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Ton & Erklärung 2018 Preisträgerkonzert

Ton & Erklärung 2018

Preisträgerkonzert am 7.10.2018 in der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf

 

Sonntag, 6. Oktober – ein noch unentschlossener Herbst-Sonntag-Morgen. In der Düsseldorfer Oper präsentiert der Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft im BDI e.V. einem überschaubaren aber sehr interessierten Publikum die diesjährigen Preisträger des Wettbewerbs „Ton und Erklärung“, der in Zusammenarbeit mit der BayerKultur im Juni in Leverkusen ausgetragen wurde.

Thomas Helfrich, Leiter der Abteilung Kultur, Sport & Bildung bei der Bayer AG begrüßte als diesjähriger Partner die Gäste. Den Kulturauftrag der Bayer AG sieht er ganz eng an die Attraktivität des Arbeitsplatzes gekoppelt: Nur ein Ort an dem Kultur und Bildung eine kosmopolitische Grundlage schüfen entstünde Kreativität und neue Ideen. Dies sehe Helfrich als Grundlage für die Weiterentwicklung, den Wandel der Gesellschaft.

Die Bayer AG verstehe das Engagement in Kultur somit auch als ureigensten Bestandteil des unternehmerisches Selbstverständnisses und nicht als von der Unternehmensphilosophie losgekoppelten „Auftrag“.

Nur die lebendige Kulturgemeinschaft lernt, wird inspiriert und probiert Neues aus. Insofern sei die Bombardierung der Neuronen im Gehirn, die heute mit dem Preisträgerkonzert junge Künstler fördere immens wichtig als Investition in die hiesige Infrastruktur.

Im Unterschied zu anderen Wettbewerben sind die Sänger bei „Ton und Erklärung“ angewiesen, ihren kreativen Entwicklungsprozess, ja die intellektuelle Auseinandersetzung welche hinter der Präsentation des jeweiligen Liedes steckt den Zuhörern zu vermitteln.

Selbstredend gestalteten die hauseignen Bayer-Philharmoniker unter Bernhard Steiner das Programm – und taten dies sehr engagiert. So hatten die Sänger einen umsichtigen Partner für die Opern-Einlagen und -Arien.

Als erstes lernte das Publikum den Preisträger Stefan Astakhov kennen. Der Bariton ist erst 21 Jahre alt – nicht nur hat er sicherlich keine  Angst vor der Höhe, sondern er weiß auch zu den ausgewählten Werken viel zu vermitteln und die Zuhörer mit seiner musikalischen Gestaltung zu fesseln!

Auch die Sopranistin Elena Harsányi verstand es versiert und sehr klug beispielsweise über ihre Herangehensweise und Beziehung zur Pamina-Arie „Ach, ich fühl’s“ zu erzählen. Das machte Spaß ihr dann in der Umsetzung folgen zu dürfen.

Gemeinsam mit Netzwerk-Mitglied Toni Ming Geiger gestalteten abschließend vor der Preisverleihung Elena Harsányi und Stefan Astakhov „VOID“ von Max-Lukas Hundelshausen. Die Uraufführung verwies in Richtung Lied – war in der Symbiose von Mensch (Künstler) und Technik (Elektronik) unterwegs. Es gelang eine musikalische Entdeckungsreise nach dem „unendichen Lied der Welt“ in der der Sänger oder auch der Dichter Gefäß für Kräfte wird, die größer sind als er selbst.

Getreu der Aufgaben, die ein Netzwerk hat, hat die Liedwelt in Zuge der Planung eines Liedsommer 2019 mit dem Bayer-Kulturchef Kontakt aufgenommen, denn schließlich wollen auch wir den Nachwuchs fördern und gerne Gemeinsames gestalten.

Der stimmungsvolle Preisträger-Konzert-Vormittag wurde logischerweise abgeschlossen mit der Preisverleihung an die beiden jungen Künstler, denen die Liedwelt zu ihrer Auszeichnung herzlich gratuliert.

Nachwort: Leider litt die schöne Veranstaltung unter teils dilettantischer Abwicklung der Veranstaltung. Da wundert man sich doch, wenn ein Musiker während die Uraufführung gespielt wird noch einmal zu seinem Platz eilt und gleich wieder verschwindet und nach dem „Umbau“ für das abschließende kammermusikalische Stück die Bühne völlig unaufgeräumt bleibt wie in einer „Probensituation“ – und in dieser Kulisse dann auch die feierliche Preisverleihung stattfindet.

Auch bei manchem Techniker, der im Schlabberlook während des Ablaufs über die Bühne eilte erschloss sich nicht warum solche Abläufe öffentlich passieren. Auch die Frage wohin mit dem Mikrophon nach der Anmoderation hätte sicherlich galanter (Pultablage) gelöst werden können ohne den Ablauf zwischen Moderation (Erklärung) und Umsetzung (Ton) zu unterbrechen: Auch hier eilte jedes Mal ein Techniker herbei, nur um das Mikrophon zu sichern. Das wunderte doch.

