All the World’s a Stage

All the World’s a Stage

In einem fabelhaften Meta-Theaterstück präsentiert dieser Abend zahlreiche Facetten des britischen Dramatikers William Shakespeare (1564-1616). Das dreiteilige Programm bildet einen theatralischen Zyklus aus Liedern, deren Texte aus verschiedenen Dramen stammen, durchbrochen von reflektierenden Sonetten.

Zwischen Prolog und Epilog finden sich alle notwendigen Zutaten: von Liebe, Glück und Übermut hin zu Eifersucht, Zaubermacht, Angst und Tod, in Musik gesetzt von Hanns Eisler, Wolfgang Fortner, Gerald Finzi, Roger Quilter, Ned Rorem, Igor Stravinsky, Ernest Chausson, Arthur Honneger, Charles Ives,
Erich Korngold, Benjamin Britten, Ivor Gurney, Thomas Pasatieri, Maude Valérie White, Hugo Wolf, William Arthur Aikin, Aribert Reimann und Ralph Vaughan Williams.

Der Programmablauf

Prologue

Sonnet 1
Act I – Fear and Anger

Sonnet 2
Act II – Death & Drama

Sonnet 3
Act III – Comedy & High Spirits

Sonnet 4
Act IV – Witchcraft & Lovesickness

Sonnet 5
Act V – Love & Time

Epilog

DIE KÜNSTLER

Martin Lindsay, Gesang
Elnara Ismailova, Klavier
Andreas Durban, Rezitation
Fabian Hemmelmann, Liedprogrammkurator

LiedweltLinks

Gesang ist Singen des Herzens – Interview mit dem Liedduo
Konzert am 18. April 2018
Konzert am 18. November 2018

Grenzüberschreitend

Grenzüberschreitend

Wir regen genreübergreifend zukunftsweisende Veranstaltungsformen an und probieren sie aus, um das Potential im Kunstlied zu nutzen wie auch dessen Verwurzelung mit unserer Heimat zu entdecken.

Wir kooperieren mit Künstlern, Festivals und Partnern im Lied-Netzwerk – national und international.

 

© Photo: Pixabay

 

 

Rheinland

Rheinland

Neben den Lied-Klassikern Robert Schumann, Johannes Brahms und Hugo Wolf tummeln sich auch Dank der Internationalität des Netzwerks in der Liedwelt Rheinland französische, englische, griechische oder polnische Lieder.

Mit der räumlichen Verortung an der Rheinschiene knüpfen wir an eine lange Liedtradition an: Schumann, Brahms und Mendelssohn waren nicht nur ausgezeichnete Liedkomponisten, sondern leiteten auch das Rheinische Musikfest, das bis zum Ende des 20. Jahrhunderts fast 200 Jahre existierte.

Rheinpanorama – mit Wein, Weib und Gesang,Das mittlere Rheintal die Quelle zahlreicher Lieder, Legenden und Geschichten

Auch in dieser Tradition sieht sich das Netzwerk „Liedwelt Rheinland“ und möchte die Liedpflege im Rheinland mit Bezug zu Orten, Historie und Politik, aber auch zu den berühmten Dichtern in der Gegenwart fortsetzen.

Im Kölner Rheinauhafen trifft moderne Architektur auf Tradition

© Photos: Pixabay

 

Interview mit Peter Bortfeldt

“Mich fasziniert die einzigartige Verbindung von Text und Musik” – Interview mit Peter Bortfeldt

Wie sind Sie zum Klavier gekommen?

Das hat sich bei mir eigentlich durch die Familie ergeben – ich hatte sehr viele Musiker in der Familie, auch den ersten Klavierlehrer von Robert Schumann, Johann Gottfried Kuntsch. Insofern lag das Klavierspiel also in der Familie. Mein Vater hat mich wiederum sehr an die Literatur herangeführt. Ich bin also mit Musik und Literatur aufgewachsen, so dass sich der Weg für mich ganz natürlich ergab. Bereits vor Beginn des Studiums habe ich mich sehr für Kammermusik und das Lied interessiert, so dass sich dort schnell ein inhaltlicher Schwerpunkt herauskristallisiert hat.

Wie sind Sie dann letzten Endes zum Lied gekommen?

