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Interview mit Doriana Tchakarova und Konstantin Krimmel

„Ich glaube nicht, dass ich jemals einen Partner finde, mit dem ich mich musikalisch so ergänze.“ – Doriana Tchakarova

Interview mit Doriana Tchakarova und Konstantin Krimmel

Ihr Programm „Darf ich Ihnen eine Geschichte erzählen?“ haben Sie ja bereits mehrfach gespielt. Verstehen Sie beide sich da mehr als Musiker oder als Erzähler?

Konstantin Krimmel: Wir haben mit der Zeit gemerkt und erfahren, dass uns diese Balladenform, diese Form der Geschichten, sehr am Herzen liegt. Mir macht es persönlich sehr viel Spaß, diese Geschichten zu lesen, zu erfahren und auch zu erzählen. Ich finde, das Lied ist eine kleine Oper für sich, in fünf bis sechs Minuten, es hat alle Höhen und Tiefen, Hoffnung und Verderben – es ist alles drin, was man so braucht für ein gutes Stück. Darum haben wir uns auch darauf konzentriert.

Frau Tchakarova, Sie sind ja die Erfahrene von Ihnen beiden. Haben Sie gleich gewusst, dass Sie da jemanden erwischt haben, mit dem es gut passt?

Doriana Tchakarova: Am Anfang wusste ich einfach, dass er wahnsinnig begabt ist. Aber so wie Sänger in ihrer Entwicklung sind, sind sie erstmal sehr viel mit Technik beschäftigt. Deswegen wusste ich von Anfang an, dass es phantastisch passt, aber die Entwicklung kam ein wenig später.

Es ist ja nicht unbedingt selbstverständlich, dass ein Duo so gut funktioniert, dass es praktisch fest miteinander auftritt. Wie haben Sie zueinander gefunden? Warum passt es so gut?

Konstantin Krimmel: Wir arbeiten jetzt seit eineinhalb bis zwei Jahren intensiv zusammen. Warum es so gut passt, wissen wir tatsächlich auch nicht. [lacht] Es sind vermutlich übernatürliche Kräfte am Werk, die uns da zugute kommen. Zu verdanken ist es der Musikhochschule Stuttgart, weil ich da noch als Student bin und meine Pianistin dort einen Lehrauftrag als Korrepetitorin hat. Darüber hinaus hat sich dann mehr entwickelt. Wir haben eine sehr gute Basis gefunden, so dass wir für uns sehr, sehr schöne Musik machen können. Und scheinbar kommt die auch gut an.

Sie haben gemeinsam ihre erste CD eingespielt? Was haben wir da zu erwarten?

Konstantin Krimmel: Sie wird Saga heißen und erscheint am 20. September 2019. Wir wollten einen internationalen Titel, auch wenn es alles deutschsprachige Lieder sind. Es ist wie bei unserem Programm: Wir wollen Geschichten nehmen, die uns ansprechen, allein von der Geschichte selbst. Dann kommt natürlich die Komposition, die Vertonung durch die unterschiedlichen Komponisten dazu. Da gibt es fantastische Sachen, wo wir auch sagen, da entspricht die Vertonung dem, wie wir uns den Text vorstellen. Es gibt natürlich auch Sachen, da geht man nicht ganz mit dem Komponisten. Aber nichtsdestotrotz sind diese Balladen und Erzählungen unfassbar starke Stücke. Und wir haben eben die Erfahrung gemacht, dass diese Stücke auch sehr gut ankommen, wenn man es denn schafft, sie gut zu erzählen. Doriana versucht auch, nicht nur zu spielen und die Töne abzuklappern, sondern den Text in der Musik wiederzugeben.

Doriana Tchakarova: Saga ist außerdem die nordische Göttin der Geschichte. Großteils sind es die Stücke, die wir auch im Programm spielen. Jensen, Loewe und Schumann sind auf der CD. Schubert auch, aber mit anderen Stücken. Hugo Wolf als Spätromantiker müsste man auf einer CD vielleicht woanders platzieren, im Programm passt er gut zu Jensen.

Die Frage an Sie, Frau Tchakarova: Er hat ja den Vorteil, auch die Sprache als Instrument einsetzen zu können. Was bedeutet das für Sie, wie gehen Sie da ran?

Doriana Tchakarova: Konstantin ist wirklich so inspirierend in seiner Erzählung, dass es mir nicht unbedingt schwer fällt, am Klavier mitzuerzählen. Es ist auch interessant zu schauen, wie von Komponist zu Komponist der Klavierpart gesetzt ist. Zum Beispiel bei Loewe, da hört man Vögel zwitschern oder Bachplätschern. Das macht Loewe natürlich fantastisch, dass er das, was im Text ist, auch sehr malerisch darstellt. Da ist es leichter als zum Beispiel bei Schubert, wo das Klavier eher im Hintergrund ist, aber wahnsinnig viel von der Spannung hat, um dem Sänger das nötige klangliche Umfeld zu bieten und dann die Geschichte sehr stark zu präsentieren. Darin liegt natürlich das Reizvolle und Spannende – das zu differenzieren.

Wie soll es weitergehen? Wollen Sie auf diesem Programm – und der CD – aufbauen?

Konstantin Krimmel: Auf jeden Fall möchten wir darauf aufbauen. Wir hoffen natürlich, dass die CD gut ankommt und sich das herumspricht, was wir machen. Es gibt auch schon Ideen für weitere Projekte. Wir möchten gerne ein wenig das Lied wieder aufleben lassen. Gemeinsam mit den ganzen anderen, die gerade unterwegs sind als Liedsänger und -sängerinnen, als Pianisten und Pianistinnen, möchten wir das Lied mit neu gestalten.

Warum überhaupt das Lied, warum dieses Genre?

Konstantin Krimmel: Weil es unheimlich viel Spaß macht. Von der pragmatischen Seite her ist es außerdem unheimlich gut zu bewerkstelligen, weil es nur zwei Leute und ein Klavier braucht. Es ist nicht abhängig von einem großen Apparat wie eine Oper oder ein Oratorium. Es ist viel kleiner und intimer; dadurch hat man auch eine größere Möglichkeit, herauszuholen, was es herauszuholen gibt – und so Kunst zu machen, wie man es sich vorstellt. Diese Lieder sind einfach – sooft sie auch schon gespielt und interpretiert wurden – immer wieder neu. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken und einen eigenen Weg. Jeder hat seine eigene Geschichte zu einer Winterreise von Schubert. Die klingt dann auch anders. Und ich denke, dass die auch zu Gehör gebracht werden darf – und auch sollte.

Doriana Tchakarova: Es ist auch einfach reizvoll und spannend, so minimalistisch auf der Bühne mit zwei Menschen – und damit Leute in seinen Bann zu ziehen. Wir sind auch beide als Charaktere sehr unterhaltsam und genießen das unheimlich. Und es kommt hinzu: Wir sind beide ohne das Lied aufgewachsen und haben unseren ganz eigenen Zugang im Studium gehabt und dadurch vielleicht eine andere Frische, es darzustellen. Viele Sänger haben es praktisch mit der Muttermilch aufgesogen, für die ist das Lied, ist Fischer-Dieskau ein Begriff. Ich komme aus Bulgarien und kannte es nicht. Ich habe es mit etwa 20 zum ersten Mal gehört. Das spielt vielleicht auch eine Rolle. Vielleicht sind wir dadurch in der Darstellung besonders authentisch.