Die Liedwelt bedankt sich sehr bei Amelie Amann vom Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft im BDI e.V. für die Einladung zum Konzert und freut sich auf die Fortsetzung dieser Partnerschaft.

Text und Photos: Sabine Krasemann
Photo der Preisträger mit Brigitte Fassbender © Kulturkreis | C.  Peuserdesign

„Es muss fast so sein wie in einer Ehe: Da wird gestritten, aber auch geliebt“ – Liedduo Heinzen / Mead

„Es muss fast so sein wie in einer Ehe: Da wird gestritten, aber auch geliebt“

 

Das Interview mit der Gewinnerin und dem Gewinner des ersten Preises des Liedduo-Wettbewerbs Rhein-Ruhr: Franziska Heinzen, Sopran und Benjamin Mead, Klavier, hier zum Nachlesen:

Lieber ist mir ein zwar kleines, aber aufmerksames Publikum als große Massen

Franziska Heinzen: Auf jeden Fall ist das Kunstlied eine „Nische“, aber es gibt so viele Initiativen und Veranstaltungen sowohl mit Arrivierten wie auch mit „rising stars“, das macht durchaus Mut, sich mit dem Kunstlied zu beschäftigen. Mir ist auch ein zwar kleines, aber aufmerksames Publikum lieber als große Massen. Und, ja – die intime Kunstform des Liedes hat definitiv eine Zukunft, gerade auch in unserer Zeit.

Wir verehren die „Klassiker“ wie etwa Franz Schubert als den Liedkomponisten schlechthin

Benjamin Mead: Natürlich sind die „Spätromantiker“, wie sie jetzt hier beim Wettbewerb gefragt waren, also Leute wie Szymanowski, Berg oder Schönberg, großartig und gefallen uns ihre Lieder sehr. Aber ebenso verehren wir die „Klassiker“ wie etwa Franz Schubert als den Liedkomponisten schlechthin ganz besonders. Wir haben aber keine direkte Präferenz, wenn es sich nur um erstrangige Kompositionen handelt,..

Heinzen: …und man darf auch das 20. Jahrhundert nicht vergessen, ebenso nicht das 21. Eine „Nische“ in der Nische wie die Lieder von Lutoslawski, die wir hier beim Preisträger-Konzert präsentiert haben. Diese Musik bietet so viel an neuen Farben und Techniken des Vortrags, die unbedingt dem Publikum bekannt werden müssen, um Ohren und Augen zu öffnen für die Kunst unserer Zeit.

Mead: Weil wir beide das Lied sehr lieben, haben wir ein, wie ich sagen möchte, sehr gesundes Gleichgewicht in unserer Duo-Partnerschaft. Wir schätzen die Meinung des jeweils anderen sehr und hören uns gegenseitig zu. Das geht oft bis in Einzelheiten, wo jeder seine Ideen mit einbringt, wie man bestimmte Details des Textes beipielsweise dem Publlikum am besten präsentieren könnte, oder habe ich jetzt als Pianist zu viel gesagt?

Ich kann ohne Pianisten nichts anfangen, und er auch nichts ohne den Sänger.

Heinzen: Nein! Denn einerseits soll zwar der Pianist nicht zu sehr „auffallen“, aber auch die Sängerin sollte das nicht, denn es ist eben eine Kunst für zwei, und die müssen gleich berechtigt sein: Ich kann ohne Pianisten nichts anfangen, und er auch nichts ohne den Sänger.

Das gibt’s leider oft, dass dies nicht funktioniert. Ich habe auch schon mit vielen verschiedenen Begleitern „experimentiert“ – und jetzt klappt’s mit uns einfach bestens! Es muss – irgend jemand hat das mal gesagt – fast so sein wie in einer Ehe: Da wird gestritten, aber auch geliebt in eben diesem Sinne.

Franziska Heinzen, *1985, Sopran, Schweiz
Benjamin Mead, *1992, Großbritannien

Das Interview führte Gunter Duvenbeck.
Photos: Sabine Krasemann

Stephanie Lesch und Ainoa Padrón, Klavier im Gespräch mit der Liedwelt

„Was mir gut in der Stimme liegt oder wo mir der Text etwas sagt, das singe ich eben gern.“

 

Interview mit Stephanie Lesch und Ainoa Padrón

Das Interview mit den Gewinnerinnen des ersten Preises des Liedduo-Wettbewerbs Rhein-Ruhr: Stephanie Lesch, Mezzosopran und Ainoa Padrón.

Ainoa Padrón: Die Lieder der spanischen Komponisten werden schon viel bei uns in Spanien aufgeführt, aber sobald eine fremde Sprache ins Spiel kommt, tut sich das Publikum damit schwer, aber es wird doch langsam besser, und auch an den Hochschulen finden ja Meisterkurse statt, wobei die klassischen deutschen Lieder sehr hoch geschätzt werden.