Ich war sehr viel als Korrepetitor bei Meisterkursen dabei, so dass sich zunehmend Kontakte zu tollen Sängern ergeben haben. Auf diesem Wege habe ich letzten Endes sogar meine Frau kennengelernt, die Sängerin ist und die ich bei einem Opern-Workshop in San Francisco kennengelernt habe. Die Entscheidung, dass sie nach Deutschland zieht, hatte auch mit der hiesigen Kulturszene zu tun.

Was macht für Sie als Pianisten die besondere Faszination der Gattung Lied aus?

Mich fasziniert am Lied die Mischung der Inhalte und die einzigartige Verbindung von Text und Musik. Ich finde mich im romantischen Lied mit der Naturverbundenheit und seiner spezifischen Dichtungswelt selber wieder: Für mich wird die romantische Dichtungswelt im Lied zur Realität und ich war auch immer schon gerne und viel draußen, gehe viel spazieren und wandern.

Der Blick vom Drachenfels bietet die Realisierung von Robert Schumanns Lied-Ästhetik

Ich sehe auch durch meine Frau, die ja Amerikanerin ist, wie sehr wir als Musiker in Deutschland in das Lied reingeboren und reingewachsen sind. Man merkt immer wieder, wie sehr wir in dieser Liedtradition verankert sind, vor allem auch im Rheinland, das ja viele Dichter und Komponisten in ihren Werken beschrieben haben. Als meine Frau beispielsweise zum ersten Mal auf dem Drachenfels war und die Aussicht von dort oben runter auf den Rhein sah, sagte sie bloß: „Das ist Schumann.“ Und in der Tat fühle ich mich sehr den Liedern Robert Schumanns und Franz Schuberts verbunden.

Sie sind als Lehrbeauftragter sowohl in Köln als auch in Frankfurt tätig. Wie vermitteln Sie jungen Pianisten, wie man Lied gestaltet?

Wichtig ist vor allem, zu verstehen, was beim Sänger passiert und was dieser braucht, was natürlich eine große Herausforderung ist und weit über das rein technische Können hinausgeht. Man muss technisch mindestens genauso fit sein wie ein Pianist, der solistisch auftritt, um seine ganze Energie auf das Zuhören verwenden zu können. Ein Liedpianist muss ein wahrer Kammermusiker sein und in den musikalischen Partner, in dem Fall eben kein Instrumentalist, sondern ein Sänger, hineinhorchen und vorausschauend agieren.

Drei wichtige zentrale Dinge der Liedgestaltung

Bei der Liedgestaltung kommen drei wichtige Dinge zusammen, die ich als Pianist berücksichtigen muss: den Fluss der Musik, den Atem des Sängers und natürlich auch den Text mit seinen Inhalten auf den verschiedenen Ebenen, den ich natürlich zunächst selbst intensiv lesen und verstehen muss. Heutzutage gibt es zunehmend Studierende, die den Text nicht mehr verstehen. Entweder weil sie internationale Studierende sind, die im Rahmen des Studiums gerade erst Deutsch lernen oder aber auch bei deutschen Studenten, die aus der Schule heraus andere Voraussetzungen haben als dies bei uns der Fall war.

Heute werden kaum noch Gedichte gelesen, geschweige denn interpretiert. Insofern ist die Beschäftigung mit den Texten fast der schwierigste Teil meiner Arbeit an der Hochschule. In den letzten Jahren hat die Tendenz, sich auf das Technische in der Musikerausbildung zu konzentrieren, leider stark zugenommen. Aber die Texte im Kunstlied sind in der Regel sehr poetisch und oft auch sehr verschlüsselt. Damit können die Studierenden zunächst kaum etwas anfangen.

Für mich ist das Textverständnis von zentraler Bedeutung

Ein Beispiel: In der romantischen Dichtung galt der Zypressenzweig als Symbol für Ewigkeit und wurde oft bei Beerdigungen verwendet. Dieses Wissen bringen heutige Studierende nicht mehr mit, wenn sie mit dem Studium beginnen. Hierfür gibt es auch kein Extrafach an der Hochschule, obwohl das eine sinnvolle Überlegung wäre. Ein solches Textverständnis zu vermitteln zählt daher meiner Meinung nach daher zu einem guten Lehrer.

