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Martin Lindsay

Martin Lindsay

Es gibt für mich keine schönere Form des Musizierens – des Kommunizierens  – als das Lied! Die vielfältige Bandbreite der Literatur und die fast unzähligen daraus entstehenden Zusammenstellungen sind faszinierend. Die Stücke mit einem Begleiter musikalisch und emotional aufzuschließen – oder es zu versuchen! – ist ein großes Privileg!

Der Brite Martin Lindsay studierte an der Guildhall School of Music & Drama in London, der Britten-Pears School (u.a. bei Hans Hotter, Suzanne Danco und Hugues Cuénod), und am Banff Centre in Kanada.

Als Spezialist für Neue Musik hat er bei zahlreichen Erstaufführungen mitgewirkt [zB. Beat Furrer – „…für Stimme allein“ (Oper Bonn/Konzerthaus Wien); Gerhard Winkler – „Heptameron“ (Münchener Biennale); Peter Maxwell Davies – „Mr. Emmet takes a walk“ (deutsche Erstaufführung); Christian Utz – „Zersplitterung“ (EarPort Duisburg)]. Im Wiener Musikverein hat er den Liedzyklus „Umsungen“ von Wolfgang Rihm mit dem Ensemble Recherche gesungen.

Ein ständige Wegbegleiter in seiner Laufbahn ist auch die Rolle von George III in Peter Maxwell Davies‘ „Eight Songs for a Mad King“ gewesen. Er hat sie in vielen europäischen Städten mit dem Ensemble Recherche (zB. Venedig [Teatro la Fenice], Wien [Wien Modern], Paris [Radio France], Frankfurt [Hessischer Rundfunk], Krakau [Sacrum & Profanum Festival]), und in Israel mit den Israel Contemporary Players gesungen. Im Oktober 2007 sang er das Stück mit dem Notabu Ensemble in der Düsseldorfer Tonhalle.

Im September 2006 sang er die Uraufführung von Gerhard Stäbler’s ‘Nachmittagssonne’ in Seoul, Süd Korea, und im Oktober 2009 sang der Bariton in 2 Porträt-Konzerten in der Düsseldorfer Tonhalle und mit den Duisburger Philharmonikern zu Stäblers 60. Geburtstag.

Einen besonderen Platz in seiner Tätigkeit hat auch das Lied, sei es in der herkömmlichen Form des Liederabends oder in der freieren Form einer Performance. So gestaltete er im Februar 2012 beim Opening! Festival in Trier ein Solo-Programm „Aria“ mit a cappella Werken von Berio, Cage, Furrer und Aperghis, und im Februar 2017 das Programm ‚Aus voller Brust‘ mit der Mezzosopranistin Linda Hirst ebenfalls in Trier.

Nebst Programme auf Texte von Goethe und Schiller singt der Bariton mit seiner Pianistin Elnara Ismailova im April 2018 ein Programm von Shakespeare-Vertonungen: ‚All the World’s a Stage‘.

Seit 1999 lebt Martin Lindsay in Köln, wo er auch als Dozent an der Kölner Musikhochschule tätig ist.

Photo: Peter Czajkowski

Der Text muss zum eigenen Erleben werden – Gespräch mit Andreas Durban

Der Text muss zum eigenen Erleben werden – Gespräch mit Andreas Durban

Herr Durban, Sie sind eigentlich von Haus aus Schauspieler. Insofern stellt sich bei Ihnen noch einmal mehr die Frage, wie Sie zum Lied gekommen sind. Können Sie uns ein wenig Ihren Werdegang schildern?

Mein Vater ist Schauspieler und ich wurde von ihm schon sehr früh auch in die Richtung des Darstellerischen gelenkt, obwohl ich eigentlich schon auch sehr gerne Musiker geworden wäre. Ich erhielt mit 17 Jahren den ersten Sprechunterricht bei ihm und wurde geradezu auf den Beruf des Schauspielers fokussiert. Also entschied ich mich relativ früh zu einem künstlerischen Beruf und befand mich bereits mit 22 Jahren in meinem ersten Engagement.

