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Bezaubernde Darbietung mit „Into a Children’s Room“

Bezaubernde Darbietung mit „Into a Children’s Room“

Die neue CD „Into a Children’s Room“ von Elena Marangou und Tobias Krampen hat Michael Zerban, Chefredakteur des Online-Magazins O-Ton und Medienpartner, besprochen.

„Die bezaubernde Aufführung sollte sich eigentlich nicht in den drei Auftritten während des Bonner Liedsommers erschöpfen. … Elena Marangou und Tobias Krampen haben ein Programm zusammengestellt, das einen Blick in die kulturelle Vielfalt Europas eröffnet. Sie zeigen so quasi en passant, dass erst die Überwindung einer nationalen Sichtweise zu neuen Ufern führt.“

Michael Zerbans vollständige Rezension können Sie hier hören:

Photo © O-Ton
Audiobeitrag © Michael Zerban | O-Ton Audio

 

CD-Bestellung

CD-Bestellung

Into a Children’s Room

Die CD kann für 15,– Euro bestellt werden. Signierte CDs können gegen Aufpreis von 2,– Euro erworben werden, jeweils zzgl. 3,– Euro Versandgebühr.

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Elena Marangou, Mezzosopran
Tobias Krampen, Klavier

Die CD wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung des Bechstein-Centrum Düsseldorf.

Making of – Into a Children’s Room

Making of – Reisebericht in die Kindheit. Über die Entstehung der CD „Into a Children’s Room“

Liebe Elena Marangou, „Into a Children’s Room“, so heißt die CD, die Sie gerade herausgebracht haben – bei dem Titel stoppe ich und denke, da finde ich vielleicht nicht unbedingt Kinderlieder im eigentlichen Sinne drauf?

Genau, das sind Lieder, die im Erwachsenen die Erinnerungswelten aus der Kinderzeit wiederbeleben. Lauter kleine verschiedene Szenen sind das. Ich bin selbst immer wieder entzückt, wenn ich an meine eigene Kindheit oder an Momente mit Kindern denke, die ähnlich sind. Da geht es mir ganz so wie jedem Hörer der Lieder. Das ist vom Gefühl her ein bisschen so wie wenn man als Erwachsener „Der kleine Prinz“ liest.

Europäische Ausmaße haben die Komponisten, die auf der CD versammelt sind. Wie ist denn die Idee zu der CD entstanden und wieso kam es zu dieser bemerkenswerten Komponisten-Versammlung von Poulenc über Britten zu Mussorgsky, dann Brahms, Koukos, Couroupos und Baltas?

Zuerst habe ich die Mussorgsky-Stücke kennengelernt, war völlig verzaubert und habe die dann in Düsseldorf aufgeführt. Tobias Krampen und ich haben zu der Zeit auch ein Konzert in Athen vorbereitet und da haben wir viel Brahms und Schubert gemacht, also auch viel andere Literatur. Aber das Virus von den Mussorgsky-Stücken hatte sich bei uns eingenistet. Vorher waren schon die Britten-Stücke aufgetaucht: „A Charm of Lullabies“, die hatte ich in einer Version mit Orchester noch einige Jahre zuvor in Griechenland gesungen, aber den Ausschlag gaben die Mussorgsky-Stücke. Die Poulenc-Lieder „Quattre Chansons pour les Enfants“ haben wir dann mittels Recherchieren gefunden und auch Lieder von Szymanowski, die passten, aber das war dann schon mit den Brahms-Liedern zuviel. Denn Tobias hatte noch gefragt, ob wir denn keine griechischen Lieder dazunähmen – da hatten wir drei noch lebende Komponisten.

Da kennen wir uns ja gar nicht aus – wer sind denn die drei Herren?