Die Realität an der Hochschule sieht heute auch so aus, dass die Vielzahl internationaler Studierender außer der Problematik Sprachverständnis und Aussprache auch noch deren ganz andere Mentalitäten, die Studierende aus völlig anderen Kulturkreisen mitbringen. Da merkt man sehr, dass das Lied bis heute eine sehr deutsch geprägte Gattung ist.

In Amerika ist die Lied-Szene inzwischen wesentlich aktiver als noch vor einigen Jahren habe ich beobachtet. Dort gibt es auch immer mehr Komponisten, die sich der Gattung zuwenden.

Wir haben im letzten Jahr bereits über die Idee gesprochen, auch Laienpianisten für die Liedgestaltung zu gewinnen. Welche Situationen, welche Chancen sehen Sie hier?

Ich denke, dass sich sehr viele Pianisten sehr schnell auch einsam fühlen und mit großer Freude mit anderen gemeinsam musizieren würden. Es ist jedoch schwierig, mit Sängern ein gleiches Level zu finden. Ein Sänger hat – rein vom Notentext her – ein einfaches Strophenlied schneller drauf als ein Pianist. Die große Herausforderung gerade für den Laienpianisten liegt eben darin, den Notentext zu kennen, das aber so gut, dass er sich ganz auf das Zuhören konzentrieren kann. Es braucht also sehr viel Geduld und in der Konstellation wird der Pianist immer mehr üben müssen als der Sänger.

Ich würde mit einer kleinen Keimzelle beim Hobby-Pianisten anfangen, maximal acht Takte

Wenn wir einen Wochenendworkshop „Liedgestaltung für Laienpianisten“ planen würden, dann würden wir vermutlich mit einem kleinen Ausschnitt eines Lieds beginnen. Acht Takte, die technisch nicht schwierig sind und die man recht schnell in den Fingern haben kann. Daran könnte vermittelt werden, wie der Prozess des Zusammenarbeitens zwischen Sänger und Pianist dann aussieht, denn dieser Austausch ist ja der eigentlich spannende Teil beim Lied. Ein solcher Workshop könnte vielleicht eine Initialzündung für den ein oder anderen Hobby-Pianisten sein, sich nicht mit einem befreundeten Geiger zur Hausmusik zusammenzutun, sondern auch einmal mit einem Sänger.

Seit letztem Jahr haben Sie gemeinsam mit dem Bariton Aris Argiris und seiner Frau, Guadalupe Larzabal, Opernsängerin und Chorleiterin in Bonn ein neues Studio, das Agora Artists Studio in Bonn. Was ist das Besondere an diesem Ort?

Wir haben uns schon vorher ein Studio geteilt zum Üben und Unterrichten, hatten aber dann die Idee, das so auszubauen, dass sich der Raum auch für Veranstaltungen eignet, vor allem natürlich für Konzerte, aber auch Ausstellungen. Über Guadalupe Larzabal ist natürlich ein starker Bezug zu Südamerika vorhanden. Der Chor „Voces de las Américas“, den sie leitet, probt hier und gibt natürlich dann auch Konzerte hier, die Ausstellungen sind oft von südamerikanischen Künstlern und es finden Tangokurse statt. Mit den Veranstaltungen haben wir gerade erst angefangen, hoffen aber natürlich sehr, dass diese gut angenommen und auch mehr werden und sich eine Kontinuität entwickelt. Ideen sind auf jeden Fall reichlich vorhanden! Und da freuen wir uns natürlich sehr, wenn wir gemeinsam mit der Liedwelt Rheinland hier etwas bewegen können.

Das Interview führte Verena Düren. [April 2018]
© Photo: Peter Bortfeldt | privat

“11 Fragen an…” – Martin Wistinghausen

“11 Fragen an…” – Martin Wistinghausen

Was machen Sie tagsüber?

komponieren, üben, essen…

Ihr heißer Literatur-Tipp?

Thomas Bernhard: Die Berühmten

Mein persönliches Lied-Steckenpferd

Schubert und immer wieder Schubert – aber auch die Musik unserer Zeit in all ihrer Vielfältigkeit zu präsentieren ist mir ein großes Anliegen.

Gehen Sie gerne wandern? Wo? Warum?

Sehr gern – z. Bsp. im fränkischen Fichtelgebirge. Es tut einfach gut.

Graben Sie gerne in Archiven?