Bekommen Sie das vom Publikum auch so gespiegelt?

Konstantin Krimmel: Auf jeden Fall. Ich kann dazu eine Geschichte erzählen: Beim Wettbewerb in Weikersheim gab es ein kleines Lied-Finale, wo wir drei Lieder zum Besten geben durften – unter anderem Belsazar von Schumann und Odins Meeresritt von Loewe. Im Publikum saß eine Nonne, die kam am Ende auf uns zu und sagte, sie sei so froh, hier gewesen zu sein. Sie habe eigentlich mit der ganzen Materie nichts zu tun und kenne sich gar nicht aus, aber sie sei so froh, diese Geschichten gehört zu haben. Sie habe richtig die Bilder vor sich gesehen, sagte sie. Sie hat Odin vor sich gesehen, sie hat diesen völlig gestörten Belsazar vor sich gesehen, wie er Gott ablästert und sich über alle erhebt. Und diese Bilder waren für sie so stark. Das ist natürlich das größte Lob und das größte Glück, das man als Sänger bekommen kann: dass man von solchen völlig unbefangenen Menschen, die eben keine Interpretation schon im Ohr haben, wie es vielleicht sein sollte oder wie sie es gerne hätten, gesagt bekommt: „Wow, das war so toll. Das möchte ich noch einmal hören.“ Etwas Besseres kann man sich gar nicht wünschen.

Doriana Tchakarova: Es ist halt auch die Liebe. Wir lieben diese Texte und diese Lieder. Und wann man mit Liebe und Hingabe an die Stoffe herangeht, dann entsteht etwas Interessantes.

Was wünschen Sie sich selbst für den Auftritt beim Liedsommer?

Konstantin Krimmel: Was man sich immer wünscht, ist ein aufmerksames Publikum, das gerne da ist und das offen ist für Neues. Ich glaube, wir haben auch für jeden etwas dabei. Wir versuchen immer, die Programme so zu gestalten, dass es auch Abwechslung gibt, Höhen und Tiefen, auch mal Schweres. Und ich glaube, da haben wir etwas zusammengestellt, wo nachher jeder rausgehen kann und etwas mitnimmt: vielleicht einen Ohrwurm, vielleicht einfach Eindrücke, die ihn persönlich sehr bewegt haben.

Doriana Tchakarova: Aber natürlich hat das Ganze einen roten Faden.

Konstantin Krimmel: Natürlich, das war uns auch bei der CD sehr wichtig. Darum gibt es auch einen Text dazu, der die Dramaturgie darstellt.

Herr Krimmel, Sie sind ja noch im Studium, wie geht es denn für Sie weiter?

Konstantin Krimmel: Ich habe noch ein Jahr bis zum Abschluss. Und dann kommen hoffentlich viele schöne Projekte. Aber der Fleiß, das Studium hört ja nie auf – beim Gesang, wie auch bei allen Instrumenten. Die Freischaffenheit, die ich jetzt im Studium habe und die ich schon lebe, würde ich gerne weiterleben und am liebsten alle drei Sparten bedienen: Lied, Konzert und Oper. Ich bin dann aber offen für alles, was angefragt wird.

Frau Tchakarova, fürchten Sie nicht, dass Sie ihn dann verlieren müssen an große Opernhäuser?

Doriana Tchakarova: Ich möchte das Lied-Duo natürlich gerne weiterführen, denn ich glaube nicht, dass ich einen anderen Partner finden werde, mit dem ich mich so musikalisch verstehe und ergänze. Allerdings ist er natürlich Sänger – und er muss in die Oper. Ich unterstütze ihn unglaublich dabei, wenn Vorsingen an der Oper oder andere Projekte angesagt sind, die seiner Klasse entsprechen. Ich habe einfach Vertrauen, dass das andere darunter nicht verloren geht. Dass das bleibt, wenn wir beide das wollen. Ich glaube, Lied wird er immer machen. Natürlich wünsche ich mir, dass er das mit mir macht.

Konstantin Krimmel: Es profitiert ja auch voneinander, rein stimmlich und technisch gesehen. Unsere große, gemeinsame Leidenschaft ist und bleibt das Lied, und das möchten wir in die Welt tragen.

Mit dem Duo sprach Christiane Nitsche Mitte Juli 2019 anlässlich des Konzerts in Köln am 29.8.2019.

© Photo Krimmel / Tchakarova | Daniela Reske

Interview mit Christina Messner

„Eine ganz besondere Wachheit“

Christina Messner ist Musikerin und Komponistin. Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit, laufenden Projekten und der Herausforderung, als Frau den beruflichen Weg der Komponistin zu gehen.

Wenn Christina Messner von ihrer Arbeit erzählt, beginnen ihre Augen zu strahlen und es wirkt, als könnte sie ewig schwärmen von all den Möglichkeiten, die ihr als Musikerin und Komponistin offenstehen. Bereits seit ihren Kindheitstagen ist die 49-Jährige fasziniert vom Musizieren und sogar vom Komponieren: „Ich habe alte Notenhefte wiedergefunden und tatsächlich habe ich schon als Kind erste Versuche gestartet.“

Mit fünf Jahren hielt sie das erste Mal eine Blockflöte in ihren Händen. Sie kam aus der Schule nach Hause und übte direkt weiter, weil ihr das Musizieren so viel Spaß bereitete. „Ab dem Moment war meiner Mutter klar, dass man mich fördern muss“, sagt sie und lacht. Im Alter von acht Jahren beginnt Messner schließlich mit dem Geige spielen und hat die Lust daran nie verloren. „Außerdem habe ich schon immer viel und gerne gesungen, was bis heute viele meiner Stücke prägt. Die Lust an Sprache und Gesang kam schon ganz früh, so die Musikerin.

Schließlich absolvierte sie ihr Musikstudium zwischen 1991 und 1996 in Würzburg mit dem Hauptfach Violine und dem Wahlfach Komposition. Es folgte eine zusätzliche Ausbildung in Improvisation bei Harald Kimmig in Freiburg. Mittlerweile lebt und arbeitet Christina Messner in Köln.

Der Reiz des Experimentellen

Bereits vor dem Studium schrieb Messner erste Stücke: „Mir war immer klar, dass ich auch nach der Uni nicht den klassischen Weg in ein Orchester einschlagen werde. Eigene musikalische Projekte umsetzen war schon länger mein Ziel.” Und das macht sie bis heute: Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit der Verknüpfung unterschiedlicher Sparten und interdisziplinären Ansätzen. Besonders in den Bereichen Neue Musik, Improvisation und Performance widmete sie sich verschiedensten Projekten und Konzerten.

„Natürlich gibt es bereits wunderschöne klassische Stücke, aber das Experimentelle hat mich immer gereizt“, sagt die Musikerin. Nach ihrem Abschluss entschied sie sich für das freiberufliche Arbeiten: „Ich wollte mir etwas ganz Eigenes suchen und seit dem Studium setze ich Projekte um.“

In den ersten Jahren ist Messner häufig als Performerin aufgetreten und hat als Musikerin auf der Bühne gestanden. In den vergangenen Jahren lag ihr Fokus eher auf der Komposition. „Das ist allerdings keine Entscheidung gegen das Musizieren, es hat durch Aufträge dahin entwickelt.“

Die große Offenheit für musikalische und künstlerische Stile spürte die Komponistin schon früh in sich und setzt sie noch heute auf kreativste Weise um. Selbst während des Musikstudiums mit klassischen Lehrern spielte sie nebenbei in einer Punkband.

