Archiv der Kategorie: Aktuelles

Han-Young Yoo

Han-Young Yoo

„Die Sänger singen durch den Mund, ich singe mit den Händen“

Warum ich Lied begleite

„Wenn ich über den Flügel schaue und den Sänger sehe, den ich begleite, kann ich die musikalische Einheit fühlen. Das ist ein ganz anderes Gefühl, als wenn ich als Solopianistin auftrete.“

„Ich nehme den Atem, die Blicke des anderen wahr. So entsteht eine nonverbale aber umso intensivere musikalische Konversation. Die Sänger singen durch den Mund, ich singe mit den Händen. Ich stelle eine Frage und erhalte eine Antwort, der Sänger stellt eine Frage und ich gebe eine Antwort. Gemeinsam schenken wir dem Publikum eine schöne Geschichte. Sie ist auf den Flügeln des Gesangs getragen, wie es das Lied von Mendelssohn so treffend beschreibt.“

Biographie

Hanyoung Yoo schloss ihr Studium für Soloklavier an der Ewha–Women-University in Seoul mit einem Bachelor of Musik ab.

Sie studierte Soloklavier an der Hochschule „Folkwang Universität der Künste“ bei Prof. Ludwig Maxein. Nach Ihrer Diplomprüfung 2002 schloss sie 2004 an der „Musikhochschule Maastricht“ bei Prof. Joob Celis ein Aufbaustudium mit der Bestbenotung ab. Danach erlangte Hanyoung Yoo 2007 an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und bei Prof. Jürgen Glauß das Konzert-Examen für Liedbegleitung.

Neben dem Studium besuchte sie Meisterkurse des Mozarteums in Salzburg sowie bei Peter Feuchtwanger in Bonn. Zudem erlangte sie ein Diplom an der Donizetti-Akademie in Milano.

Sie gewann zahlreiche Preise in Seoul und während des  internationalen Liedwettbewerbs in der Hochschule für Musik und Tanz Köln, wo sie für die beste pianistische Leistung ausgezeichnet wurde. Seit 2009 arbeitet sie als Dozentin für Korrepetition an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Hanyoung Yoo trat mit Solokonzerten wie auch als Liedbegleiterin und Kammermusikerin in Erscheinung.

Sie gibt zahlreiche Konzerte in Deutschland, Italien und Korea.

Vor kurzem trat sie innerhalb des Musik-Sommer-Festivals „Cervo“ in Italien  auf.

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Michael Gees – Wie klingt die Welt?

Michael Gees – Wie klingt die Welt?

Herr Gees, Sie beschäftigen sich viel mit extemporierter Musik. Damit sind Sie in der Klassik-Welt einer unter Wenigen. Weshalb ist das so? Warum scheuen sich die Leute vor Improvisation, und warum ist die klassische Musik so streng strukturiert?

Ich glaube, wir haben uns angewöhnt, unserer menschlichen Evolution zu misstrauen. Wir können uns unsere positive Wirksamkeit nicht vorstellen. Dabei erzeugt alles, was wir denken und tun, Resonanz, Zweckmäßiges und natürlich auch Unnützes. Es wirkt sich vielleicht nur homöopathisch aus, wenn ich meinen kleinen Finger krümme, aber es wirkt, auch in Bangladesch.

Wenn wir nun mit der Bequemlichkeit brechen, nichts bewirken zu können, dann sind wir auf einer Mission. Dann sind wir es, die – was auch immer – veranlasst haben und verantworten müssen. Stellten wir uns beispielsweise der ‚klassischen‘ Musik auch als einer Herausforderung an unsere Phantasie, stünden wir plötzlich in schöpferischer Verantwortung, gleich den bewunderten Heroen der Klassik. Und das macht uns Angst. Es ist eigenartig, dass wir uns die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zutrauen, aber skeptisch bleiben in Bezug auf die Frage, ob wir die geistige Höhe Beethovens erreichen geschweige denn übertreffen könnten.

Wie funktioniert Improvisation bei Ihnen? Haben Sie ein gewisses Konzept, nach dem Sie improvisieren, oder ist es ein völlig freier Prozess?

Hätte ich ein Konzept, wär’s keine Improvisation. Andererseits gibt es für die gewissermaßen gebundenen Improvisationen meiner auf CD erschienenen Soloprogramme Vorbilder, wie etwa das ‚Cantare supra librum‘, eine in der Renaissance gebräuchliche Praxis des ‚Singens über dem Buch‘. Dabei wurden die Nebenstimmen zu einem gegebenen Cantus firmus spontan hinzuerfunden. Die Sänger verwandelten auf diese Weise das, was sie sangen, sie machten es zu ihrer eigenen Sache. Und darum geht es mir ja auch: zu werden wie das, was ich spiele.

Da ist zunächst einmal nichts.