Wir wollen das junge Publikum motivieren, Konzerte zu besuchen

Es könnten schon mehr Besucher kommen; vor allem junges Publikum ist schwer zu erreichen. Um so wichtiger ist es für uns als junge Musiker, unsere Zeitgenossen zu motivieren, solche Konzerte zu besuchen.

Stephanie Lesch: Umso wichtiger sind solche Initiativen wie zum Beispiel dieser Wettbewerb, der auf das Lied aufmerksam macht. Ein Wettbewerb der Liedduo-Wettbewerb Rhein-Ruhr verlangt von den Bewerbern, dass sie sich mit außergewöhnlichem Lied-Repertoire beschäftigen. Das trägt mit dazu bei, dass die Kunstform Lied mehr Beachtung findet.

Unser Duo ist wie eine Partnerschaft: Anregungen kommen von beiden Seiten

Lesch: Welche Komponisten oder Werke ich besonders bevorzuge kann ich so gar nicht beantworten. Es ist von Stück zu Stück ganz unterschiedlich: Was mir gut in der Stimme liegt oder wo mir der Text etwas sagt, das singe ich eben gern, oder es liegt an der Gelegenheit wie jetzt beim Wettbewerb: Da haben haben wir uns die „schlesischen Schumannianer“ vorgenommen und Stücke ausgesucht, die uns besonders ansprechen.

Padrón: Wir arbeiten dabei in einer echten Partnerschaft: Ideen kommen von beiden Seiten, Anregungen und Inspiration – wir sind eben ein richtiges „Duo“.

Stephanie Lesch, *1987, Mezzosopran, Deutschland
Ainoa Padrón, *1982, Spanien

Das Interview führte Gunter Duvenbeck.
Photos: Sabine Krasemann

Janina Hollich, Mezzosopran und Yangfan Xu, Klavier im Gespräch mit der Liedwelt

Man hat hier die Chance, auf engstem Raum ganz viele Gefühle zu durchleben“


Interview mit den Gewinnerinnen des zweiten Preises des Liedduo-Wettbewerbs Rhein-Ruhr: Janina Hollich, Mezzosopran und Yangfan Xu, Klavier – hier zum Nachlesen:

Was bedeutet die Beschäftigung mit dem Kunstlied für Sie?

Janina Hollich: Man hat hier die Chance, auf engstem Raum ganz viele Gefühle zu durchleben. Ich habenur mich selbst und natürlich den Partner am Klavier. So erzähle ich im Lied eine Geschichte ohne Maskerade wie in der Oper beispielsweise. Das ist eine Herausforderung, aber wenn sie gelingt, dann ist das geradezu etwas Magisches, weil die Geschichte „pur“ erzählt wird.

Das Lied – eine Geschichte ohne Maskerade

Unsere ganz besondere Liebe gilt dem Lied, aber wir wissen natürlich auch, dass wir uns nicht alles aussuchen können, und müssen daher vieles ausprobieren und nichts von vorne herein ausschliessen.

Welche wichtigen Einflüsse spielen denn außer Ihrer offensichtlichen Begeisterung für das Kleinod Lied noch eine Rolle? Welche Epochen und Komponisten aus dem Lied-Repertoire stehen bei Ihnen ganz oben auf Ihrer Liste? Was bekommen Sie noch für Input?

Yangfan Xu: Ich mag zum Beispiel sehr die spätromantischen Lieder etwa von Rachmaninow, Szymanowski oder auch dem frühen Schönberg.

Hollich: Hier haben wir den selben Geschmack und haben uns deshalb auch gut getroffen. Und – ja, Reimann etwa oder Rihm, die mag ich auch sehr.

Xu: Auch ich habe großes Interesse an heutigen Komponisten und Ihrer Musik.

Hollich: An der Hochschule in Detmold, wo wir beide herkommen, besitzt das Lied einen ganz hohen Stellenwert. Das war für uns beide ganz entscheidend, denn Frau Romberger, die meine Gesangsklasse leitet, betont immer wieder die Wichtigkeit dieser speziellen Gattung, was für ein Glück, dass wir im Studium uns so entwickeln können!

 

 

 

 

 

Die Preisträgerinnen:

Janina Hollich, *1988, Mezzosopran, Deutschland
Yangfan Xu, *1989, Klavier, China

Das Interview führte Gunter Duvenbeck.
Photos: Sabine Krasemann

Verein Lied und Lyrik Rhein-Ruhr

Lied und Lyrik Rhein-Ruhr e.V.

Im Zusammenarbeit mit der Stadt Ratingen richtet der Verein Lied und Lyrik Rhein-Ruhr alle zwei Jahre den Internationalen Liedduo-Wettbewerb Rhein-Ruhr aus.

Er hat sich zur Aufgabe gemacht, Lyrik und Lied zu fördern und diesen beiden Bereichen, die nicht nur für die deutschsprachige Welt eine besondere Rolle in der Kulturgeschichte gespielt haben, wieder einen herausgehobeneren Platz im gegenwärtigen Kunstbetrieb zu schaffen.

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