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„Tanzen und Springen“ beim Bonner Liedsommer – Konzert am 1.7.2018

„Tanzen und Springen“ beim Bonner Liedsommer

Es war eine ganz und gar ungewöhnliche und besondere Atmosphäre beim vierten Konzert im Rahmen des Bonner Liedsommers am 1. Juli: Der Kammerchor Voci di Fuoco Bonn unter der Leitung von Fabian Hemmelmann lud bei sommerlichen Temperaturen zum Konzert ein, bei dem der Ausdruck von Naturempfindungen in der europäischen Vokalmusik zum Thema wurde.

Chorkonzert in besonderer Atmosphäre

Als ganz besonderen Konzertort für dieses naturbezogene Konzert hatten sich die Sänger das Naturkundemuseum Alexander Koenig in Bonn ausgesucht – und zwar nicht etwa den dort vorhandenen Veranstaltungsraum, sondern die Savannenlandschaft, die keinen Zweifel am Thema des Konzerts ließ.

Der Kammerchor Voci di Fuoco, der an diesem Nachmittag zu hören war, hat sich im Zuge der Arbeit des Baritons und Ensembleleiters Fabian Hemmelmann mit der Stimmschmiede Bonn als Projektchor zur Erarbeitung von A-cappella-Werken zusammengefunden und trat zum zweiten Mal in der Besetzung von ca. 20 engagierten Laien-Sängerinnen und -Sängern auf.

Den Rahmen des Programms bildeten zwei deutsche Blöcke, von denen der erste schwungvoll mit dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Volkslied „Tanzen und Springen“ von Hans Leo Haßler begann. Etwas kunstvoller, im wahrsten Sinne des Wortes „Von edler Art“, waren im Anschluss das gleichnamige Volkslied sowie das Abendständchen von Johannes Brahms zu hören. In Mendelssohns Jagdlied op. 59, 6, mit dem der erste Block endete, spielten Chor und Chorleiter gekonnt mit dem Raumklang des Museumsfoyers.

Der kunstvollere Charakter der Lieder setzte sich im „englischen Block“ fort: In Werken von Orlando Gibbons, Gerald Finzi und Benjamin Britten bewies der Kammerchor, dass er unter den Händen Hemmelmanns nicht nur dynamisch fein nuanciert gestalten kann, sondern auch die harmonischen Finessen eines Britten-Songs gekonnt umsetzte. Sprachlich weitaus anspruchsvoller waren die folgenden kurpischen Gesänge von Karol Szymanowski, in denen die beiden Chormitglieder Dagmar Brass (Sopran) und Frank Zickenheiner (Tenor) auch als Solisten zu hören waren.

Französische Träumereien und Naturidyllen

In das Reich der französischen Träumereien und Naturidyllen entführten die Voci di Fuoco Bonn und Hemmelmann mit Liedern von Francis Poulenc und Paul Hindemith, bevor atmosphärisch mit dem witzigen Tourdion von Pierre Attaignant an Haßlers „Tanzen und Springen“ angeschlossen wurde. Wenngleich an diesem Sommertag der Abend am Ende des Konzerts noch recht weit entfernt schien, so kam mit dem abschließenden deutschen Block eine Abendstimmung auf. Frauen- und Männerstimmen wechselten sich in dem Volkslied „Des Abends da kann ich nicht schlafen gehen“ ab.

Brahms‘ „Waldesnacht“ wurde zum krönenden Abschluss des gelungenen Chorkonzerts in außergewöhnlicher Atmosphäre. Mit dem „Abschied vom Wald“ von Felix Mendelssohn wurde das zahlreiche Publikum für den begeisterten Applaus belohnt.

Rheinischer Kultursommer 2018

Text: Verena Düren
Photo © Liedwelt Rheinland | Sebastian Herzog-Geddes

Konzert am 1. Juli im Rahmen des Bonner Liedsommer 2018

 

 

„Come Away Death“ – Konzert am 18.4.2018

„Come Away Death“

Die bunte und hellsichtige Welt des William Shakespeare beeinflusste auch das Kunstlied. Zu erleben war das beim Saison-Abschluss der Reihe „Im Zentrum Lied“ in der Fritz Thyssen Stiftung. Natürlich musste dafür ein Brite her: Der Bariton Martin Lindsay leitet als Dozent der Kölner Musikhochschule das Seminar „Englisches Lied- und Arienrepertoire“. Er kennt sich also perfekt aus im Repertoire.

Bei uns wenig bekannte Lieder der Engländer Gerald Finzi, Roger Quilter oder Michael Tippett setzte er auf sein Programm „All the World’s a Stage“. Das weitete sich mit Liedern von Hanns Eisler über Charles Ives und Ernest Chausson aber auch sehr international. Kaum zu glauben, wie viele Komponisten Shakespeare in Romantik und Moderne vertonten.

Es war ein Programm mit Konzept und dramaturgischem Bogen. In einen „Prologue“ und fünf Akte war dieser Abend unterteilt. Der „Epilogue“ endete still mit den Worten „Fall asleep, or, hearing, die“, vertont von Ralph Vaughan Williams. Routiniert begleitet von der Pianistin und Hochschul-Kollegin Elnara Ismailova setzte Lindsay gekonnt auf sein schauspielerisches Talent. Man konnte allein aus seiner Mimik den Sinn erfassen. Im stark abgedunkelten Saal war ein Mitlesen der im Programmheft abgedruckten Texte ohnehin nicht möglich. Eindringlich der zweite Akt mit ruhigen Liedern wie Finzis magischem „Come Away Death“.

Zum Schmunzeln im restlos gefüllten Saal regten Lindsays langgezogene „Y-a“-Laute in Hugo Wolfs „Die Schwalbe“ aus dem „Sommernachtstraum“ an. Der musikalische Streifzug durch Shakespeares Sonette und Dramen von „Otello“ bis zu „Henry VIII“ machte Freude, auch wenn der geöffnete Flügel stellenweise zu wuchtig war und Lindsay sich im ersten Block zu sehr auf eine mittlere Laustärke verließ. Seine vokal wenig runde Stimme machte er durch Wahrhaftigkeit und Zerbrechlichkeit wett. Das passte gut zu Shakespeares Bühnenfiguren.

Text: Matthias Corvin
Der Originalartikel erschien am 20.4.2018 in der Kölner Rundschau. Wir bedanken uns für die Abdruck-Genehmigung.

Photo © Elnara Ismailova: Barbara Lutterbeck –
Martin Lindsay: Peter Czajkowski

Zum Konzert vom 18.4.2018
Wiederholung des Konzerts im Rahmen des Bonner Liedsommers am 9.9.2018