Der Zauber der Schaffensphase

Aktuell arbeitet Christina Messner an einer Komposition für Irene Kurka (Sopran) und Martin Wistinghausen (Bass), die als Duo das Stück zum Thema „Aus Höhe und Tiefe“ im September 2019 bei Konzerten in Düsseldorf und Köln präsentieren werden. Der Beginn solch eines Werkes beginnt bei der Komponistin oft erst im Kopf, beispielsweise mit der Überlegung, welche Texte vertont werden sollen und – wenn man die Interpreten kennt – was zu den entsprechenden Sängern passt. Dennoch gäbe es keinen vorgegebenen Arbeitsablauf: „Es kann immer sein, dass ich ganze Teile wieder verwerfe und neu entwickle.“ Doch während solch einer Schaffensphase, ist Messner die ganze Zeit aufmerksam: „Auch wenn man gerade nicht arbeitet, man sammelt ständig, nimmt Dinge wahr. Ich liebe diese ganz besondere Wachheit und diese Art, die Welt wahrzunehmen.” Die interdisziplinäre Arbeit und die damit verbundene Grenzüberschreitung von Genres gibt ihr immer wieder die Chance, Neues zu lernen.

Außerdem geht es ihr darum, die Neue Musik aus ihrem Elfenbeinturm hervorzuholen. In den vergangenen Jahren arbeitete sie vermehrt in öffentlichen Räumen und gestaltete Projekte, bei denen Laien und Profis der Neuen Musik gemeinsam etwas kreierten. „Wenn man Verschiedenes zusammenbringt, was auf den ersten Blick nicht so ganz passt, kann daraus was Tolles entstehen und man holt die Musik zurück ins Leben.“ Das ist für Christina Messner auch einer der Aspekte, den sie in der Auseinandersetzung mit dem Lied wiederfindet.

Die Tatsache, dass sie eine der wenigen weiblichen Komponistinnen ist, begleitete Christina Messner ihre ganze Laufbahn – mal mehr, mal weniger. „Natürlich weiß ich nicht, wie es mir als Mann ergangen wäre, aber da waren einige Situationen, in denen ich anders behandelt wurde als meine Kollegen.” Im Studium in Würzburg war sie beispielsweise die einzige Frau in den Kompositions-Kursen. „Ich scheine genau die Generation dazwischen zu sein. Zahlreiche Frauen vor mir haben sich bereits einiges erkämpft, dennoch gab und gibt es noch einige Hürden für meine Generation”, findet die 49-Jährige.

Der Weg zur Komponistin

Sie sei in einer schwäbischen Kleinstadt mit der Meinung aufgewachsen, dass Frauen nicht komponieren können: „Das tauchte einfach nirgends auf.“ Selbst bis zum Ende ihres Studiums hörte Christina Messner immer wieder den Satz: „Aber du bist doch eine Frau”, wenn sie erzählte, dass sie Komponistin sei. Dennoch sie sich sicher: „Die Generation, die heute studiert, hat es wieder ein Stück weit einfacher.” Auch wenn längst noch nicht alles gleichberechtigt ablaufen würde: „So viele Jahre war es in den Köpfen der Frauen, dass sie gewisse Dinge nicht umsetzen können. Es wird dauern, bis das ganz verschwunden ist.”

Dennoch stand für Christina Messner immer fest, dass sie sich von ihrem Traumberuf nicht abbringen lässt. Sie hofft auf eine Zukunft, in der Komponistinnen gleichberechtigt auf Festivals auftreten und in den Musikprogrammen vorkommen: „Da ist noch immer eine große Schieflage. Die Aufmerksamkeit für das Thema sei weiterhin von großer Relevanz. So blickt sie sehr interessiert auf das Liedwelt Konzert, welches sich zu Clara Schumanns 200. Geburtstag dem Thema Komponistinnen widmet.

„Ich wünsche allen Frauen, ein natürliches Gefühl und gesundes Selbstbewusstsein für ihre Berufswahl. Es wäre wünschenswert, wenn man sich künftig nicht mehr solche Gedanken machen müsste weil das Gleichgewicht hergestellt wurde.”

Ihren Weg würde Christina Messner trotzdem immer wieder so gehen: „Der Beruf hat so viele Facetten. Ich kann schreiben, mir Zeit zum Denken nehmen, mit Musikern zusammenarbeiten, genieße die Probenarbeit, spiele selbst Geige, unterrichte und mache all das mit jeder Faser gern!“

Das Gespräch führte Elena Sebening.

 

© Photo: Liedwelt Rheinland

Susanna Kadzhoyan

Susanna Kadzhoyan

Susanna Kadzhoyan verbindet künstlerische Fähigkeiten und eine charismatische Persönlichkeit mit einem starken Willen, soliden technischen Kenntnissen und ausgeprägter Erkenntnis von Intention und Interpretation. Sie begeistert ihr Publikum weltweit. Sie gewann den 1. Preis in einigen internationalen Klavierwettbewerben und dies brachte Susanna Kadzhoyan internationalen Ruhm. 2012 absolvierte sie die Kölner Musikhochschule mit Auszeichnung sowie 2014 ihr Konzertexamen Klavier mit Auszeichnung bei Prof. N. Tichman sowie den Master of Music Kammermusik bei Prof. A. Spiri. 2013-2016 unterrichtete sie Klavier Kammermusik an der Hochschule für Musik Freiburg. 2016 übernahm sie die künstlerische Leitung der Konzertreihe „Bechstein Young Professionals“ in Köln.  2016-2019 unterrichtete Susanna Kadzhoyan Klavier an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Photo © Mischa Blank

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Lucas Singer

Lucas Singer

Neben seinen Bühnenverpflichtungen geht Lucas Singer einer regen Konzerttätigkeit nach. Sein Repertoire reicht dabei von den Vokalwerken der Renaissance bis hin zu den großen romantischen Oratorien. Bereits seit vielen Jahren liegt dem Bassisten auch das Kunstlied sehr am Herzen, und so ist er immer wieder mit unterschiedlichen Programmen zu erleben, die sich speziell dieser Gattung widmen.

Aufgewachsen als Sohn einer Musikerfamilie, studierte er Klavier und Gesang in Essen und Köln. Weitere Impulse erhielt er durch die Zusammenarbeit mit seinem Vater Hartmut Singer, Kurt Moll und Reinhard Leisenheimer, sowie in verschiedenen Meisterkursen u.a. bei Margret Singer und Helen Donath.

Bereits seit mehreren Jahren zählt Lucas Singer zum festen Ensemble der Oper Köln, an der sich der Bass in den letzten Spielzeiten ein breites Rollenspektrum erarbeiten konnte. Partien wie SARASTRO in »Die Zauberflöte«, EREMIT in »Der Freischütz«, PUBLIO in »La Clemenza di Tito«, LODOVICO in »Otello«, COLLINE in »La Bohème«, TIMUR in »Turandot«, BITEROLF in »Tannhäuser«, SPARAFUCILE in »Rigoletto«, TOD/LAUTSPRECHER in Ullmanns »Der Kaiser von Atlantis« und SWALLOW in »Peter Grimes« zählen dabei zu seinem Kernrepertoire.