Da ist zunächst Periklis Koukos, ihn kenne ich aus Athen. Er hat einen Zyklus geschrieben, „Merlin the Wizard“, das ist ein Album sozusagen mit musikalischen Erzählungen und daraus haben wir ein Mädchen-Lied ausgesucht. Dann haben wir ein „Mäuselied“ von George Couroupos dazugesellt; den Komponisten kenne ich schon ganz lange und die Stücke sind eigentlich schon wirkliche Kinderlieder. Er hat sie 1978/79 geschrieben und seiner Tochter gewidmet. Das Wiegenlied passte mehr als die anderen Lieder zu denen, die wir sonst auf der CD versammelt haben. In den anderen finden sich auch politische Hinweise, das passte hier inhaltlich nicht so gut, daher wurde es dieses sechste des Mäuse-Zyklus‘. Der Text ist aus der Sicht des Kindes geschrieben – und das passt zu Brahms‘ „Volkskinderliedern“, wie diese Werke ohne Opuszahl zusammengefasst werden.

Dann haben wir noch ein Lied von Baltas aus den „Six Simple Songs“,  komponiert 1971. Wir haben Kostas Krystallis‘ zartes Gedicht gewählt, weil die liebevolle Art, das Kind in den Schlaf zu singen, sehr nahe an der Volksmusik orientiert ist.

Wie sind denn die Brahms-Lieder entstanden?

Die hat Brahms für die Kinder von Clara und Robert Schumann geschrieben! Auch sie sind den Kindern gewidmet. Wir haben drei ausgewählt, die mit anderen Liedern auf der CD wunderbar korrespondieren.

Und wann und wie sind die Stücke dann an ihre Stelle auf der CD gerutscht?

Britten war für den Anfang zu intellektuell, ich wollte ursprünglich den Mussorgsky an erster Stelle, aber unser Tonmeister Martin Frobeen-Waldvogel empfahl, den Britten als zweites zu nehmen. Wir haben diskutiert. Dann wurde klar, dass wir den Poulenc als erstes machen wollten. Da haben wir uns gefragt – was kann danach gut kommen und haben erst an den Brahms gedacht. Aber dann bekamen wir das Gefühl, dass der Hörer meinen könnte, er höre doch eine Kinder-CD. Aber der Poulenc war intuitiv richtig am Anfang und von der Stimmung her passte da der Britten hinterher. So entstand allmählich auch nach der Aufnahme noch die Reihenfolge, die Sie nun im Booklet sehen.

Mal etwas ganz anderes noch: Die Mussorgsky-Lieder machen Sie auf Russisch? Wie bereitet man sich da vor?

Ohhh – das dauert … ich habe immer wieder mit zwei Muttersprachlerinnen gearbeitet. Erst einmal Bedeutung, dann Vokale, dann Konsonanten… Ich habe es mir dann in lateinische Schrift umgeschrieben, aber inzwischen kann ich es auch auf Kyrillisch lesen. Das ging in Griechenland los, dann habe ich in Düsseldorf weiter an den Stücken gearbeitet. Insgesamt haben wir fünf Sprachen auf der CD, das war viel Arbeit, aber es hat auch unglaublich Spaß gemacht und zum Glück ist die Musikerwelt international, da haben mir viele Kollegen geholfen. Aber ganz so einfach ist es nicht: Der eine sagt so, der andere so bei der Aussprache, es gibt immer verschiedene Ansichten.

Wie entscheiden Sie sich denn da? Sie können ja schlecht einen Diskurs über die Dialekte und die Hochsprachen und die Sprache abhalten, die man im Lied verwendet…

Ach, ich war ganz praktisch – aber wenn ich drei Personen frage, habe ich mindestens drei Meinungen. Mindestens! Daher habe ich nach dem Ohr und der inneren Schlüssigkeit entschieden, habe, wenn vorhanden, Aufnahmen verglichen. Aber die Basis war schon immer gleich, die Unterschiede marginal. Ich wollte es ja dann auch sehr sorgfältig vorbereiten.

Geben Sie uns doch bitte einen kleinen Vorgeschmack auf ein paar der Lieder, die Sie besonders mögen – was erwarten uns da für Geschichten?

Wenn ich nun zurückschaue auf die Produktion und die Entstehung des Ganzen sind meine Gefühle und Gedanken zu den Liedern ganz andere geworden als vor Beginn der Produktion!