Völlig frei, zumindest zu Beginn, ist Improvisation, wenn niemand im Saal weiß, was jetzt klingen will. Und wenn wir zum wissenden Feld werden, eben weil wir nichts wissen. Wenn ich wähle, was ich hören will. Und die Mitwirkenden, die wir ganz fälschlich „Publikum“ nennen, fassen das Gehörte individuell auf. Wenn wir also die Improvisation gemeinsam entwickeln, aus Gegenseitigkeit und Verständnis. Wenn etwas entsteht, worauf niemand von uns allein gekommen wäre, was zuvor niemand hätte wissen können: das ist freie Improvisation.

In vielerlei Hinsicht ist kein Unterschied zum Komponieren: da ist zunächst einmal nichts. Und dann die Wahrnehmung, dass das Nichts nicht nichts ist. Sondern belebt ist, voller Tongestalten. Und, kaum, dass eine Idee über die Schwelle tritt, Gestalt annimmt und hörbar wird, es gleich wieder aus ist mit der „völligen“, ungebundenen Freiheit. Es ist sehr erstaunlich, was alles nicht mehr geht, nachdem die ersten Töne aufgeklungen sind. Wie die Idee zur Spielregel wird, nach der sich alles Weitere richtet. Wie beispielsweise ein Text so etwas wie eine Wegweisung ist. Wie durchaus nicht alles geht, wenn ich gemeinsam mit Kollegen einen Text vertone, ein Lied erfinde.

Wie kann man sich diese Weisung vorstellen, die ein Text Ihnen vorgibt?

Der Text weiß, wie er vorgetragen werden will. Jedes Gedicht hat seine Melodie, wie überhaupt alles Lebendige eine Musik hat. Gedanken pulsieren in die physische Welt hinein und resonieren als Musik. Umgekehrt resoniert Musik in der geistigen Welt als Gedanke. So können Wort und Musik synästhetisch wechselwirken. Liedkomponisten resonieren natürlich auf ihre eigene Art mit dem Text. Sonst wären ja alle Vertonungen einander gleich oder ähnlich. Aber völlig verschieden sind sie eben auch nicht. An textgleichen Vertonungen lässt sich gut studieren, wie die Musiken verschiedener Komponisten gewissermaßen im gleichen Zimmer, im gleichen geistigen Raum erklingen.

Nicht viele Pianisten setzen einen so großen Fokus in ihrem Schaffen auf das Lied, wie Sie es tun. Wie sind Sie zum Lied gekommen? Und was begeistert Sie an dieser musikalischen Gattung?

Meine beiden Eltern waren Sänger und meine große Liebe zu Studienzeiten war eine Sängerin. Fast alle meine Lieder sind ihr gewidmet. Zum Liedpianisten habe ich also viel natürliche Neigung. Das Geschick dazu, Sänger zu begleiten und sie so gut wie möglich aussehen zu lassen habe ich mir im Laufe der Jahre angeeignet. Aber vor allem bedeutet Lieder begleiten, in Musik denken, tönen und sprechen zu dürfen, das Wort geleiten auf seinem Weg zum Verständnis. Das fließt im Lied wunderbar zusammen. In der Oper wird die Textdichte eines Liedes ja nur ganz selten erreicht. Das Lied denkt. Und das gefällt mir. Dazu habe ich beizutragen.

Herr Gees, warum brauchen wir in dieser technologisierten und digitalisierten Welt heutzutage überhaupt noch Musik? Welchen gesellschaftlichen Beitrag leistet Musik?

Vor allen Dingen leistet sie den, dass sie es ist, die – neben anderen Künsten – einen gesellschaftsbildenden Beitrag leistet; die Digitalisierung tut das ja eben gerade nicht. Musik ist nach meinem Verständnis geradezu ein Hörbild der Gemeinschaft, die Idee des Miteinanders schlechthin. Unisono, Heterophonie, Kontrapunkt, Harmonie und Dissonanz bis zu ihrer Auflösung ins weiße Rauschen: Musik ist die Harmonia Mundi, die Integration des Tönenden. Und Musik kann etwas Einzigartiges: Gleichzeitigkeit. Wenn wir gleichzeitig reden, verstehen wir einander nicht. Wenn wir gleichzeitig musizieren, können wir uns und andere als unterschiedlich beitragend erkennen und wahrnehmen, einander begegnen und in Beziehung gehen. Die Parallelität unseres Tuns stört uns nicht nur nicht sondern ist uns im Gegenteil geradezu ein Erkenntnisinstrument.

Musik wirkt in einem gemeinschaftsbildenden Konzert

Musik ist hörbares Miteinander. Musiker bilden zusammen mit dem „Publikum“ ein Stellvertreterfeld für das, was sie mit in den Raum nehmen und in Musik erleben. In der Fülle ihrer Beziehungen zueinander und zum Weltgeschehen sind sie Repräsentanten der Menschengemeinschaft. So wirkt ein in diesem Sinne gelungenes, nämlich gemeinschaftsbildendes Konzert weit über den Saal hinaus, in dem es stattfindet. Und wem das unbescheiden vorkommt: Anspruch und Wirkmächtigkeit der künstlichen Intelligenz sind kaum geringer. Allzu klein dürfen wir von uns nicht denken, wenn wir’s mit ihr aufnehmen wollen.