Begonnen hat Lucas Singer seine Karriere im Internationalen Opernstudio der Oper Köln. In den letzten Jahren folgten dann Debuts an den Opernhäusern in Karlsruhe, Mannheim, Kiel, Coburg, Basel und an der Komischen Oper Berlin.

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© Lucas Singer | Matthias Baus

Interview mit Lucas Singer

„Wenn jemand die Loewe-Balladen am Leben halten kann, dann sind es vielleicht wir Bässe.“ – Interview mit Lucas Singer 

 

Herr Singer, Sie haben zuletzt im April 2019 an der Oper Köln bei Walter Braunfels’ Heiliger Johanna mitgewirkt, die gleich auf mehreren Ebenen eine Parabel über Widerstand und Selbstzweifel ist. Wie gelingt danach der Umstieg in die Romantik der Liedwelt?

Für uns Opernsänger ist es ja völlig normal, zwischen den Epochen und Stilen zu springen. Das gehört zum Alltag dazu. Es ist täglich Brot, dass man flexibel bleibt. An der Oper Köln spielen wir zwar momentan durch das Interim bedingt ensuite, aber an den meisten deutschen Stadt- oder Staatstheatern kann es durchaus passieren, dass man an einem Abend eine Händel-Oper singt, am nächsten Tag die Zauberflöte und am Tag drauf vielleicht Wagner. Da muss man einen Weg für sich finden. Die Stile muss man sich aneignen und danach auch wach halten. Natürlich gibt es Spezialisten, die sich beispielsweise verstärkt auf das barocke Repertoire verlegen, oder auf die Romantik. Aber das kann man sich als Ensemble-Mitglied eines solchen Theaters nicht immer leisten. Allerdings ist das auch etwas, das großen Spaß macht. Ich genieße es sehr, einen Abend dies zu machen und den nächsten etwas ganz unterschiedliches.

Es ist also eher Freude als Herausforderung?

Schon eine Kombination aus beidem. Ich singe ja auch viele Konzerte im Oratorienfach und ähnlichem, und das ist natürlich wieder etwas ganz anderes. Es kann sein, dass sonntags morgens eine Bach-Kantate ansteht und abends dann Parsifal. Aber das eine bedingt ja zum Teil auch das andere. Ich genieße es jedenfalls, das Breitgefächerte machen zu können. Das mag nicht jeder, das weiß ich. Ich schon.

Erklärt sich so auch die Programmauswahl für die Loewe-Matinée?

Die Loewe-Balladen sind im Grunde kleine Mini-Opern. Denen schadet es nicht, wenn man da mit etwas opernhaftem Gestus reingeht. Bei Schubert ist es anders, aber ich würde sagen, das lässt sich gut vereinbaren.

Gibt es denn bei aller Liebe zum großen Repertoire so etwas wie Favoriten?

Die deutsche Romantik und Spätromantik – das ist ein Stil, den ich sehr mag. Strauß und Wagner, das ist fantastische Musik. Aber auch in der Symphonik: Bruckner und Mahler. Für mich ist das Musik zum Reinlegen und Eintauchen. In einen Wagner-Ring kann man sich richtig versenken. Das liegt mir sehr. Aber ich mag auch die italienische Romantik: Verdi, Puccini. Das singe ich sehr gerne. Mozart-Opern sind auch fantastisch. Als ich noch Klavier studiert habe, habe ich auch Debussy sehr gerne gespielt. Brahms, Bach… Ich liebe die Bach-Passionen. Je länger ich darüber nachdenke: Es fällt mir schwer, mich festzulegen.

Ich liebe Schubert. Leider gibt’s von Schubert nicht viel für die Oper. Oder Gott-sei-Dank – ich weiß es nicht (lacht). Aber Schubert instrumental, das ist fantastisch; die Klaviermusik finde ich unglaublich toll. Und die Lieder sowieso.

Was ist es, was Sie sich versenken lässt?

Wenn ich an die Oper denke, ist es die Üppigkeit, das Überbordende, was vielleicht manchmal auch ein bisschen kitschig sein mag. Was mir bei Verdi und Wagner in den Sinn kommt, sind diese riesig instrumentierten Szenen und die langen musikalischen Bögen. Das sind wirklich Welten, in die man eintauchen kann. Auf der anderen Seite ist es auch das Gefühlsbetonte, wobei das interessanterweise bei den Liedern, die ich für unsere Matinée von Schubert ausgewählt habe, nicht so im Vordergrund steht. Bei Loewe ist es eher das Balladenhafte, das vielleicht auch nicht so sehr auf eine gefühlsmäßige Innenwelt zielt.

Was charakterisiert denn die Stücke, die bei der Loewe-Schubert-Matinée auf dem Programm stehen? Ist es das Drama?

Was bei beiden, also Loewe und Schubert, in unserem Programm Thema ist, sind die „Grenzen der Menschheit“. So auch der Titel eines der Schubert-Lieder und des Programms vom 9.6.2019. Es geht um die Zwischenwelt, die Schnittstelle zwischen Diesseits und Jenseits, da wo die irdische Welt immer wieder verhandelt wird.

Bei Loewe ist es oft ein bisschen wie beim Tatort. Es hat etwas vom Krimi. Ewig lang gibt es diese ungeklärte Situation, der Krimi spitzt sich zu und dann kommt am Ende in den letzten zwei Takten die Auflösung oder einer ist plötzlich tot. Die Romantik hat eben auch dieses Erzählerische. Das finde ich sehr spannend.

Steht das Programm schon? Können Sie schon verraten, welche Lieder dabei sein werden?

„Grenzen der Menschheit“ auf jeden Fall. Schuberts „Sehnsucht“, und eines seiner „Abendrot“-Lieder. Wir überlegen außerdem, die „Fahrt zum Hades“ reinzunehmen. Ein sehr lustig-makaberes Lied ist das „Totengräberlied“: quasi eine Dankes-Ode des Totengräbers an seinen Spaten, der ihm den Lebensunterhalt ermöglicht. Ich weiß aber noch nicht, ob es reinkommt. Dann gibt es „Auf der Donau“, wo der Schiffer mit seinen Gedanken in eine Zwischenwelt abdriftet. Beim Erlkönig sind wir noch nicht hundertprozentig sicher – wahrscheinlich wird es nicht der Schubert, sondern der Loewe. Der würde natürlich super passen. Aber es besteht immer die Gefahr, dass man nur die Bekannten nimmt. Wahrscheinlich machen wir auch den „Nöck“.

Diese Loewe-Balladen, das ist ein Universum. Da gibt es soviel zu entdecken. Es gibt sehr viel Material. Ich fürchte, nicht alles, was ich gerne machen möchte, passt rein. Ich habe aber ein paar Lieder ganz neu für mich entdeckt. „Tod und Tödin“, zum Beispiel, wo es darum geht, wie der Tod und seine Frau ihren Alltag gestalten. Das ist eine ganz süße Miniatur, ein super Stück. Leider wird Loewe nicht mehr so viel gespielt. Darum dachte ich mir: Zum 150. Todestag, da kann man noch mal gezielt viel Loewe machen.

Haben Sie eine Idee, warum Balladen generell weniger populär geworden sind?