Der Lied-Mix: Schauspiel, Literatur und Psychologie – Regie und Coaching

Von da an kann man eigentlich von einem typischen Werdegang des Schauspielers sprechen, mit einem ersten Engagement an einer Landesbühne bishin Engagements am Schauspiel Bonn und am Staatstheater Wiesbaden. Parallel habe ich aber immer auch Musik gemacht und Saxophon und Klarinette gespielt. Und auch das Klavier war immer präsent in meinem Leben. 1998 hat mich quasi das Lied zur Hochschule für Musik und Tanz Köln geführt, wo ich seitdem als Dozent für Arien- und Liedgestaltung mit den Studierenden der Gesangsklassen schauspielerisch tätig bin. Seit einigen Jahren produziere ich gemeinsam mit den Komponisten Henrik Albrecht und Michael Gerihsen im Rahmen der Literatur-Oper Köln zeitgenössische Opern, die sich an dem Genre der Literaturoper orientieren. Das beginnt mit dem Schreiben eines Librettos bis hin zu Regie und Coaching. Seit 2012 sind wir mit der Literatur-Oper verstärkt auch pädagogisch unterwegs und setzen Projekte auch mit Jugendlichen um, wobei Themen aus ihrem Alltag aufgegriffen werden. Ein Beispiel dafür ist die Produktion „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“. Literarische und reale Fälle von Mobbing in Schulklassen wurden hier gegenüber gestellt. Die pädagogische Arbeit hat mich zu meinem zweiten Studium geführt, zur Psychologie. Ich habe für mich gemerkt, dass ich diese pädagogische Arbeit nicht wirklich gut und tiefgehend machen kann ohne das nötige Rüstzeug im Sinne einer pädagogischen oder psychologischen Ausbildung. Es gibt dabei natürlich auch gewisse Synergien und so beschäftige ich mich in meiner Masterarbeit zur Zeit mit einer Evaluation des Liedbereichs an der Hochschule.

Es ist natürlich völlig klar, dass Sänger, die auf der Opernbühne stehen, auch schauspielerisch geschult sein müssen. Beim Lied ist das jedoch nicht ganz so offensichtlich. Wozu brauchen Liedsänger also Ihr Coaching?

Sobald ein Sprechakt stattfindet, ist auch immer die Psychologie dabei. Das gilt sowohl für die Oper als auch für das Lied; ja, eigentlich für alle Formen, die Musik und Text verbinden. Es geht darum, den Studierenden auch die Metaebene der Texte zu vermitteln.

Wer bin ich, wenn ich auf der Bühne stehe?

In den letzten zwanzig Jahren war es immer wieder ausdrücklicher Wunsch der Studierenden, auch im Kontext der Liedinterpretation in diesem Sinne Unterstützung zu erhalten. Denn auch hierbei geht es um die Frage: „Wer bin ich, wenn ich auf der Bühne stehe?“ Und diese Frage lässt sich beim Lied nicht so leicht beantworten wie in der Oper, in der man für einen ganzen Abend in eine bestimmte Rolle schlüpft.

Wie muss man sich das vorstellen – welche Art von schauspielerischem Können ist bei Liedsängern nötig?

Es geht vor allem um Textverständnis und die Schnittstelle von Text und Musik. Die Phrasen im Lied sind oft sehr gedehnt, so dass das Textverständnis auf so einer langen Strecke auch schon mal verloren gehen kann. Und die poetischen Werke, beispielsweise der Romantik, sind in der Regel sehr komplex in ihren Bedeutungsebenen. Auch wenn ein Komponist einen nicht so begnadeten Dichter auswählte, kann man als Interpret durch ein differenziertes Interpretationskonzept dem Werk die nötige Spontaneität und Unmittelbarkeit verleihen.

Wie muss ich mir Ihre Arbeit mit den Studierenden konkret vorstellen?