Das Interview führte Alice Lackner.

© Foto: Hermann und Clärchen Baus, Köln

Zum Konzert „Permamusik – Composing Voices“ am 16.11.2017

Andreas Durban

Andreas Durban

Liedgesang ist für mich der große, geheimnisvolle Kinosaal im Kopf.

Die Alchimie des Liedes

Die Arbeit als Dozent für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Tanz Köln brachte mich sehr intensiv in Berührung mit dem Genre des Liedgesangs. Über lange Jahre unterrichtete ich junge Sängerinnen und Sänger, darstellerisch ihre Lieder zu interpretieren.

Dabei mache ich immer wieder die gleiche alchimistische Erfahrung. Durch die „chemische Reaktion“ von Lyrik, Komposition, von Stimme und Psyche, entsteht ein Gesamtkunstwerk, das nur dann zu strahlen beginnt, wenn alle vier Aspekte gleichberechtigt nebeneinander wirken.

Poetische Ideen nehmen Einfluss auf die Gefühle des Komponisten. Sie bedienen sich einer allgemeingültigen Bildersprache, die einen tiefen emotionalen Prozess hervorruft, dem der schöpferische Akt des Komponierens folgt.

Diesen Schöpfungsakt wiederholt im interpretatorischen Idealfall der Sänger – und etwas überspitzt formuliert – sollte es ein wahres Wunder sein, dass er genau so singt, wie der Komponist komponierte, da er, poetisch (semantisch) inspiriert, das in die Stimme legt, was er spontan empfindet und in sich bewegt

Die Feuersteine der präzisen musikalischen Struktur auf der einen Seite und der vollkommenen psychischen Spontaneität auf der anderen Seite schlagen im Akt des Liedvortrags immer wieder wie scheinbare Gegensätze aneinander und ihre Funken erzeugen Flammen ganz eigener Art:

Liedgesang ist für mich der große, geheimnisvolle Kinosaal im Kopf. Die Imaginationsfähigkeit der Sängerinnen und Sänger entführt blitzschnell auf innere Bühnen; Traumbilder wechseln wie an die Wand geworfenen Bilder der Laterna Magica. Den Zuschauern erscheinen komprimierte Essenzen, Bilder und Klänge als Konzentrate. Das Lied ist der wahre – das verdichtete Leben. Nicht nur die Religion dient als Opium des Volks, der Liedgesang erfüllt diese Aufgabe – im positivsten Sinne – noch viel effektiver! Die Langeweile und die sinnentleerte Belanglosigkeit gibt man mit dem Hut an der Garderobe ab.

Das Leben wird heiliges Erlebnis,  Rausch, Tanz, unter der Vorherrschaft des Dionysischen – es war kein Zufall, dass ausgerechnet Friedrich Nietzsche, der den Gott Dionysos wieder zum Leben erweckte, sich auch  als Lyriker und Komponist im Genre des Liedgesangs versuchte.

Biographie

Andreas Durban arbeitete lange Jahre als Schauspieler an Deutschen Bühnen. Zuletzt war er unter der Intendanz von Manfred Beilharz am Schauspiel Bonn und am Staatstheater Wiesbaden  engagiert.

1998 übernahm er zudem einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Tanz Köln für szenischen Unterricht und Ariengestaltung. Hier begann für Ihn auch die Auseinandersetzung mit dem Genre des Liedgesangs.

In Zusammenarbeit mit den Korrepetitoren Georg Leisse und Hanyoung Yoo erarbeitet er mit Studierenden darstellerische Interpretationsmöglichkeiten von Liedern, Oratorien und Arien. Er inszeniert szenische Liederabende und Opernprojekte. 2008 gründete er mit dem Komponisten Henrik Albrecht die Literatur-Oper Köln. Auch betreut Andreas Durban Gesangsstudierende bei der schauspielerischen Gestaltung ihrer Abschlusskonzerte.

2015 schrieb er das Libretto „Leben, eine Schubertiade“ zur Komposition von Henrik Albrecht, das 2016 mit den Hamburger Symphonikern und dem Hamburger Schubertchor zur Uraufführung kam. 2017 schreibt er im Auftrag der Berliner Philharmoniker das Libretto zu der Kinderoper „Parzival“ (Komposition Henrik Albrecht), die 2018 in der Berliner Philharmonie und im Festspielhaus Baden Baden zur Uraufführung kommt.

Bei „Im Zentrum LIED“ trat er in der Spielzeit 2016 viele Male als Erzähler auf. In der Spielzeit 2017/2018 wird er erstmals auch als Kurator einen Liederabend gestalten.

Schäferstündchen

Schäferstündchen

  Eine musikalische Liebeserklärung als Weihnachtsgeschenk 

Weihnachten — eine schöne Zeit, um dem Partner, Gefährten, Freunden oder Verwandten eine Freude zu machen. Dieses Jahr haben wir uns für die Menschen, die Ihnen lieb und teuer sind, ein ganz persönliches Geschenk überlegt:

  Schenken Sie sich ein gemeinsames Schäferstündchen! 