Ich glaube, das liegt daran, dass da so wenig Raum für Interpretation auf verschiedenen textlichen Ebenen ist, weil die Ballade im Grunde einfach eine Erzählung ist. Das, was gesagt werden soll, wird gesagt. Und die Gefahr ist, dass man das vielleicht manchmal Kitschige darin, das nicht so unglaublich Doppelbödige, als einfach abstuft. Aber ich habe das Gefühl, dass das, wenn man sie ernst nimmt, durchaus unterhaltend sein kann. Es gibt schon etwas nachzudenken, und auch mitunter den Fingerzeig. Vielleicht ist die Gefahr: dass es auf den ersten Blick zu simpel wirkt und zu kitschig. Loewe kann durchaus auch etwas hausbacken wirken. Vielleicht sind wir Bässe auch etwas einfach gestrickt (lacht). Aber ich finde, gerade für die Bässe gibt es da sehr dankbare Sachen. Ich habe ja viel mit Kurt Moll gearbeitet, der die Loewe-Balladen sehr geliebt hat. Und wenn jemand die Loewe-Balladen am Leben halten kann, dann sind es vielleicht traditionell wir Bässe.

Sie sprachen von der technischen Ebene, über die Sie sich die Breite an Repertoire erhalten. Gibt es daneben noch andere Wege für Sie, sich auf diese Welt einzustimmen?

Wenn ich von der Oper ausgehe, sind es die Rollen, die sich anbieten; dass man sich da reingibt. Technisch ist es wie bei einem Instrumentalisten auch. Ein Geiger muss seinen Bogen bei einem Barockstück anders führen als bei einem romantischen. Das ist bei uns ähnlich. Je weiter es in die Moderne geht, wird es mehr Sprechgesang, zum Beispiel. Auf der inhaltlichen Ebene geht es über die Rollen und natürlich über den Text. Das ist der Vorteil eines Sängers, dass er den Text hat, der Vorgaben macht. Da ist das Fahrwasser schon in eine Richtung geklärt.

Das bringt mich zu einer anderen wichtigen Frage: Was hat Sie denn bewogen, vom Klavier zum Gesang zu wechseln?

Gute Frage. Weniger Üben! (lacht) Aber im Ernst: Ich komme aus einer Sängerfamilie und habe mich zuerst auf ein anderes Feld verlegt – wohl, weil das zuhause schon belegt war. Ich habe lange nicht gesungen. Aber irgendwann hat es mich doch wieder eingeholt. Im Klavierstudium hatte ich Pflichtfach Gesang, musste also singen. Darüber bin ich langsam wieder dazu gekommen. Es hat mir dann immer mehr Spaß gemacht und irgendwann hat’s mich dann doch gepackt. Und ich dachte mir: Probier’s doch einfach aus. Dann habe ich die Aufnahmeprüfung in Köln bestanden, und es ist immer so weiter gegangen. Parallel habe ich noch Kunst- und Kulturmanagement studiert, weil ich eigentlich gar nicht so sehr in die ausübende Richtung gehen wollte.

Aber das Singen hat schleichend immer mehr Raum eingenommen. Wenn man sich dann doch intensiv mit der Sache auseinandersetzt, packt es einen. Als ich den Studienplatz bekam, dachte ich: Jetzt versuchst du es auch. Zuerst habe ich dann noch nebenbei Klavier unterrichtet, aber irgendwann war klar: Das Singen war raumgreifend geworden. Als ich dann ins Opernstudio Köln kam, war klar: Ich muss mich jetzt auf diese eine Sache konzentrieren.

Nichtsdestotrotz spiele ich natürlich viel Klavier, um meine Stücke einzustudieren oder um Stücke kennenzulernen. Das ist mein Vorteil: dass ich mir vieles selbst aneignen kann, wofür ich sonst einen Repetitor bräuchte. Insofern ist das Klavier schon immer noch dabei, aber ich gehe nicht mehr auf die Bühne damit. Und da komme ich zu dem, was ich zuerst sagte: Klavier braucht Minimum vier bis fünf Stunden Üben am Tag. Die habe ich einfach nicht mehr zur Verfügung.

Sie haben ja dafür nun mit Elnara Ismailova eine versierte und viel gepriesene Liedbegleiterin an ihrer Seite.

Genau. Wir arbeiten schon seit Jahren zusammen. Sie war meine Repetitorin in der Hochschule und auch in verschiedenen Meisterkursen. Wir kannten uns schon vor meinem Studium und haben uns dann an der Hochschule wieder getroffen, in Essen und in Köln. In letzter Zeit kommen wir leider nicht mehr so viel dazu, etwas zusammen zu machen, weil die Oper doch sehr raumgreifend ist und viel Zeit in Anspruch nimmt. Umso mehr freut es mich, dass wir jetzt dieses schöne Programm miteinander musizieren werden.

Wie viel Zeit widmen Sie dem Singen täglich?

Das ist unterschiedlich. Wenn ich morgens Probe an der Oper habe und abends eine weitere Probe oder Vorstellung, sehe ich zu, dass ich dazwischen Ruhe habe. Je mehr Oper ich singe, umso mehr merke ich, dass die Stimme zwischendurch Erholung braucht. An meinen freien Tagen versuche ich aber schon, mich Minimum zwei bis drei Stunden mit der Sache zu beschäftigen. Das kann Notenlesen sein, Technikübungen, Textlernen; das ist wie Fingerübungen am Klavier. Aber natürlich gibt es auch Tage, wo ich mich vier bis fünf Stunden einschließe, um meine Sachen zu lernen. Dann singe ich aber nicht die ganze Zeit.
Sie sind jetzt 36 Jahre alt. Wie sehen Sie Ihre Zukunft – was kann und soll noch kommen?

Ich genieße es momentan sehr, in Köln meinen Hauptsitz zu haben und fest am Haus zu sein. Die Perspektive ist aber sicher, dass man mehr und mehr freischaffend macht. Das ist die klassische Laufbahn. Aber ich glaube, ein Stammhaus würde ich gerne behalten. Die Verbundenheit zu einem Ort, die gibt mir viel. Ich glaube, ich brauche immer zumindest so etwas wie eine Teilbasis. Und ich genieße es sehr, dass das momentan die Oper Köln ist, in dieser schönen Stadt.

Zum Schluss die vielleicht wichtigste aller Fragen: Was bedeutet es Ihnen, ein Sänger zu sein?

Das Klischee – aber auch die Wahrheit – ist, dass man sein eigenes Instrument ist. Dass es eine andere Stufe von Erleben ist, wenn man selbst den Klang produziert, als wenn es über ein Medium wie ein Instrument passiert. In Kombination mit dem schauspielerischen Aspekt, also in eine Rolle zu schlüpfen – das ist noch mal eine ganz andere Ebene. Sie haben immer diese drei Faktoren: Sie müssen Künstler, Instrument und Rolle sein. Diese Kombination macht es kompliziert, aber auch total spannend. Und sehr erfüllend.

 

Das Interview führte Christiane Nitsche.

