianist zu viel gesagt?

Ich kann ohne Pianisten nichts anfangen, und er auch nichts ohne den Sänger.

Heinzen: Nein! Denn einerseits soll zwar der Pianist nicht zu sehr „auffallen“, aber auch die Sängerin sollte das nicht, denn es ist eben eine Kunst für zwei, und die müssen gleich berechtigt sein: Ich kann ohne Pianisten nichts anfangen, und er auch nichts ohne den Sänger.

Das gibt’s leider oft, dass dies nicht funktioniert. Ich habe auch schon mit vielen verschiedenen Begleitern “experimentiert” – und jetzt klappt’s mit uns einfach bestens! Es muss – irgend jemand hat das mal gesagt – fast so sein wie in einer Ehe: Da wird gestritten, aber auch geliebt in eben diesem Sinne.

Franziska Heinzen, *1985, Sopran, Schweiz
Benjamin Mead, *1992, Großbritannien

Das Interview führte Gunter Duvenbeck.
Photos: Sabine Krasemann
Titelphoto © Franziska Heinzenn | Maren Schäfer