Wollten Sie einem sehr guten Freund, Ihren Eltern oder ihrem Lebenspartner schon länger einmal sagen, wie wertvoll er oder sie für Sie ist? Sagen Sie es mit einer Gedichtzeile und schenken Sie sich gemeinsam verbrachte Zeit in Form eines Konzertbesuchs!

Ganz im Zeichen von „Schäferstündchen“ steht das nächste Konzert bei Im Zentrum LIED. Gemeinsam besuchen Sie am Mittwoch, den 24. Januar 2018 das Konzert. Sie bekommen vorab per Post eine Geschenkkarte. Diese ist mit der von Ihnen ausgesuchten Zeile aus einem der Gedichte versehen, die dort gesungen werden. Widmen Sie also Ihrem Liebsten, Ihrer Liebsten eines der Lieder des Abends!

So wird aus dem Konzertbesuch eine gemeinsame, ganz persönlich verbrachte Zeit, die Sie zu Weihnachten schenken.

Bei allen Bestellungen, die bis zum 18.12.2017 eingehen, garantiert die Liedwelt Rheinland Zustellung noch bis 23.12.2017.

Wie funktioniert’s?

      Füllen Sie das Formular aus oder schicken Sie uns Ihre Bestellung formlos per Mail.

    Sie suchen eine Gedichtzeile aus, die zu Ihrer Liebsten / Ihrem Liebsten und Ihnen passt. Wählen Sie hier eine Liedzeile, die Sie verschenken wollen.

    Diese Widmung steht auf Ihrer Geschenkkarte, die zugleich für Sie beide die Eintrittskarte für das Konzert ist.

    Damit das Geschenk dauerhaft in Erinnerung bleibt, sind die Widmungen auf Wunsch im Programmheft abgedruckt.

    Sie bekommen Ihre Geschenkkarte (=Eintrittskarten für den 24.1.) per Post zugesendet. Sie ist mit Ihrem Zitat gestaltet.

    Auf Wunsch senden wir die Karte auch an den Beschenkten direkt. In dem Fall geben Sie uns bitte eine alternative Versandadresse an.

    Überweisen Sie 35 € mit dem Betreff „Schäferstündchen, Nachname, Vorname, Vers Nr.“ für Ihre Geschenkkarte + 2 Eintrittskarten.

Hier finden Sie das Formular, das Sie uns bitte per Post oder Mail senden an:

Verena Düren, An der Kelter 13, 53177 Bonn oder verena.dueren@liedwelt-rheinland.de.

In Kooperation mit unserem Partner Im Zentrum LIED

Martin Lindsay

Martin Lindsay

Der Bariton Martin Lindsay, gebürtiger Brite, studierte an der Guildhall School of Music & Drama in London, der Britten-Pears School (u.a. bei Hans Hotter, Suzanne Danco und Hugues Cudnod) und am Banff Centre in Kanada.

Als Spezialist für Neue Musik hat er bei zahlreichen Erstaufführungen mitgewirkt. Lindsay hat u.a. bereits mit dem Wiener Musikverein, dem Ensemble Recherche und den Duisburger Philharmonikern zusammengearbeitet und war zum Beispiel auf Bühnen in Südkorea, Israel und vielen europäischen Ländern zu hören.

Seit 1999 lebt Martin Lindsay in Köln, wo er auch als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik und Tanz Köln tätig ist.

Die schöne Magelone im Konzerthaus Berlin

Die schöne Magelone im Konzerthaus Berlin –„Treue Liebe dauert lange, überlebet manche Stund‘“

Die Abenteuer des Ritter Peter mit den Silbernen Schlüsseln halten was sie versprechen: gewürzt mit etwas orientalischem Hauch findet sich der Ritter Peter in einer spannenden Abenteuergeschichte um seine Liebste, die schöne Magelone. Seit dem Mittelalter begeisterte die Geschichte immer wieder Leser und inspirierte Autoren zu neuen Versionen.

Die literarische Vorlage: 18 Kapitel romantischer Liebesroman

So schreibt Ludwig Tieck, von der Schlichtheit der Sprache fasziniert, 1797 seinen Liebesroman „Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence“. Dies ist die bedeutendste literarische Bearbeitung des Stoffes und dazu eine modernisierte Wiederbelebung im Geist der Romantik: Die schöne Magelone hat es Peter, dem Ritter angetan – aber allerlei teils lustig-bizarre Abenteuer, unvorhergesehene Ereignisse halten die beiden vom Happy End ab. Dabei überschlagen sich Ereignisse auch schon einmal, weitet sich die Dramatik in Pathos, folgen Ereignisketten unbeirrt einer absurden, wenn auch – das Ziel fest vor Augen – schlüssigen Dramaturgie.