Ja

Das schönste Volkslied?

“Der Mond ist aufgegangen”

Gucken Sie Fußball?

Ab und zu

Ein unvergessliches Konzerterlebnis?

In meiner Schulzeit habe ich zeitweise sehr viele Konzerte besucht, eine ganze Reihe davon sind mir noch in guter Erinnerung.

Was wollten Sie als Kind später einmal werden?

Zunächst Mönch, später dann Sänger

Was würde uns in einer Zeit ohne das Lied verloren gehen?

Diese Zeit werde ich hoffentlich niemals erleben…

Wie stellen Sie sich das perfekte Liederabend-Publikum vor?

Offen und neugierig

Photo © Liedwelt Rheinland | Sebastian Herzog-Geddes

“11 Fragen an…” – Markus Schönewolf

“11 Fragen an…” – Markus Schönewolf

Was machen Sie tagsüber?

Komponieren, viel ‚administrative Arbeit‘, unterrichten.

Ihr heißer Literatur-Tipp?

Rüdiger Safranski, „Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie“.

Ihr liebstes Kinder- und Volkslied?

„Kein schöner Land in dieser Zeit“. Junge Forschungen zeigen, dass der Text das Bergische Land meint.

Mein persönliches Lied-Steckenpferd

Lied-Komposition.

Was ich der Welt mit dem Lied sagen möchte…

In einem Buch las ich jüngst den Satz, das Lied trage die Chance in sich, ein Sinnganzes zu spüren. Diese Chance sollten wir alle – Sänger, Liedbegleiter, Publikum, Komponisten – nutzen.

Gehen Sie gerne wandern? Wo? Warum?

Bei uns zu Hause im Bergischen Land. Nur beim Wandern finde ich neue Ideen für Kompositionen.

Ihre größte Freude beim Lied-Musizieren?

Menschen emotional und geistig in Tiefenschichten anrühren, wie es nur die Musik im Allgemeinen und das Lied im Besonderen vermögen.

Graben Sie gerne in Archiven?

Ja, ich liebe es, Handschriften im Original zu bestaunen, da sie die Aura des Komponisten und die Signatur ihrer Zeit in sich tragen. Von mehreren Komponisten stehen Handschriften (Noten, Briefe …) vollständig digital zur Verfügung.

Ein Bild oder eine Skulptur das ein Lied verdient?

Jedes Werk, das den Rilke’schen Imperativ „Du mußt dein Leben ändern“ in sich trägt.

Ihr Lieblingsort für einen Liederabend?

Kleine, intime Orte, in denen das Publikum tatsächlich Teil des Geschehens ist.

Ein unvergessliches Konzerterlebnis?

Bachs Hohe Messe in h-Moll mit John Eliot Gardiner.

 

© Photo: Markus Schönewolf | Franz Hamm

 

Max Bruch

Max Bruch

Als ein in Köln 1838 geborener und in Bergisch Gladbach bei dem Papierfabrikanten Zanders Ein- und Ausgehender ist Max Bruch (gestorben 1920 in Berlin) und sein Liedschaffen gewichtiger Bestandteil der Liedwelt Rheinland.

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Weblinks

Biographie auf Wikipedia
Das Liedschaffen
Max Bruch Archiv der Universität zu Köln

© Photo: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16259805 (Ausschnitt)

Johanna Kinkel

Johanna Kinkel

Es war nicht allein der rheinische Humor Johanna Kinkels (1810–1858), der in den Berliner Salons von Fanny Hensel und Bettina von Arnim Aufsehen erregte. Ihre musikalische Begabung – sie war eine ausgezeichnete Pianistin und Kom­ponistin – wurde von Felix Mendels­sohn gefördert und von Robert Schumann mit Interesse wahrgenommen. Sie begann mit der Komposition romantischer Lieder, setzte Liederspiele in Noten und ließ sich später von der Revolution 1848/49 zu aufrührerischen Liedern inspirieren. Ihre Liebe zu dem Bonner Theologen, Schriftsteller und Politiker Gottfried Kinkel und ihre Begeisterung für die Revolution lenkten ihr Leben in völlig neue Bahnen. So wurde sie nicht nur Mutter von vier Kindern, sondern auch Musikpädagogin, Li­tera­tin und Re­­dakteurin. Fortan führte sie ein ­gleichermaßen reiches wie eingeschränktes Dasein, im poli­tischen Exil gezeichnet von über­mäßiger Arbeit und schwerer Krank­heit. Fundiert und spannend zugleich schildert die vorliegende Biografie ihr Schicksal, das die Zwänge des 19. Jahrhunderts und den mutigen Kampf einer Frau um Gleich­berechtigung aufzeigt.