© Photo: Lucas Singer |  www.lucassinger.com

Heimat Europa? – Ein brandaktuelles, facettenreiches und fragmentarisches Mosaik

Heimat Europa? – Ein brandaktuelles, facettenreiches und fragmentarisches Mosaik

Liederabend im Rahmen der Kölner Themenwoche 2019 „Europa“: Kulturelle Identität als Fragment im Kunst- und Volkslied Europas

Insgesamt sechs Sängerinnen und Sänger und fünf Pianistinnen und aus der Liedakademie der Hochschule für Musik und Tanz Köln gestalteten am 10. April 2019 unter der künstlerischen Leitung von Prof. Ulrich Eisenlohr in der Trinitatiskirche Köln ein spannendes Programm zum Thema „Heimat Europa?“ Die Formulierung des Titels als Frage könnte angesichts der derzeitigen Situation Europas in Zeiten des Brexits, der anhaltenden Migrationsströme aus Krisengebieten und des beunruhigend wachsenden Rechtspopulismus aktueller nicht sein. Die Studierenden der Liedakademie musizierten auf hohem künstlerischem Niveau Lieder, die zur Nachforschung hinsichtlich der kulturellen Identität Europas anregen.

Den Einstieg gaben im ersten Themenblock Vertonungen romantischer Komponisten aus der Gedichtsammlung Johann Gottfried Herders „Stimmen der Völker in Liedern“. Herders zu seiner Zeit extrem einflussreiche Gedichtsammlung bietet einen breiten Schatz an Volksliedern aus ganz Europa: Sagen, Liebesgedichte und Referenzen auf politische Ereignisse wie zum Beispiel das „Lied der Königin Elisabeth“ geben Einblicke in die kulturelle Geschichte Europas und seine kulturelle Identität. Hedwig Ritter (Sopran), Tabea Mahler (Mezzosopran), Vincent Debus (Tenor) und Frederik Schauhoff (Bariton) gestalteten gemeinsam mit Yuhao Guo (mit perlendem Klang am Klavier) Lieder von Johannes Brahms und Carl Loewe.

Hölderlin und Hollywood

Im zweiten Themenblock wird Europa als kulturelle Heimat gebrochen. Hanns Eislers „Hölderlin- Fragmente“ aus dem „Hollywooder Liederbuch“ erinnern an den zweiten Weltkrieg und den Holocaust und die damit einhergehende Krise der deutschen und europäischen Identität im 20. Jahrhundert. Eisler vertonte Gedichte Hölderlins, die er selbst nur fragmentarisch übernahm – jedes Auslassen und Umschreiben im Text ein Kommentar auf die Fragmentierung der eigenen Erfahrung von Heimat, der Zerstörung des eigenen Heimatgefühls auf Grund des Exils. So zum Beispiel das letzte Lied im Zyklus „Erinnerung“, das bei Hölderlin noch den Titel „Lied eines Deutschen“ trägt.

Tabea Mahler und Lisa Ochsendorf am Klavier interpretieren entschieden und vermitteln das auch in der Tonsprache fragmentarisch von der Zwölftonmusik bis zum Jazz changierende Werk eindrücklich.

Der Wanderer – immer im Kunstlied präsent

Nun wendet sich das Programm der Figur des Wanderers zu, eine Figur die im romantischen Kunstlied einen großen Platz einnimmt, denkt man zum Beispiel an die Winterreise von Schubert.

Die Figur des Wanderers, des Heimatlosen bleibt auch in heutigen Zeiten der Migration hochaktuell. Hedwig Ritter, Frederik Schauhoff und Ayaka Kodoi musizieren mit klarem Klang Lieder von Schubert, Schumann und Brahms, die sich verschiedenen Facetten des Wandererdaseins zuwenden: keine Heimat finden („Der Wanderer“/Schubert), die Wut über Einsamkeit und Heimatlosigkeit („Kein Haus, keine Heimat“/Brahms), die Sehnsucht, endlich nach Hause zu kommen („Mondnacht“/Schumann) und schließlich als Fragment aus dem vorhergegangenen Themenblock: Erinnerung an die Heimat „Erinnerung an Schumann und Eichendorff“/ Eisler.

Kosmopoliten und Weltenbürger

Julie Verkauteren (Sopran) und Ani Ter-Martirosyan am Klavier gestalten elaboriert, mit Witz und starker Ausdruckskraft im nun folgenden Block „Kosmopoliten“ die Lieder „ Six Poèmes de Guillaume Apollinaire“ von Arthur Honegger. Apollinaire war selbst polnisch-italienischer Abstammung und lebte den größten Teil seines Lebens in Frankreich – ein Weltenbürger, Europäer und Europareisender wie er im Buche steht. Beide – Honegger als Teil der Groupe des Six, Apollinaire in seinen Freundschaften zum Beispiel mit Picasso – waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts Teil des aktiven Pariser Kunstlebens der Moderne, Surrealismus und Dadaismus entstehen, die europäische Kunst floriert vor dem Beginn des ersten Weltkrieges – ein Exkurs in eine Zeit, in der der Titel des Programmes vielleicht nicht mit einem Fragezeichen versehen werden musste.

Zum Abschluss des Konzertes musizieren Rina Hirayama (Mezzosporan) und Wan-Yen Li (Klavier) die „Quattro canzoni popolari“ des italienischen Avantgardisten Luciano Berio. Es schließt sich der Kreis zum Anfang des Konzertes, denn Berios Lieder sind Volkslieder „canzoni popolari“, in den letzten Kriegsjahren des zweiten Weltkrieges vertonte Texte aus dem 12. – 14. Jahrhundert. Und da ist es wieder, das Fragment der europäischen Tradition, des Volksliedes, das uns bis heute beschäftigt und Luciano Berio zu einem kraftvollen Werk mit eklektischer Tonsprache inspirierte! Rina Hirayama und Wan-Yen Li entlassen uns mit energiegeladener Ausführung in unsere eigenen Gedanken.

Europäische Identität bleibt ein Mosaik

Die Erfahrung der europäischen Identität bleibt die Erfahrung eines Mosaiks, facettenreich und fragmentarisch. Als Zuhörer des Konzertes erfahren wir etwas über die Vielfältigkeit dieser Fragmente, Mosaikstücke in Form von Liedern und Volksliedern unterschiedlichster Nationen und unterschiedlicher Epochen, die als Ganzes ein Bild Europas ergeben. Wir erfahren als Zuhörer, dass die Lieder nichts an Aktualität eingebüßt haben und auch, dass zum Fragmentarischen der kulturellen Erfahrung Europas aus unserer heutigen Perspektive andere Bedeutungen hinzukommen. So denkt man beispielsweise beim Vortrag des von Johannes Brahms romantisch vertonen Liedes „Die Meere“ aus Herders Gedichtsammlung unwillkürlich an die von vielen europäischen Staaten auf den europäischen Meeren vergessenen und abgewiesenen Flüchtlinge- Wanderer im heutigen Sinne.

Wie können sie, die ihre Heimat verlassen mussten, in Europa eine neue Heimat finden? Wie können die in Europa aufgewachsenen Europäer Europa als Heimat empfinden und im Angesicht von Brexit und wachsendem Rechtspopulismus den europäischen Gedanken der Einheit unterschiedlichster Völker weitertragen?

Die ersten zwei Stücke des Programms „Wege der Liebe“ (1. und 2. Teil) von Johannes Brahms könnten uns hierzu eine Antwort geben. Hier wird der Gott der Liebe Amor als ein Flüchtling besungen, der trotz Widrigkeiten doch immer einen Weg und eine Heimat findet. Hoffen wir, dass es in Europa in diesem Sinne weitergehen kann.