Tieck liefert mit einer Gliederung, die jedes der 18 Kapitel des Buchs mit einem Lied beendet eine ideale Vorlage für einen Liederzyklus. 15 Kapitel nun hat wiederum Brahms ausgesucht und das op. 33 „Fünfzehn Romanzen, Magelone-Lieder für eine Singstimme und Klavier“ dem Sänger Julius Stockhausen gewidmet. Der führte den Zyklus 1862 erstmals auf. Stockhausen engagierte sich sowieso für die Lieder seines Freundes Brahms stets, war auch bei der Uraufführung des Deutschen Requiem engagiert. Berühmt war er, der als Gesangspädagoge sehr erfolgreich war auch für seine Aufführungen der beiden Schubert’schen Liederzyklen, die Winterreise und die Schöne Müllerin.

Ein spannender mit Abenteuern gespickter Liebesroman

Mit der „Schönen Magelone“ nun gesellte sich in die Liedliteratur ein ganz anders konzipierter Zyklus hinzu als die von Schubert: Hier ist es der Erzähler, der dem Publikum den spannenden Liebesroman erzählt. Der Sänger und der Pianist reflektieren jedes einzelne Kapitel dieser Liebes- und Abenteuergeschichte.

Unglaublich unterschiedliche einzelne Lieder sind so zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt. Welches Schmuckstück in der Liedliteratur die „Schöne Magelone“ wurde sehr schön bei der Aufführung nachvollziehbar, die am 29. September 2017 im Berliner Konzerthaus mit rheinländischer Beteiligung zu sehen war. Auf der Lieder-Seite fanden sich Julian Prégardien, Tenor und Christoph Schnackertz, Klavier – auf der anderen als Erzähler hielt Johannes C. Held, selbst Bariton und Liedsänger mit Leidenschaft die Zuschauer in Bann.

Eine stark erzählte Geschichte

Dass dieser das Stück so tief durchdrungen hatte und sein Vortrag nicht nur bin ins kleinste Detail pointiert war, sondern er während der Lieder den Partnern stets zugeneigt folgte, war ein kluger Schachzug. So hatte es das Publikum leicht, sich vielfältig unterhalten zu fühlen und immer am Ball zu bleiben. Die „Schöne Magelone“ profitierte hier von Helds eigener Erfahrung als Liedsänger, der diese selbstverständliche Nähe zu verdanken ist, die er auf seine Rolle als Erzähler übertrug. Beide vortragende Seiten – Erzähler wie Musiker – blieben so stetig nah an der spannenden Geschichte und lauschten der anderen Partei gebannt, um dann den Ball wieder aufzunehmen.

Brahms‘ pianistische Fundgrube

In den vielen Klangfarben und virtuosen Partien, mit denen Brahms den Pianisten herausfordert, hat Christoph Schnackertz nicht nur virtuos brilliert, sondern es verstanden, das Virtuosentum in den Dienst des Zyklus und somit des künstlerischen Ausdrucks zu stellen. So manche bedeutsame Nebennuance erklang hier – bedeutungsvoll und fein herausziseliert– aber eben nur im Klavier platziert. Wie gerne Schnackertz sich mit solchen komplexen Werken auseinandersetzt, war ihm schon an mancher Vorfreude auf die Herausforderungen des nächsten Stücks anzusehen. Auch die Leyer, die Gitarre und die Zither wurden in das pianistische Klangspektrum eingebunden: Wer im Text folgte, konnte hier stets die Korrespondenzen im Klavier fein eingerichtet finden.

Bewundernswerte sängerische Leistung

Auch der Tenor Julian Prégardien stattete den bunten Blumenstrauß an Liedern mit allen feinsten Facetten aus – hier mit reflektierendem Ton, dort dramatisch, immer den Faden der Geschichte aufgreifend. Obwohl also beschwingt bekamen die Zuhörer die Möglichkeit, sich nicht in der Betrachtung der Geschichte zu verlieren, sondern im retardierenden Lied innezuhalten. Rasant, mit neuem Abenteuer wieder an Fahrt gewinnend, konnten die Zuschauer einer bis zur letzten Note bewundernswerten künstlerischen und sängerischen Leistung folgen.

Ob also besinnliche Reflexion oder so mancher leidenschaftliche Ausbruch – Prégardien fand immer wieder mit großer Selbstverständlichkeit neue Ansätze, den Spannungsbogen schön weiterzutragen. Gestalterisch war es eine große Freude, diesem symbiotischen Liedduo zu lauschen. Der Clou: Das Publikum erfuhr durch die kluge Gestaltung der drei Herren am eigenen Ohr die kompositorische Anlage Brahms‘, unversehens gleich ins nächste Kapitel dieser echten Fortsetzungsserie auf engstem Raum gespült zu werden. Manchmal verharrte daher das Publikum gebannt oder es amüsierte sich zuweilen königlich. Am Ende bedankte es sich bei den Künstlern mit begeistertem Applaus.