Ich mag ja die Mussorgsky-Lieder so sehr! Im ersten spricht ein Kind mit seinem Kindermädchen, oder im vierten, da erzählt es der Puppe eine Geschichte – da erlebt man Kinderabenteuer aus dem Alltag, von „Draußen“. In einem ist beispielsweise ein kleiner Käfer angelaufen gekommen, es sind immer solche kleinen Geschichten, die für uns, als wir Kind waren, doch auch so wichtig waren. In mindestens drei Liedern sprechen das Kind und die Mama oder das Kindermädchen miteinander, da gibt es so schöne Stimmungswechsel aus den Perspektiven – die fand ich so charmant! Diese Identifizierung mit dem, was das Kind sagt, da habe ich mich ganz oft in der „kleinen“ Rolle wiedergefunden, die ich doch so von mir selbst kannte und dann kommt die Mutterstimmung.

Oder in einem Lied, da kommt die Babuschka und das Kind fragt nach einer Gute Nacht-Geschichte, hier spricht nur das Kind! Warum? Na weil…warum der Knochenmann denn die Kinder isst? Vielleicht, wie Papa und Mama was sagen, oder weil man unartig ist? Das Kind hat da was gehört, kann es nicht einordnen. Sucht Erklärungen, denn es ist noch viel zu aufgeregt, um einschlafen zu können. Das Ende dieses Liedes können Sie sich selbst denken….

Die Britten-Lieder liebe ich auch sehr! Beispielsweise das Lied „Charm“, das vierte aus dem Zyklus. „Sei still und schlafe“ – da droht die Mutter dem Kind, wenn es nicht schläft, kämen die Erinnyen und Rhadamanthus, um es zu bestrafen. Hier wird die übliche Thematik des Wiegenliedes auf den Kopf gestellt… und natürlich liebe ich die griechischen Lieder!

Eine wichtige Frage zum Schluss: Wie bekomme ich eine CD und wo kann ich reinhören, wenn ich zu einem der Release-Konzerte nicht kann?

Wir sind zunächst einmal dem Bechstein Zentrum in Düsseldorf sehr, sehr dankbar. Wir durften die CD hier aufnehmen, haben keine Miete gezahlt, hatten ideale Bedingungen. Dass der damalige Geschäftsführer Christian Müller so viel Interesse hatte und sich engagierte, war ein wirkliches Geschenk für das wir uns nun – nicht nur – mit dem Release-Konzert in Düsseldorf und dem in Köln in den Bechstein Centren bedanken möchten.

Inzwischen ist im griechischen Radio auch eine Präsentation gelaufen bei ERT – TRITO PROGRAMMA. Auf Spotify und über iTunes kann man reinhören.

Die CD kann natürlich nach den Release-Konzerten erworben werden oder auch im Internet über die Liedwelt bestellt werden. Im Plattenladen kann sie leider zurzeit nicht erworben werden, aber in Griechenland schon.

Wir bedanken uns für die vielen Hintergrundinformationen. Da freuen uns schon sehr auf die kleine Reise in unsere Kindheitserinnerungen bei den Release-Konzerten und wünschen Ihnen viel Erfolg beim Liedsommer in Köln, Bonn und Düsseldorf!

Das Gespräch mit Elena Marangou führte Sabine Krasemann.

Konzerte:

Konzert am 20.9.2018 im Bechstein-Zentrum Köln
Konzert am 23.9.2018 in der Zentrifuge Bonn
Konzert am 28.9.2018 im Bechstein-Zentrum Düsseldorf

Photos © Elena Marangou, Elena Marangou

Maximum Reger

Schaffen und Dokumentation – Max Reger: The Last Giant

„Maximum Reger – zahlreiche sehr persönlichen Berichte und vor allem aus über 700 Minuten seiner Musik …“ mehr in unserem Interview mit unserem Netzwerk-Mitglied Frauke May

April 2018: Maximum Reger gewinnt den BBC Music Magazine Award 2018

Frauke May (Mezzosopran), Julius Berger (Violoncello), Markus Becker, Rudolf Meister (Klavier), Graham Barber, Bernard Haas (Orgel) und viele mehr; Aris Quartett; WDR Funkhausorchester/ Wayne Marshall

Reviewed August 2017

Max Reger is one of the most unjustly neglected composers in music history. That’s the contention of producer Will Fraser, of Fugue State Films, whose mighty six-DVD set devoted to the German more than meets his ambition to correct that wrong.