Bericht: Milena Knauss (20.4.2019)

Photos © Milena Knauss

Interview mit Konstantin Paganetti

„Das Lied ist für mich eine der schönsten und natürlichsten Arten mit Menschen in Kontakt zu treten.“ – Interview mit Konstantin Paganetti

 

Konstantin Paganetti ist 23 Jahre alt und studiert an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln Gesang. Am 8. Mai 2019 ist der Bariton in einer Jacques Offenbach Revue im Kölner Domforum zu hören, die im Rahmen des Liedsommer 2019 geplant wurde. Im Interview erzählt er von seinen ersten musikalischen Berührungspunkten und was das Lied für ihn bedeutet.

Der Bariton Konstantin Paganetti wuchs in einem musikalisch geprägten Elternhaus in Neuwied am Rhein auf. Der 23-Jährige studiert seit 2015 an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln Gesang bei Christoph Prégardien. Paganetti ist gefragter Solist und Ensemblesänger und verbrachte bereits Zeit bei Chorproben und Gesangstunden, bevor er sprechen konnte.

„Meine Eltern sind Kirchenmusiker und haben viel für Alte Musik übrig. Schon als Kind wurde ich von ihnen an das Kunstlied herangeführt“, erzählt er. Der musikalische Geist der historischen Aufführungspraxis liegt Konstantin besonders am Herzen. Nachdem er in den Kinderchören seiner Mutter gesungen hatte, wirkte er in der Kantorei St. Matthias Neuwied mit. Weitere musikalische Impulse erhielt er vor allem von seinem Vater im Kammerchor Neuwied, aber auch im Landesjugendchor Rheinland-Pfalz und im Kölner Kammerchor von Peter Neumann.

Mit der Zeit entwickelte Paganetti ebenfalls ein großes Interesse für historische und moderne Tasteninstrumente. Regelmäßig setzt er in Liederabenden auch seinen Hammerflügel als Begleitinstrument ein. Vor allem die außergewöhnlichen Klangfarben der alten Instrumente reizen ihn sehr. „Besonders spannend wird es, wenn man in einem Konzert beispielsweise Mozart-, Haydn- und Beethoven-Lieder auf einem Instrument der Wiener Klassik und romantische Kunstlieder auf einem modernen Konzertflügel präsentieren kann. Das ist zwar sowohl für mich als Sänger, als auch für den Pianisten eine große Herausforderung – für das Publikum aber eine willkommene klangliche Abwechslung und Differenzierung. Wir dürfen da nie aufhören neue Wege zu gehen“, findet der Sänger.

Neben Cello- und Klavierunterricht begann er vor zehn Jahren Gesangsunterricht bei seinen Eltern zu nehmen. Mittlerweile studiert er an der Kölner Musikhochschule Gesang und freut sich, die künstlerische Ausbildung mit all ihren praktischen Einheiten und dem individuellen Einzelunterricht dort genießen zu dürfen. „Wir haben in den letzten Semestern des Bachelors viele Möglichkeiten und Freiheiten.“ Konstantin Paganetti wird voraussichtlich 2020 seinen Bachelor beenden. Wo er sein Studium im Master weiterführen wird, steht noch nicht fest.

Kammermusik in Reinform

Klar ist jedoch, dass er sich auch in Zukunft intensiv mit der Gattung Kunstlied beschäftigen wird. „Das Lied trifft den Menschen ganz unmittelbar und wenn man sich als Zuhörer nicht komplett verschließt, können wir Künstler zusammen mit dem Publikum neue Welten entdecken. Dann berühren uns die Lieder auf intensive Weise“, sagt der 23-Jährige. Für ihn ist das Lied „Kammermusik in Reinform“ und „eine der schönsten und natürlichsten Arten mit Menschen in Kontakt zu treten und zu kommunizieren“. Durch das Lied könne man sich auf unterschiedlichste Weise verwirklichen. Sowohl die Beschäftigung mit den Liedtexten, als auch das Erarbeiten großer Liedzyklen sei stets eine erfüllende Herausforderung. „Ich frage mich dann immer was mit dem lyrischen und erzählenden Ich passiert, möchte den Text durchdringen verstehen, bevor ich ihn selbst interpretiere“, sagt Paganetti.

Einen Zugang müsse man selbst finden, ob durch den Text oder die Musik. Eine große Ehre sei für ihn die künstlerische Zusammenarbeit mit anderen Liedgrößen wie den Pianisten Michael Gees und Christoph Schnackertz, mit denen er 2018 erstmalig zusammen Liederabende gestaltete. Als weitere musikalische Höhepunkte beschreibt er seine Aufführungen der Winterreise von Franz Schubert zusammen mit dem Pianisten Eric Schneider im Jahr 2017.

Konzert mit Eric Schneider

„In den letzten fünf Jahrhunderten europäischer Musikgeschichte wurde unfassbar viel gute Musik geschrieben, ich entdecke immer wieder Neues.“ Die Musik und die Beschäftigung mit Liedern habe ihm durch unterschiedliche Lebensphasen geholfen. „Die Musik gehört zu den wenigen Dingen des Lebens, die einen nie im Stich lassen und immer für einen da sind. Das ist schon ein ganz großer Luxus.“

In neue Charaktere schlüpfen

Am 8. Mai 2019 wird es im Kölner Domforum die Premiere einer Jacques Offenbach Revue geben. Gemeinsam mit Schauspielern wird der Abend kammermusikalisch inszeniert und bringt die Charaktere lebhaft in eine ganz neue Operette auf die Bühne. „Auf Stichwort schlüpfen wir in unterschiedlichste Rollen“, verrät Paganetti.

Neben dem Lernen für die Hochschule und neuem Repertoire sowie Proben seien auch Auszeiten wichtig. „Da aber alles viel Freude macht und genau das ist, was ich machen möchte, investiere ich gerne meine Zeit“, so der Bariton. Der Kontakt mit Kollegen und die vielfältigen Möglichkeiten und Arbeitsfelder als Lied- und Konzertsänger machen für ihn den Reiz seiner Arbeit aus. „Meine Eltern haben mich zum Glück immer auf meinem Weg unterstützt.“

In Zukunft möchte sich der 23-Jährige auch weiterhin mit dem Lied auseinandersetzen: „Es ist privat und unmittelbar, möchte Menschen berühren und Welten entdecken“.

Das Interview führte Elena Sebening am 13. März 2019.

 

© Photo: Liedwelt Rheinland | Michael Wegener

“11 Fragen an…” – Eva Marti

“11 Fragen an…” – Eva Marti

 

Was machen Sie tagsüber?

Üben, proben, essen, spazieren gehen… Ich lebe! Mit alledem, was dazu gehört.

Ihr heißer Literatur-Tipp?

“Jane Eyre” von Charlotte Brontë
“La Peste” von Albert Camus
“Walk through walls” von Marina Abramovic
“The empty space” von Peter Brook
“Angela’s Ashes” von Frank Mccourt
“Possession” von Antonia Byatt

Ihr liebstes Kinderlied?

Es ist kein richtiges Kinderlied, aber ein Lied was ich als Kind total geliebt habe: “The boxer” von Simon&Garfunkel. Ich wusste überhaupt nicht worum es ging, aber ich habe das Refrain so geliebt und immer volle Kanne gesungen.