Bericht: Sabine Krasemann

© Photos:
Ludwig Tieck, lesend Scherenschnitt von Luise Duttenhofer
Johannes Brahms von Otto Böhler
Galerie: Sabine Krasemann

„Jeder, der die Qualität und das Durchsetzungsvermögen besitzt, wird seinen Platz finden“

„Jeder, der die Qualität und das Durchsetzungsvermögen besitzt, wird seinen Platz finden“

Interview mit der Projektleiterin des Deutschen Musikwettbewerbs Irene Schwalb

Frau Schwalb, Sie sind nun seit drei Jahren Projektleiterin beim Deutschen Musikrat – was hat sich in dieser Zeit verändert?

Wir haben uns bemüht, in den Kategorien etwas zu verändern: wir haben den starren Dreijahresrhythmus aufgehoben und uns an den Absolventenzyklen der Musikhochschulen orientiert. 2018 werden wir erstmalig die Kategorie Lied-Duo und Akkordeon in den Wettbewerb aufnehmen. Außerdem ist mir die individuelle Beratung der Künstler zu Themen wie Selbstmanagement, Karriereplanung und Bühnenmoderation sehr wichtig. Ich freue mich auch darüber, dass wir zahlreiche neue Konzertveranstalter hinzugewinnen konnten, um unseren Preisträgern Auftrittsmöglichkeiten zu bieten.

Sie haben selbst Bratsche studiert und eine Konzertagentur geleitet. Was reizt Sie persönlich an der neuen Kategorie „Lied-Duo“?

Das Lied-Duo ist mir ein Herzensanliegen. Es ist für mich eine der intensivsten Ensembleleistungen, wie sie auch Streichquartette erbringen. Wir haben 250 Veranstalter im Hintergrund, die Stipendiaten und Preisträger fördern. Dadurch haben wir die Möglichkeit, unzählige Liederabende in der gesamten Bundesrepublik ins Leben zu rufen. So nehmen wir auch dem Veranstalter die Hürde, eigenständig Liederabende organisieren zu müssen.

Wie schaffe ich es, ein Netzwerk für ein Duo aufzubauen, ohne dass Sänger und Pianist getrennt gebucht und so auseinandergerissen werden?

Wenn sich ein Duo früh findet, gilt es natürlich, das zu fördern. Bestes Beispiel sind Christian Gerhaher und Gerold Huber. Die beiden bilden ein enges Duo, auch wenn sie mit vielen anderen Künstlern arbeiten könnten. Sie sind einander treu und das ist entscheidend. Ich halte es dennoch für richtig, wenn sich junge Sänger noch nicht fest an einen Pianisten binden, zumal sie selbst noch auf der Suche nach ihrem Weg sind.

Das Lied-Duo ist mir ein Herzensanliegen.

Ich finde es schade, wenn häufig dieselben älteren Pianisten mit aufstrebenden jungen Sängern arbeiten, weil sie diese zu stark in ihrer Eigenständigkeit beeinflussen. Dass ein Duo zusammenbleibt, hängt von vielen äußeren Faktoren ab, ist aber letzten Endes die Entscheidung der Duopartner. Wir als Musikrat können sie dabei unterstützen, indem wir ihnen gemeinsame Konzerte vermitteln.

Es geht dabei auch darum, beständige Karrieren aufzubauen. Besteht Ihrer Ansicht nach die Gefahr, dass der Markt durch die fortwährend steigende Anzahl an Wettbewerben mit neuen Duos überflutet wird? Verdrängt man dadurch bereits bestehende Duo-Formationen?

Nein. Es geht allein darum, Liedkonzerte in die Breite zu erweitern. Ich bin der Überzeugung, dass jeder, der die Qualität und das Durchsetzungsvermögen besitzt, seinen Platz finden wird. Beim Gesang kommt außerdem die natürliche Grenze hinzu. Die Entscheidung darüber, wann man die Gesangskarriere mit zunehmendem Alter beendet und sich neuen Tätigkeitsfeldern zuwendet. Ich glaube, dass da keine Probleme entstehen.

Immer, wenn man etwas wirklich will, wird man sich diesen Weg suchen.

 

Es fällt bereits in den Hochschulen auf, dass der Liedgesang unter den jungen Sängern als Liebhaberei gilt, weil die Möglichkeit, einen Lebensunterhalt zu bestreiten, kaum anders als durch eine Anstellung am Theater besteht. Wie kann ich als Lied-Duo trotzdem über die Studienzeit hinaus aktiv bleiben?

Die Künstler, die das wirklich wollen, tun es. Es ist eine Frage des Entschlusses und der Prioritäten. Auch daher ist es mir wichtig, die jungen Sänger für Vertragsverhandlungen zu coachen. So können sie die Kompetenzen erlangen, ihre eigenen Interessen dem Vertragspartner gegenüber souverän zu vertreten und Bedingungen an das Anstellungsverhältnis stellen. Ich glaube: Immer, wenn man etwas wirklich will, wird man sich diesen Weg suchen. Gerade ein Sänger muss lernen, sich geschickt zu vermarkten – er hat ja auch mehr Zeit dafür als ein Instrumentalist, weil er nicht so viele Stunden am Tag üben kann. Dazu müssen die Hochschulen auch während des Studiums ihren Beitrag durch kompetent geführte Seminare leisten.