In an era when fewer and fewer classical music documentaries are being made, Maximum Reger pulls out all the stops. Everything about the project is impressive, its scale and scope a suitable match for this gargantuan late-Romantic composer.

Maximum Reger is, said our critic Erik Levi, ‚a hugely rewarding achievement that should persuade us all to revisit our preconceptions of Max Reger’s place in music history.‘

„Im Volkston“ – Anno 1903 – Kunstlied-Wettbewerb!

„Im Volkston“
Anno 1903 – Kunstlied-Wettbewerb!

Berlin+++1903+++

Die Wochenzeitschrift „Die Woche“ richtet einen Kunstlied-Wettbewerb aus. Zahlreiche teils berühmte Komponisten werden gebeten, „“Lieder im Volkston“ zu komponieren: schlicht und leicht fasslich sollten sie sein, gedanklich in der Schubert-Nachfolge. 30 Lieder wurden ausgesucht und in einem Sonderheft der „Woche“ herausgegeben.

Da manche Lieder nicht schlicht genug ausgefallen waren, entschloss sich der Verlag August Scherl nachzulegen: Es wurde ein zweites, nun offenes Preisausschreiben gestartet. Wieder sollten 30 Lieder im Druck erscheinen – doch der Verlag erhielt 9.000 Lieder und verdoppelte daraufhin sein Output und gab zwei weitere Hefte mit insgesamt 60 Liedern heraus.

Die Käufer erwartet eine spannende Aufgaben: Sie konnten mittels einer im Heft befindlichen Postkarte abstimmen, welche der insgesamt 90 Lieder die drei besten seien und somit ihrer Meinung nach einen Preis gewinnen sollten.

 

Was die nächsten gut 111 Jahre passierte ist noch nicht erforscht.

München+++26.06.2017+++13:05+++

Am 30. Juni erscheint das erste der drei Sonderhefte „Lieder im Volkston“ auf CD  beim Label „Oehms Classics“. BR Klassik gab zu der Produktion den Anstoß, nachdem Patrick Schönbach, IT-Spezialist, Musikwissenschaftler die Redaktion auf diese unglaubliche Geschichte aufmerksam machte.

BR Klassik berichtet im Rahmen der „Mittagsmusik“ über die spektakuläre Trouvaille und ihre unglaubliche Wiederentdeckung durch Patrick Schönbach . Zu finden sind hier auch fünf Noten- und Klangbeispiele.

WDR 3 Klassikforum+++09.08.2017+++09:05-12:00+++

In der Sendung läuft ein Bericht, der ebenfalls von dem Sujet erzählt. Zuhörer sind unter anderem Sabine Hoeper von der RUB und unsere Mitarbeiterin Verena Düren. Die Liedwelt besorgt das Manuskript der Sendung.

ZVAB+++10.08.2017+++12:53+++

Auf der Jagd nach dem originalen Band 1 hat die Liedwelt knapp auf der Plattform ZVAB verloren, aber wir bedanken uns bei  dem Antiquariat Immanuel, David Lambrecht für die Weiterleitung an die Käuferin.

BOCHUM+++10.08.2017+++13:02+++

Frau Sabine Hoeper von der RUB hat das Exemplar gekauft, um es der Bibliothek an der RUB zuzuführen. Sie hatte am 9.8. auf WDR 3 Klassikforum die gleiche Sendung wie unsere Mitarbeiterin Verena Düren gehört und war gleich zur Tat geschritten. Wir bedanken uns ganz herzlich für die Zusendung des Bandes als pdf.

ZVAB+++10.08.2017+++13:07+++

Band 2 und 3 sind bestellt und liegen der Liedwelt im Original und digital vor.