Meine Arbeit besteht vor allem, dem Interpreten zu ermöglichen, seine persönlichen Emotionen und Gedanken in seiner Interpretation zu verwirklichen. Dabei arbeite ich mit Assoziationen, auch mit der eigenen Biographie des Interpreten – das ist ein sehr interessanter Prozess. Es gibt psychologische Studien, die nachweisen: Man kann sich an Erlebnisse erinnern, die man selber gar nicht erlebt hat. Hier liefert uns unsere Psyche einen Ansatzpunkt, den wir als Darsteller nutzen können. Das ist ja auch übliche Praxis für Schauspieler, die glaubhaft Situationen darstellen müssen, die sie selber noch nie erlebt haben – und vielleicht auch nie erleben werden. Insofern fordere ich meine Studierenden immer dazu auf, sich so lange einem Text auszusetzen, bis er schließlich zum eigenen Erleben wird.

Bei dem nächsten Konzert von „Im Zentrum Lied“ am 24. Januar 2018 sind Sie als Erzähler zu erleben, waren aber auch der Liedprogrammkurator. Wie sind Sie auf den Titel „Schäferstündchen“ gekommen und was hat das Publikum zu erwarten?

Ein gutes Konzept und eine Dramaturgie für einen Liederabend zu entwickeln bedeutet stets, dass es zwar auch in diesem Kontext eine Bühne, einen Auftritt gibt , es aber kaum etwas Untheatralischeres gibt als einen Liederabend. Ein Liederabend gleicht im Gegensatz zur Oper doch eben sehr der klassischen Konzertsituation. Das Thema „Schäferstündchen“ ist da ein sehr dankbares, denn das Schäferstündchen im Barock hat immer auch mit einem Rollenspiel zu tun: Geliebte, die sich verkleiden, um nicht erkannt zu werden, Adelige, die sich in das Kostüm des Schäfer hüllen. Nicht selten sind auch mythologische Figuren im Spiel, sie sich zum Schäferstündlichen mit einer Sterblichen treffen.

Mit Spiel im Spiel kommt Theatralisches in den Liederabend

Dieses Spiel im Spiel bringt so in den Liederabend etwas Theatralisches. Hinzu kommt die große Fülle der bukolischen Dichtung, die von der Antike bis zur Neuzeit geht sowie der zahlreichen Vertonungen – eine große Bandbreite von Lied über die Operette bis hin zu zeitgenössischer Musik. Durch alle Kunstgattungen zieht sich die Schäferdichtung – viele Dichter und Komponisten haben dieses Topos benutzt!

Verbunden mit der Idee des Schäferstündchens sind auch Gegensatzpaare wie Welt und Paradies, Winter und Frühling, die Stadt und die ländliche Idylle, die wiederum auch oft in der Dichtung zu finden sind. Und nicht zuletzt ist das Schäferstündchen als Begriff jedem bekannt, so dass auch das Publikum sofort einen roten Faden erkennt.

Das Interview führte Verena Düren.

Zum Konzert Schäferstündchen am 24.01.2018

„Die ganze Welt der Schmerzen muss ich tragen“

„Die ganze Welt der Schmerzen muss ich tragen“

Ein Liederabend der Zerbrechlichkeit mit Mark Padmore, Tenor und Andrew West, Klavier

Am 10. Januar 2018 war in der Kölner Philharmonie ein ganz besonderer Liederabend: Das Duo Mark Padmore / Andrew West musizierte eine fein verwobene oft melancholische Reise durch subtile Welten. Konzeptionell bot sich mit den drei Komponisten Schubert, Britten und Birtwistle eine hochwertige Lieder-Auswahl, die zahlreiche Rück- und Querverweise und rote Fäden bot.