Gehen junge Musiker mit einer falschen Vorstellung aus der Hochschule ins Berufsleben?

Klar! Gerade bei den Professoren liegt hier eine große Verantwortung, nah am tatsächlichen Leben zu sein. Das ist schwierig, weil viele Professoren aus früheren Generationen stammen, in denen viele Dinge noch ganz anders abliefen.

Es ist gut zu hören, dass sich der Deutsche Musikrat dieser Problematik bewusst ist und die jungen Künstler dahingehend vorbereitet. Man hört immer wieder von der Sorge, der Liedgesang sei vom Aussterben bedroht. Brauchen wir andere Formate als den des klassischen Liederabends? Brauchen wir neue pädagogische Konzepte, um ein junges Publikum zu begeistern?

Es gibt natürlich die „Lied-Inseln“ wie die Wigmore-Hall oder die Schubertiade in Schwarzenberg oder erfolgreiche Lied-Reihen in Zürich oder Dresden. Das Problem, dass Konzerte abseits dieser Zentren nicht genügend Zuspruch durch die Publikumszahlen erhalten, ist ein Problem der Klassik überhaupt, nicht nur des Kunstliedes. Ich glaube nicht, dass sich das mit neuen pädagogischen Konzepten lösen lässt. Das ist natürlich sehr subjektiv – ich möchte gerne nach wie vor in den klassischen Liederabend gehen.

Ich habe keine Sorge um das Aussterben des Liedes!

 

In kleineren Städten halte ich moderierte Konzerte und abwechslungsreiche Programme, die nicht nur aus großen Zyklen bestehen, aber für eine gute Alternative. Ich habe keine Sorge um das Aussterben des Liedes! Wenn die Konzerte nicht gut verkauft sind, müssen die Sänger auch lernen, mit entsprechend niedrigeren Gagen umzugehen. Das ist bei Instrumentalsolisten und Kammermusik-Ensembles nicht anders.

Gestatten Sie eine provokante Frage: Werden durch immer mehr Wettbewerbe und zu vermittelnde Preisträger dann die Preise nicht noch weiter „kaputt“ gemacht?

Es ist natürlich immer eine Sache von Angebot und Nachfrage. Aber es kann ja auch nicht die Schlussfolgerung sein, zu sagen: Ich mache keine Wettbewerbe mehr, damit keine neuen Musiker auf den Markt kommen. Es wird auch durch Wettbewerbe keine schlagartige Schwemme von Duos geben. Das wird sich verteilen, darüber mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Wenn ich als Veranstalter einen Liederabend organisieren will, dann schaffe ich das auch. Dann muss ich mir Sponsoren organisieren, die den Liederabend oder die Liedreihe unterstützen. Da sitzen Veranstalter, Agent und Künstler alle in einem Boot.

Mich interessiert Ihre Vision – wohin geht es mit dem Kunstlied?

Ich habe das Gefühl, dass wieder mehr neue Liedkompositionen entstehen. Ich glaube, dass sich auch die Sänger zunehmend der Neuen Musik öffnen und sich für das Liedschaffen des 21. Jahrhunderts begeistern. Die Liedpianisten sind dafür schon seit langem sehr sensibel und animieren Komponisten dazu, Lieder zu schreiben. Wenn man mit Komponisten wie Trojahn, Reimann oder Rihm spricht, sagen alle, dass sie das Schreiben von Liedern nicht missen möchten. Ich bin der Überzeugung, dass sich dahingehend viel bewegen wird!

Dessen bin ich mir sicher – und danke Ihnen herzlich für das Gespräch!

Ab 2018 gibt es eine neue Kategorie: Liedduo-Wettbewerb beim Deutschen Musikwettbewerb / BAKJK
des Deutschen Musikrats.

Das Interview führte Eva Nesselrath.

Deutscher Musikwettbewerb / BAKJK des Deutschen Musikrats

„…und morgen wird die Sonne wieder scheinen“

„…und morgen wird die Sonne wieder scheinen“
Eva Trummer und Tobias Koltun mit ernsten und lustigen Liebesliedern

Gut besucht war der Konzertsaal des Rautenstrauch-Joest-Museums zur musikalischen Mittagspause – Voice & Lunch – mit Eva Trummer und Tobias Koltun. Ernste und lustige Liebeslieder standen in dieser halben Stunde auf dem Programm, wobei die beiden Musiker das Publikum zunächst in die Welt der Oper entführten. Sehnsüchtig erklang die Arie „Voi che sapete“ des verliebten Cherubino aus Mozarts „Le Nozze di Figaro“. Von anderer Farbe war die folgende Arie der Rosina („Una voce poco fa“) aus Rossinis „Der Barbier von Sevilla“. Das Stück einer durchaus selbstbewussten und auch etwas listigen Frau setzten Trummer und Koltun geschickt um, wobei Trummers szenisches Handeln dies noch verstärkte.

