Wort trifft Ton – Werkstatt für neue Lieder

Wort trifft Ton – Werkstatt für neue Lieder

4.2.2017 – Auftaktveranstaltung im Kammermusiksaal in der Kölner Hochschule für Musik und Tanz

Am 4.2.2017 präsentierte unser Netzwerk-Partner, die Hochschule für Musik und Tanz Köln den Start ihres in Umfang und Ansatz neu konzipierten Projekts: Im Rahmen eines Werkstattkonzerts gab es die Gelegenheit, die einzelnen Bausteine, die in einem bis September geplanten Entstehungsprozess inneruniversitär weiterentwickelt werden kennenzulernen. Das Konzert bestritten Studierende der Hochschule.

Wort trifft Ton – Werkstatt für neue Lieder

In einer Phase des Suchens und Herantastens werden sich drei Disziplinen verbinden: Kunstlied, Lyrik und kompositorisches Schaffen greifen ineinander. In Kooperation zwischen Hochschule und dem Literaturhaus Köln finden sich die Kompositionsklasse und die Liedbegleitungs-Klasse zusammen. Schon in diesem Werkstattkonzert setzten sie interessante musikalische Akzente, mit denen das zahlreich erschienene Publikum die einzelnen Ansätze nachvollziehen konnte.

Zu hören waren zahlreiche spannende Denkanstöße

So tat sich ein Platz zwischen extrem „hoch“ und „ tief“ auf in den Ausschnitten aus der Tonband-Komposition „L’ange du morbide“ von Antonio Covello – korrespondierend mit Melodram-Erzählungen Schumanns: Lieder ohne Worte – damals und heute.

Wie selbstverständlich war es somit für das Publikum einzutauchen, startete doch zu Beginn die Entdeckungsreise in das Land der Lieder ohne Worte bei zwei Klavierstücken aus den bekannten „Liedern ohne Worte“ von Mendelssohn. Eine vielfältige Suche nach Melodien und Klängen erschloss sich auch in den darauffolgenden „Fünf Melodien“ für Klavier von Patrick Witte.

Dann ein neuer Ansatz: Es findet ein Zusammenspiel von Silben, Geräuschen und Klängen statt, welche in den Obertönen die Verbindung zueinander aufbauen: Das stand in „L’ange du morbide“ im Zentrum wie auch in dem Duo für Alt und Becerry/Viola von Meike Senker.

Jedoch bleiben Musik und Wort nach wie vor noch getrennt….

Kunstlieder erzählen immer Geschichten – und so kam nun Ulrike Almut Sandig auf die Bühne. Sandig bringt souverän starke Aussagen mit Humor, Schauspiel, Phonetik zusammen. Ein Hybrid aus Gedicht und Hörspiel ist zu erleben, die Suche nach der Sprachmelodie auf unterhaltsame, spielerisch-ernsthafte Weise. So Abwechslungsreiches fand das Publikum derart spannend, dass es bei Sandig spontan eine Verlängerung vor der Pause einfordern konnte. Zwischen Rapp, Rezitation und Wortrhythmus entstanden nun kleine, feine Inszenierungen – fokussiert in der überragenden Persönlichkeit von Sandig.

„Ein singendes Haus mit von Giebel zu Giebel gespannten Leinen. Wie ein Zirkuszelt.“ [geflüstert]

Die Aspekte des Oratorisch-Rezitativhaften wurden in der Komposition von Julián Quintero erforscht – dann wieder eine neue Annäherung an das Lied von der Sprachmelodie aus: Ein Gedicht als Lied, ein Lied ohne Wörter: So erklang das berühmte „Gretchen am Spinnrad“ ohne Gesang in einer Klavierfassung von Franz Liszt. Auch hier drei in einem Bunde, nämlich Goethe, Schubert und Liszt.

Die Liedwelt Rheinland wird über das Projekt im September weiter berichten. Bis dahin dürfen alle gespannt sein, wie sich die Gedanken weiterentwickeln, verknüpfen.

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