Begonnen wurde ganz klassisch: Der zusammengestellte Zyklus der sechs Schubert-Lieder griff auf Werke zurück, die auf das Alte Griechenland reflektieren. Wir befinden uns in der Auseinandersetzung mit den Grundkonflikten des Menschseins: Wasser als Sinnbild des von Stürmen bewegten Lebens, die Leier, die nicht vom Krieg, nur von der Liebe sprechen mag.

filligran und herantastend

Dieses erste, filligrane und zurückhaltende Herantasten an die abendliche Thematik wurde lediglich durch klug gesetzte forcierte Akzente durchbrochen. So erklang Padmores „Ganymed“ in verhaltenem Duktus, leise und recht langsam, bot eher Innigkeit als ungeduldigen Sturm und Drang. Solche auch zwischen den Liedern korrespondierenden Vernetzungen fanden sich auch im klugen Korrespondieren des Klavierpartners West, der aus dem Klavierpart heraus oft für ein konsequentes Voranbringen der musikalischen Entwicklung sorgte. Eine künstlerische Entscheidung, die am Ende der sechs Schubert-Lieder Platz schuf für überraschende kurze Ausblicke in die „Schöne Welt“ Mahlers, wobei dies doch gleich wieder in der Schubert’schen Liedwelt verankert wurde. So fand der erste Teil des Abends mit „Die Götter Griechenlands“ eine in vielerlei Hinsicht schlüssige Offenheit in den Fortgang des Abends.

künstlerisch überzeugende Einheit

Mit den sechs Hölderlin-Fragmenten von Benjamin Britten erhielt der Abend eine vielfach stimmige, künstlerisch überzeugende Einheit. Nicht nur bietet der von Britten vertonte deutsche Text einen kongenialen Übergang zwischen Schubert (deutscher Komponist/deutsche Texte) und Birtwistle (englisch/englisch), auch musikalisch wurden von Padmore und West zahlreiche Bezüge hier und dort herausgestellt. Zentral im mittleren Stück: Das rezitativähnliche Lied „Sokrates und Alcibiades“ sorgt für ein retardierendes Moment, fasst die Kargheit, die im Birtwistle-Zyklus folgt, auf wenigen Zeilen antizipierend zusammen. Die gekonnte Farbigkeit, opernhafte plastische Momente und das geschickte Verwenden bekannter musikalischer Topoi, wie sie für Britten typisch sind, rundeten die Spannungsbögen der Lieder ab. Die Subtilität mündet am Ende des Zyklus‘ offen – was der folgende Liederzyklus schlüssigerweise aufgriff:

Konsequent mutig verbleibt auch im dritten Zyklus die verhaltene, zarte und intime Gestik als Grundanlage von Padmores Liedgestaltung, sekundiert von dem zarten und durchsichtigen Klavierspiel Wests. So entsteht eine wunderschöne Korrespondenz zwischen Sänger und Pianist. In der klanglichen Leere des Birtwistle-Zyklus verbleibt dem Zuhörer so viel Raum und Besinnung für eigene Reflexion. Auch auf die griechische Mythologie wird zurückgegriffen wie auf die ausgiebige Verwendung von Natursymbolen in oft irreal anmutenden Bildern.

Verwobenheit auf engstem Raum

Die künstlerisch überzeugende Konzeption zeugte davon, wie intensiv beide Künstler sich mit der so menschlichen Thematik des Scheiterns und Ringens, des Suchens beschäftigt haben, haben sie doch anlässlich des 100. Geburtstags von Benjamin Britten den Birtwistle-Zyklus 2013 uraufgeführt. Gut zu hören war in der Anlage der Lieder, dass der kompositorische Prozess von der unmittelbaren Wechselwirkung zwischen Text und Musik profitierte: mit der Komposition war auch die Dichtung erst entstanden. Dies verlieh dem Zyklus eine besonders starke innere Verwobenheit auf engstem Raum in den Liedern selbst, in der Korrespondenz zwischen einzelnen Tönen und Silben, die manches Mal fast die Musik zum Stillstand und den Text zum Schweigen brachten. Am Ende überlässt die Intensivität, die dichte Symbolik den Zuhörer beim einmaligen Erleben mit einer erahnten Tiefe, die sich nur in der weiteren Auseinandersetzung mit dem Werk wirklich erschließen lässt.