Zwischen Oper und spätromantischem Kunstlied

In eine ganz andere Epoche, ein ganz anderes Genre und in ganz andere Gefühlswelten entführten die beiden Musiker im weiteren Verlauf mit Liedern von Gustav Mahler und Richard Strauss. Wie bereits zu Beginn erläuterte Tobias Koltun vorab interessant und informativ die Lieder, ihre Bedeutung und ihre Entstehung. Herzergreifend setzten Eva Trummer und er das – in ihren Augen – traurigste Liebeslied um, Mahlers „Wo die schönen Trompeten blasen“. Anrührend gelang die Umsetzung des perfekt aufeinander eingespielten Duos, ein wenig Trost erfuhr man in Richard Strauss‘ „Allerseelen“. Nach dem schweren Abschied und dem Totengedenken wurde es recht heiter mit Mahlers „Wer hat dies Liedlein erdacht“, das – dramaturgisch geschickt – Musiker und Publikum ein wenig aufatmen ließ.

Richard Strauss‘ Lieder als Beispiel für Zusammenarbeit des Liedduos

Ein Paradebeispiel für die ganz besondere Zusammenarbeit zwischen Sänger und Liedpianist sind die Werke Richard Strauss, was laut Koltun in seinen Lebensumständen begründet war: Strauss‘ Frau war selber Sängerin und sie musizierten in der Regel gemeinsam. Ihr hatte er also seine Lieder auf den Leib geschrieben (was wiederum ein schöner Hinweis bei einem Liebeslieder-Konzert ist). Nach der Geburt der Kinder, nachdem sie also ihre Karriere beendet und sich auf Familie und Haushalt konzentriert hatte, schrieb der Komponist keine Lieder mehr. Mit „Nacht“ und „Morgen“ aus seiner Feder endete die wunderbare musikalische Mittagspause mit Eva Trummer und Tobias Koltun, die für eine Zeitlang den Alltag ausgeblendet hatte.

Ein Bericht von Verena Düren
Photos von Verena Düren

„Nun da Schatten niedergleiten“

„Nun da Schatten niedergleiten“

Lied-Matinee zum Tag des Offenen Denkmals

Der Tag des Offenen Denkmals am 10. September bot die nächste Gelegenheit für eine weitere Kooperation zwischen dem Förderverein Bahnhof Belvedere und der Liedwelt Rheinland, nachdem bereits im August mit den „Liedern in Bildern“ die ersten Konzerte dort stattgefunden hatten – mit so großem Erfolg, dass die Veranstalter sich recht kurzfristig zu einer weiteren zeitnahen Zusammenarbeit entschlossen. An dem sonnigen Vormittag begrüßte der Vorsitzende des Fördervereins, Sebastian Engelhardt, das interessierte Publikum zu einem ganz besonderen Hörgenuss, der perfekt in das Anliegen des Fördervereins passte, den Bahnhof in langwieriger Arbeit der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen und nun auch für kulturelle Zwecke zu nutzen.

Salonmusik im besten Sinne

Das architektonische Kleinod wurde 1839 gebaut – was würde da musikalisch besser passen als eine Matinee mit Werken Franz Schuberts? Auch aus Sicht der Aufführungspraxis stimmte an dem Tag alles: Schuberts Lieder und Klavierwerke entstanden eher für private Räume und Gelegenheiten, womit der Bahnhof Belvedere an diesem Vormittag genau den richtigen Rahmen bot. Als Musiker hatte man den Bariton Thilo Dahlmann sowie den Pianisten Alexander Puliaev gewinnen können. Letzterer konnte zu diesem Anlass ein Hammerklavier nutzen – also auch hier stand alles im Zeichen des 19. Jahrhunderts.

Von Natur und Fabelwesen

Dahlmann und Puliaev erwiesen sich als ausgesprochen gut eingespieltes Duo in jeder Hinsicht. Ein besonderer Reiz war in der Tat der besondere Klang durch das Hammerklavier – ein wirklich rarer Genuss! Die beiden Musiker hatten zu diesem Anlass eine wunderbare Auswahl an Liedern zwischen Naturbeschreibungen, stimmungsvollen Liedern zur Nacht und Geschichten um mythische Gestalten zusammengestellt. Mal wunderbar lyrisch, dann wieder erzählerisch und gar dramatisch gelang Dahlmanns Umsetzung. Die Konzentration auf das Liedschaffen eines der wichtigsten Liedkomponisten war klug überlegt und Genuss pur. Ergänzt wurde der Blick in den Lied-Kosmos Franz Schuberts um drei Klavierstücke D 946, in denen Puliaev brillierte und man den vollen Klang des Hammerklaviers genießen konnte. Ein ausgesprochen schöner Einstieg in den Tag des Offenen Denkmals, an dem in bester Hausmusik-Manier zum Verweilen und Entdecken dieses besonderen Ortes eingeladen war.

Ein Bericht von Verena Düren.