Zitat Böhlau Verlag

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Weblinks

Biographie auf Wikipedia

Monika Claus, Johanna Kinkel. Romantik und Revolution

© Photo: Gemeinfrei, Johanna Kinkel um 1840

Interview Valentin / Grishutina

Die Farben der Musik – Interview mit Esther Valentin  (Mezzosopran, r) und Anastasia Grishutina (Klavier, l)

Es gibt Musiker, die sehen sich gegenseitig als Konkurrenz und es gibt solche, die mit der Begabung und Begeisterung des anderen weiter wachsen. Letzteres spürt man sofort, wenn die Mezzosopranistin Esther Valentin und Liedpianistin Anastasia Grishutina die Bühne betreten und so erklärt sich auch der erste Platz beim dritten Internationalen Schubert Wettbewerb Dortmund 2018.

Die beiden sitzen etwa zwei Monate nach dem erfolgreich absolvierten LiedDuo-Wettbewerb gemeinsam in einem Kölner Café und blicken zurück auf die spannende Zeit und ihre gemeinsame Vorbereitung. Außerdem erzählen sie von weiteren geplanten Projekten.

„Im Moment führen wir eine perfekte musikalische Fernbeziehung“, sagt die 25-jährige  Esther. „Das trifft es wohl am besten“, stimmt ihr Anastasia zu. Seit dem Sommer wohnt Esther in Weimar und ist als freischaffende Künstlerin tätig, Anastasia lebt in Wuppertal und studiert in Köln. Die beiden arbeiten seit zwei Jahren gemeinsam an musikalischen Projekten, aber es wirkt, als würden sie sich schon viel länger kennen.

Ein stark verbindendes Element ist natürlich die Musik und gemeinsame Affinität zum Kunstlied. „Wir kennen uns, seit wir in einer Meisterklasse zusammen eingeteilt wurden. Da haben wir direkt gemerkt, wie gut wir harmonieren“, sagt Esther Valentin. Sowohl ihr musikalischer Geschmack sei ähnlich, als auch die emotionale Herangehensweise. „Wir sind uns von Anfang an auf Augenhöhe begegnet und das ist uns weiterhin sehr wichtig. Eine ehrliche Art und dass wir direkt dem anderen sagen, wenn uns etwas nicht gefällt“, so Esther.

„Ganz genau, wir hören aufeinander. Wir sind halt wirklich ein Duo – nicht Gesang mit Begleitung, wie es oft praktiziert wird“, ergänzt Anastasia. Besonders wichtig war und ist für die 30-Jährige ihr Professor für Liedgestaltung Ulrich Eisenlohr: „Ich bin ihm wirklich dankbar für seinen spannenden und hochinteressanten Unterricht. Von ihm habe ich gelernt, wie wichtig Texte im Lied sind und wie man mit diesen musikalisch umgehen soll“, sagt sie.

Eins werden in der Musik

Als Duo spielen, aber dabei Eins werden, das sei ihr Anspruch. Jede von ihnen bringt ganz unterschiedliche Erfahrungen aus dem Liedbereich mit, von denen die andere wiederum profitiert. Esther hat an der Hochschule für Musik und Tanz Köln Gesang studiert und wuchs in einer Musikerfamilie auf. Die Affinität zur klassischen Musik entdeckte sie bereits mit 15 Jahren. „Ich hatte Gesangsunterricht bei meinem Vater und der meinte irgendwann, er wolle etwas ausprobieren und gab mir eine Arie, statt der eigentlichen Pop- und Musicalstücke. Und es war, als hätte meine Stimme da das erste Mal wirklich das gemacht, was sie will und wozu sie gemacht ist.“ Seit diesem Tag wollte Esther Valentin Gesang studieren und hat die Entscheidung bis heute nicht bereut.