Gehen Sie gerne wandern? Wo? Warum?

Ja, es tut mir sehr gut in der Natur zu sein (wem nicht?). Es kann so anstrengend sein, und dadurch extrem befreiend für den Kopf. Was das Wo angeht: überall wo es schön ist! Am liebsten Wanderwege die direkt am Meer entlang sind.

Ihre größte Freude beim Lied-Musizieren?

Zusammen mit dem Pianisten unsere eigene Chefs zu sein. Anders als in der Oper zum Beispiel, wo man von so vielen verschiedenen Elementen/Menschen abhängig ist.

Graben Sie gerne in Archiven?

Ich sollte wahrscheinlich JA sagen, um eine respektierte Lied-Interpretin zu sein, aber die Antwort ist: Nein…Ich bin ziemlich faul was das angeht!

Ein Bild oder eine Skulptur das ein Lied verdient?

Gemälde: “Die Metamorphose des Narziss” von Salvador Dalì
Skulptur: irgendeine von Alik Cavaliere

Ihr Lieblingsort für einen Liederabend?

Überall wo das Publikum aufmerksam ist und die Akustik angenehm ist.

Thrilling Story behind – Ihr spannenstes Lied-Fundstück?

Ihr Ritual vor jedem Auftritt? Womöglich: Ausschlafen, Liebe machen, Duschen und Haare waschen, gut frühstücken und mich immerwieder ein bisschen einsingen im Laufe des Tages. .Ca 2-3 Stunden vor dem Auftritt ganz viel Pasta essen!

Gucken Sie Fußball?

Nur bei EM oder WM.

Ein unvergessliches Konzerterlebnis?

Mit meinem Kinderchor auf dem Hauptplatz von Bethlem am Weihnachtsabend 1999 in Welt-Live-Übertragung zu singen.

Ihre favorisierte Lied-Aufnahme?

Konrad Jarnot/Reinild Mees: Korngold
Friz Wunderlich/Hubert Giesen: Dichterliebe von Schumann
Sarah Connolly/Eugene Asti: King David von Howells

Und sonst fast alles was von Julius Drake und Hans Eijsackers gespielt wird….

Ihr letzter Ohrwurm?

“In einer kleinen Konditorei…” Meine Mitbewohnerin hat angefangen (als einzige Deutsche) in dem japanischen Chor in Düsseldorf zu singen, und hat mich mit diesem deutsch/japanischen Lied angesteckt.

Was würde uns in einer Zeit ohne das Lied verloren gehen?

Eine der letzten Arten der narrativen Erzählung (mindestens in der erwachsenen Welt), in der einen direkten Kontakt zwischen Erzähler und Zuhörer entsteht.

Vervollständigen Sie: “Jeden Morgen ein Lied…

…macht mich wach und lieb.“

 

Photo © Eva Marti | Julia Hausmann

“11 Fragen an…” – Andreas Durban

“11 Fragen an…” – Andreas Durban

 

Was machen Sie tagsüber?

Projekte auf den Weg bringen, Moderationen oder Opernfassungen schreiben – und manchmal: auf meiner Klarinette Brahms spielen… was dazu führt, dass die Arbeit in den Abend rutscht.

Ihr heißer Literatur-Tipp?

Alles von Michel Houellebecq.

Ihr liebstes Kinderlied?

„Der Jäger aus Kurpfalz“ (im Kindergarten haben wir dazu getanzt).

Mein persönliches Lied-Steckenpferd

Alles von Joseph Marx

Was ich der Welt mit dem Lied sagen möchte…

…verdichte dein Leben.

Gehen Sie gerne wandern? Wo? Warum?

Vor meiner Haustür, in der Eifel könnte ich es, ich komme einfach nicht dazu! Aber in Köln-Mühlheim spazieren zu gehen, hat auch etwas…kontraststarke Atmosphärenbrüche….

Graben Sie gerne in Archiven?

Sehr gerne. Lied und auch Chor- und Ensemblewerke entdecken, das ist einfach spannend und aufregend. Mittlerweile ist ja unser aller Archiv das Internet, da grabe ich gerne für meine Moderationstexte aber hauptsächlich in meinen Bücherregalen!

Ihre größte Freude beim Lied-Musizieren?

Mit meinen Studenten und Studentinnen die philosophische und musikalische Botschaft eines Liedes herauszuarbeiten.

Das schönste Volkslied?

Maria durch ein Dornwald ging (und dazu bitte die Muttergottes in der Rosenlaube von Stefan Lochner anschauen, hängt im Wallraf-Richartz-Museum, Köln).

Ein Bild oder eine Skulptur das ein Lied verdient?

Skulpturen von Joseph Boys könnte man ja mal vertonen.

Ihr Lieblingsort für einen Liederabend?

Das Thyssen-Auditorium am Neumarkt besticht ästhetisch durch die gelungene Innenarchitektur aber faszinierend finde ich auch Orte, die mit dem Thema des Liederabends korrespondieren. Extremes Beispiel: klassische Lieder über Wiedergänger, Geister, Vampire etc. im Hörsaal der Rechtsmedizin in Köln, inklusive Führung durch die Seziersäle. Das war ein schön-gruseliges und ausverkauftes Konzert im Rahmen des Festivals „Musik in den Häusern der Stadt“.

Thrilling Story behind – Ihr spannenstes Lied-Fundstück?

Chopin: Zwei Leichen op. 74 Nr. 11…… wer hätte gedacht dass Chopin auch etwas für Negrophile komponiert hat….

Ihr Ritual vor jedem Auftritt?

Als Moderator: in meinem Texten streichen, streichen, streichen….

Gucken Sie Fußball?

Ich war einmal als sechsjähriger Junge in München mit meiner Großmutter im Olympiastadion und habe Franz Beckenbauer spielen gesehen, seitdem schaue ich kein Fussball mehr…

Ein unvergessliches Konzerterlebnis?

Ein Mauricio Kagel-Abend in der Kölner Philharmonie:
Während eines Musikstücks ging eine koreanische Frau mit der Sammelbüchse durchs Publikum, so stand es in der Partitur: das Gerassel des Geldes in der Büchse erfolgte auf genaue Taktzeiten, es hätte aber sicher auch eine Deutsche Frau oder ein Französischer Mann etc. machen können…

Ihre favorisierte Lied-Aufnahme?

Da ich regelmäßig Liedgestaltung unterrichte, genieße ich lieber live.

Was wollten Sie als Kind später einmal werden?

Tierpfleger im Affengehege – später habe ich Psychologie studiert, da mag man Parallelen sehen.

Ihr letzter Ohrwurm?

Lied der Mignon von Franz Schubert.

Was würde uns in einer Zeit ohne das Lied verloren gehen?

Die Dimension Poesie und Musik in zarter Berührung.

Wie stellen Sie sich das perfekte Liederabend-Publikum vor?

Von Jung bis alt, möglichst alle Generationen!

Welchen Rat würden Sie jeder/jedem jungen Liedstudent/in mitgeben?

Die Frage beantworten, wie ist das Publikum unter dreißig zu begeistern?

Was schätzen Sie an der Szene der Lied-Liedhaber?

Die Lust auf das Leise.

Vervollständigen Sie: “Jeden Morgen ein Lied …

…ist noch viel besser als jeden morgen ein Gedicht.“

Photo © Andreas Durban, privat