2. Liednacht Aachen am 5.5.2017

Liedwelt unterwegs-
exotisch, experimentell und tief bewegend

Heimat Europa? – 2. Liednacht in Aachen am 5.5.2017. Ein Bericht von Alice Lackner.

Am 5. Mai 2017 lud die Hochschule für Musik und Tanz Aachen zur Aachener Liednacht ein. Diesjähriges Bindeglied des 2016 beim Publikum so erfolgreich eingeführten Formats der vielen kleinen Konzerte an verschiedenen Orten: „Heimat Europa?“

Die vielen Erlebnisse werden konzeptionell-inhaltlich miteinander verbunden. Als Teil des Rahmenprogramms zur Verleihung des diesjährigen Aachener Karlspreises wurde die Frage nach der ‚Heimat Europa‘ vom künstlerischen wie vom intellektuellen Standpunkt aus beleuchtet.

Exotisch, experimentell und tief bewegend: So beginnt die Aachener Liednacht im Prolog I unter dem Titel „Europäische Zukunftsmusik“ mit Composing Voices, einem Ensemble für Vokale Improvisation und Gedichtvertonung. Ferne Klänge der Weltmusik, schnatternde Zungenschnalzer, Atonalität im Wechsel mit Gedichtrezitation und Jazzgesang: Etwa zwanzig Minuten lang dauert dieser spektakuläre Auftakt zur zweiten Aachener Liednacht und wird sogleich vom Publikum mit tosendem Applaus belohnt.

„Wir haben uns oft gefragt, weshalb uns während der Vorbereitung zur Liednacht keine Fragen gestellt wurden wegen des Fragezeichens im Titel, aber diese Unsicherheit scheint mittlerweile ein selbstverständliches Gefühl geworden zu sein, wenn man über Europa spricht“, so Stefan Irmer im eröffnenden Grußwort. Man wolle sich am heutigen Abend auf die Suche nach der Heimat begeben.

Heimat Europa – eine Herzensangelegenheit

Diese Heimat Europa sei ihnen eine Herzensangelegenheit, auch über den rein künstlerischen Aspekt hinaus, so Ulrich Eisenlohr: „Wenn dieser Abend ein Ansporn sein kann, sich gegen bestimmte Bewegungen zu wehren, die den seit über 70 Jahren währenden Frieden in Europa in Frage stellen – wenn dieser Abend anspornt, das Erreichte aktiv zu verteidigen und weiter zu entwickeln – dann sind wir froh.“

Begeisterung und Nachdenklichkeit

Und dass dies gelungen ist, zeigte sich nicht nur daran, dass die Besucherzahlen bis Mitternacht anhielten, sondern vor allem an der Stimmung, die in dieser Nacht durch die Räume der Hochschule geisterte. Neben der Begeisterung für das technische und musikalische Können der Künstler schwebte eine Nachdenklichkeit in der Luft, insbesondere bei den Konzertblöcken, wo Flucht, Vertreibung und Krieg thematisiert wurden: Warnende Worte durch die Lieder des Exil-Komponisten Hanns Eisler oder den Werken von Viktor Ullmann ausgesprochen, welcher einen großen Teil seiner Werke im KZ Theresienstadt schrieb.

Warnende Worte und folkloristisch-bunter Abschluss

Natürlich darf auch gelacht und gefeiert werden bei der Liednacht, zuletzt beim abschließenden folkloristischen Zigeuner-Block kurz vor Mitternacht im Spiegelfoyer des Theater Aachen. Die Besucher gingen erfüllt nach Hause, inspiriert von Klängen aus fernen Ländern, volksliedhaften Kindheitserinnerungen, warnenden Friedensaufrufen, und vor allem: mit einem verstärkten Bewusstsein für den Wert und die Unabdingbarkeit der Europäischen Union, welche dieses gemeinsame Musizieren der Studierenden aus über zwanzig verschiedenen Ländern und Kulturkreisen möglich macht – im Aachener Dreiländer-Eck ein Gedanke, der wie selbstverständlich präsent ist und hier lebendig wurde.

Konzeption 2. Aachener Liednacht:
Prof. Stefan Irmer und Prof. Ulrich Eisenlohr, Hochschule für Musik und Tanz Köln / Aachen

Zur Veranstaltung

Ein Bericht von Alice Lackner.
© Photos Alice Lackner