Berlin+++16.08.2017+++21:17+++

In einem Gespräch im kundigen Netzwerk war zu erfahren: „Die Woche“ wurde erst 1944 eingestellt. Da es sich um eine nicht unbedeutende Zeitschrift handelte könnte es durchaus sein, dass noch Archivmaterial zu finden ist: Die Liedwelt fragt sich, ob von den verbleibenden 8940 Liedern noch welche in einem Archiv, auf einem Dachboden oder in einem Keller zu finden sind oder ob vielleicht schon 1904 alle restlichen Lieder im Ofen verschwanden oder als Fischeinwickelpapier hergehalten haben. Das wird recherchiert werden.

Des Weiteren soll die Frage untersucht werden, was aus der erstaunlich hohen Einsendezahl gesellschaftlich abzulesen ist: Es hat also Anfang des 20. Jahrhunderts scheinbar noch sehr viel Hausmusik gegeben, wenn 9.000 Lieder für einen Wettbewerb eingesendet wurden. Auch was hier die nächsten 111 Jahre passierte soll untersucht und recherchiert werden.

Die Liedwelt Rheinland bleibt dran an dieser Geschichte und wird weiter berichten!

Die CD ist bei Oehms Classics erschienen und kann hier bestellt werden.

19.8.2017

 

Schumann: Einsamkeit

Robert Schumann: Einsamkeit

 

Matthias Goerne, Gesang
Markus Hinterhäuser
, Klavier

Nachdem Matthias Goerne gerade ein Schubert’sches Abenteuer hinter sich gelassen hat, bei dem er im Laufe der Jahre immer wieder seine unglaubliche Strahlkraft in der Gattung des Kunstlieds unter Beweis stellte, hat er nun eine kleine Auswahl von etwa zwanzig dieser kleinen Kostbarkeiten getroffen, die Robert Schumann im Jahr seiner Heirat bzw. in seiner düstersten Phase in Düsseldorf liebevoll gestaltet hat.

Weblink zur Aufnahme

August Bungert | Lieder

August Bungert | Lieder

Pünktlich zum 2. Liedduo-Wettbewerb Rhein Ruhr am 5.4.2017 ist die CD mit Liedern von August Bungert erschienen.  Die Klavierlieder wurden aus Anlass seines 100. Todestages im Gründungsjahr des Wettbewerbs thematisiert. Die Liedwelt Rheinland wird in Kürze hineinhorchen.

Unter der Federführung des in Ratingen wohnenden Liedpianisten Dominikus Burghardt ist mit vielen im Rheinland ansässigen Lied-Kapazitäten.

Rezension

WDR 3-Redakteur Michael Schwalb hat exklusiv für die Liedwelt Rheinland die CD rezensiert:

Querschnitt durch das reichhaltige Liedschaffen

Diese CD kann Freunde des Liedgesangs und entdeckungslustige Musikliebhaber beglücken mit 22 unbekannten Liedern, 50 Minuten Musik des Komponisten August Bungert (1845-1915). Bungert fristet heute höchstens noch ein lexikalisches Dasein, war aber seinerzeit durchaus populär. Er selbst sah sich auf einer Bedeutungshöhe mit Richard Wagner, vor allem aufgrund seiner in Dresden uraufgeführten Antikentetralogie „Homerische Welt“, in der er – wie Wagner! – eigene Dichtungen vertonte. Vergeblich versuchte er, diesen Rang von seiner Mitwelt einzufordern, doch hatte Bungert durchaus einen Kreis von einsatzfreudigen Anhängern und Gönnern. Dazu gehörte auch die rumänische Königin Elisabeth I., eine geborene Prinzessin zu Wied, die sich als Künstlerin fühlte und unter ihrem Dichternamen Carmen Sylva Lyrik produzierte. Sie schenkte Bungert ein Haus in Leutesdorf am Rhein, das er von Mitte der 1890er-Jahre bis zu seinem Tod bewohnte. Geboren ist Bungert in Mülheim an der Ruhr – Anlass für den rührigen Verein „Lied und Lyrik Rhein-Ruhr“, nun Bungerts reichhaltiges Liedschaffen in einem Querschnitt vorzustellen.