In der Zeit, in der sich Esther und Anastasia nicht persönlich treffen können, halten sie trotzdem beinahe täglich Kontakt. „Wir schicken uns ständig Sprachnachrichten und zeigen dem anderen bestimmte Passagen und Stücke“, erzählt Esther. Wenn sie dann ein paar Tage in der selben Stadt verbringen, besprechen sie alles intensiv und proben stundenlang. Ihre Proben zeichnen sie auf, schauen und hören sich die Aufnahmen gemeinsam an und besprechen sie kritisch.

Aktuell bereiten sich die Zwei auf ein Vorsingen für einen weiteren Meisterkurs vor. Bei ihren Auftritten ist es ihnen besonders wichtig, nicht nur Lied für Lied zu präsentieren, sondern vielmehr, eine Geschichte zu erzählen. „Ich muss als Sängerin eine Botschaft haben, wenn ich die Bühne betrete, anders geht es nicht“, betont die 25-Jährige.

In ihrem Repertoire sind längst nicht mehr nur deutsche Lieder zu finden. Auch französische und sogar russische Lieder haben die beiden schon interpretiert. Das Wichtigste sei dabei immer das Authentische. „Man muss sich fragen, wie würde das Stück ein Franzose betonen oder eine Russin“, sagt Esther. Mit Hilfe von Anastasia Grishutina übte sie bereits russische Stücke ein. Gemeinsam übersetzten sie die Texte peu à peu, immer wieder übte die Mezzosopranistin die für sie völlig unbekannte Sprache. „Da ist das Wort Fremdsprache wirklich eine passende Beschreibung. Ich kann ja nicht einmal die Wörter lesen“, sagt sie und schmunzelt. „Ich habe ihr in Sprachnachrichten die Sätze ganz langsam vorgelesen, sodass sie schon einmal alleine üben konnte, bevor wir gemeinsam proben“, erzählt Anastasia.

Die Musik verstehen lernen

Das größte Anliegen der beiden ist nach wie vor, das Kunstlied weiter zu verbreiten und in all seinen Facetten zu präsentieren. „Viele denken, dass das Kunstlied im 19. Jahrhundert ausgestorben ist. Für mich stimmt das nicht. Es gibt auch moderne Stücke, die in diese Gattung fallen und auch solche wollen wir spielen“, sagt Anastasia Grishutina und führt weiter aus: „Die Musik geht erst dann ins Herz, wenn man sie versteht. Nicht einmal die Worte, die gesungen werden, sondern einfach die Botschaft der Stücke.“

Nach ihrem Studium in Russland hat sich die 30-Jährige während ihrer Zeit an der Hochschule für Musik und Tanz Köln auf Liedgestaltung spezialisiert. Aktuell absolviert sie als eine der ersten das zweijährige Konzertexamen an der Kölner Hochschule mit diesem Schwerpunkt. Anastasia spielt seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavier. Auch sie wuchs, wie Esther Valentin, in einer Musikerfamilie auf. Anastasias Mutter ebenfalls selbst Pianistin. „Und nachdem ich das erste Mal ein Stück von Rachmaninow gespielt habe, war ich verloren und wusste, ich will auch Pianistin werden“, erzählt sie. Die Auftritte als Duo sagen ihr trotzdem am meisten zu: „Ich gehöre nicht in die Solowelt. Ich habe als Kind gerne im Chor gesungen und diese Zeit absolut genossen. Genau das vereint das Lied für mich. Ich habe den Gesang, den ich seit meiner Kindheit schätze und kann am Klavier dazu spielen.“

In ihrer Freizeit hört Anastasia neben klassischer Musik gerne Rock-, Folk- oder Popmusik. „Auch einfach mal gerne Rammstein, Queen oder Simon and Garfunkel“, sagt die 30-Jährige und muss herzlich lachen. Das Schöne an dieser Art von Musik ist für sie die Verbindung von Publikum und Künstler. „Da ist keine Barriere, die Emotionen werden gemeinsam gelebt. Das möchte ich gerne ein Stück weit in der Liedkunst etablieren.“

So ergänzen sich die beiden jungen Frauen gegenseitig und interpretieren das Kunstlied stets auf ihre eigene Weise.

Das Interview führte Elena Sebening. [November 2018]

oberstes Photo © Schubert Wettbewerb | Florian Schmitz
zweites und drittes Photo von oben © Schubert Wettbewerb | Finn Löw