Eine kluge Dramaturgie quer durch alle Schaffensperioden

Die über 350 Lieder bilden rein quantitativ das größte Werkkorpus in Bungerts Œuvre von 76 Opera. Eine kluge Dramaturgie, die wohl Dominikus Burghardt als spiritus rector zuzurechnen ist, hat die hier versammelten Lieder (unter Verzicht auf allzu plakative Rhein-Wein-Gesänge) quer durch alle Schaffensperioden ausgewählt und sinnvoll angeordnet. Zunächst einmal freut sich das Ohr an der Abwechslung der vier jungen Stimmen von Lied zu Lied, deren Abfolge aber vor allem tonartlich sinnvoll und auch nach inhaltlichen Bedeutungsbezügen angeordnet ist.

Es ist wohl Zufall, dass der Dichter Bungert hier nicht in einer eigenen Vertonung zu Gehör kommt; die vertonten Gedichte stammen von ganz unterschiedlichen Autoren, darunter Größen wie Heine, Chamisso, Rückert, Eichendorff und Uhland, aber auch Kleinmeistern wie Emil Rittershaus, Carl Bulcke oder eben der Gönnerin Carmen Sylva. Einige Vorlagen berühmter Dichter sind außer von Bungert nie vertont, etwa das hinreißende „Wärst du krank, dass ich dich könnte pflegen“ aus Rückerts „Liebesfrühling“.

Bungert – ein versierter Kolorist, der auch zu berührendsten Tönen findet

Bungert erweist sich als durchaus versierter Kolorist, ohne dass sich aber immer eine symbiotische Wechselwirkung zwischen Text und Musik einstellt, wie sie wirklich großen Liederkomponisten wie Bungerts Zeitgenossen Wolf, Strauss oder Pfitzner zu eigen ist. Und von den verschiedenen Themenfeldern, welche die Gedichte vorgeben, sind in meinen Ohren weder die Vertonung von Naturidylle noch von Liebesfreuden besonders eindringlich; vielmehr findet Bungert bei der musikalischen Ausgestaltung von Seelenschmerz und Verlorenheit zu seinen berührendsten Tönen.

Bei den Interpreten dieser CD wirkt Dominikus Burghardt, ein ebenso verlässlicher wie geschmeidiger Gestalter, als Dreh- und Angelpunkt, der den jungen Interpreten pianistischen Rückhalt und phantasiereiche Anregung bietet. Die vier Sänger nehmen sich der unbekannten Lieder, zumeist Ersteinspielungen, mit hörbarer Hingabe an, wobei mir die Mezzosopranistin Elvira Bill einen stimmlich wie gestalterisch besonders ausgeglichenen Eindruck vermittelt.

Abwechslungsreichtum in der Stückauswahl und mit vier jungen Stimmen

Fazit: Die Entdeckung des Liedkomponisten August Bungert bringt die Musikgeschichte nicht ins Wanken, doch lassen sich die Gipfelwerke der Literatur, von Wolf, Strauss oder Pfitzner, umso fundierter schätzen und lieben, wenn man die kleineren Berge und umgebenden Höhenzüge der zeitgenössischen Liedproduktion kennenlernen darf. Das schafft diese CD, die man ob ihres Abwechslungsreichtums immer wieder von vorne bis hinten durchhören mag.

© Michael Schwalb

Zu dieser CD

Maike Leluschko, Sopran
Elvira Bill, Mezzo
Andreas Post, Tenor
Erik Sohn, Bariton

Dominikus Burghardt, Klavier

Produzent: Lied & Lyrik Rhein-Ruhr
Holger Urbach Musikproduktion 2016
EAN 0742832844802

Die CD wurde von Lied und Lyrik Rhein-Ruhr e.V. produziert. Sie dokumentiert einen Themenschwerpunkt des 1. Internationalen Liedduo-Wettbewerbs RHein-Ruhr 2015 in Ratingen – das Liedschaffen des im Rheinland beheimateten Komponisten August Berger. Daher wirklen bei der Einspielung Interpreten aus diesem Einzugsgebiet mit.

Die Auwahl der Klavierlieder gibt ein möglichst breites und repräsentatives Spektrum seines Liedschaffens wieder.

Dabei handelt es sich zum größeren Teil um Ersteinspielungen.