Dramaturgisch konsequent gaben Padmore und West den Schubert’schen „Atlas“ als Zugabe: „Die ganze Welt der Schmerzen muss ich tragen.“

Text: Sabine Krasemann
Photo: Kölner Philharmonie

Für mich ist so ein Liederabend immer wieder eine Art Therapie – Gespräch mit Christoph Prégardien

Für mich ist so ein Liederabend immer wieder eine Art Therapie – Im Gespräch mit Christoph Prégardien

Herr Prégardien, Sie geben etwa 40 Liederabende im Jahr, dazu haben Sie diverse Konzertverpflichtungen und sind Professor für Gesang an der HfMT Köln. Wie gehen Sie mit diesem Stress um, insbesondere am Abend eines Konzertes?

Ich habe immer versucht, mich nicht in Watte zu packen und möglichst normal mit dem Beruf umzugehen. Es gibt Sänger, die zwei Tage vor dem Konzert nicht mehr sprechen, oder die gewisse Rituale brauchen, um sich sicher zu fühlen. Ich halte das für falsch. Meiner Meinung nach muss man so normal wie möglich mit dem eigenen Körper umgehen.

Natürlich muss man auch lernen, seine Grenzen auszuloten und zu erkennen, was man verträgt und was nicht. Aber wenn man sich Rituale aneignet, entwickelt man auch einen gewissen psychischen Druck. Wenn diese Rituale dann nicht wie geplant laufen, denkt man, man könnte am nächsten Tag nicht singen, und entwickelt daraus nur noch mehr Stress.

Haben Sie den Eindruck, dass Sängerkarrieren heutzutage anders verlaufen als zu der Zeit, als Sie Ihre Karriere begannen?

Ja, durchaus. Die Karrieren verlaufen heutzutage meist viel schneller. Ich kann das bei meinem Sohn Julian sehen: Er hat in den ersten sechs Jahren seiner Karriere das erreicht, was bei mir 15 Jahre gedauert hat. Ich finde es toll, wie er diese schnellen Karriereschritte verarbeiten kann, aber für mich wäre diese Geschwindigkeit nichts gewesen.

Wenn man mit 25 Jahren mit den berühmtesten und einflussreichsten Dirigenten singen darf, dann ist das sowohl ein Dürfen als auch ein Müssen. Man steht ja dabei in einer großen Verantwortung, die Erwartungen der Leute zu erfüllen. Mir hat es gut getan, dass ich Zeit hatte, jeden Schritt meiner Karriere zu verarbeiten. Ich konnte meine Konzertkarriere langsam aufbauen, konnte mit Konzerten in kleinen Kirchen und in kleinen Orten anfangen, und so in den Musikbetrieb hineinwachsen.

Welche Gefahren birgt der Musikbetrieb Ihrer Meinung nach für junge Sänger?

Ich beobachte seit einiger Zeit, dass es Leute gibt, die sehr schnell aufsteigen, aber genauso schnell wieder fallen, und dann meist sehr tief. Junge Sänger werden über einen gewissen Zeitraum von Agenturen, Veranstaltern und Opernhäusern ausgenutzt, und werden beim ersten Zeichen einer Krise fallen gelassen.

Hinzu kommt dieser Jugendwahn – dass man heute als leichter Sopran mit dreiundzwanzig Jahren schon fertig auf der Bühne stehen muss – das bringt die Leute unheimlich in Zugzwang.

Früher wurden die Sänger in den Opernensembles langsam aufgebaut, und es war auch normal, dass Karrieren dreißig, vierzig Jahre dauerten. Heute habe ich das Gefühl, dass es eine schier unendliche Quelle an Shootingstars gibt, die beliebig ersetzbar sind, und man hört schnell nichts mehr von vielen, die gerade einmal Mitte dreißig sind.

Ein Fußballer mag vielleicht zu Beginn seiner Karriere einkalkulieren, dass mit Mitte dreißig die Karriere vorbei ist. Als Sänger finde ich aber, dass es wünschenswert ist, die Stimme und den Körper so zu behandeln, dass man auch mit sechzig Jahren noch auf der Bühne stehen kann. Natürlich gehören gute Gene und ein gewisses Glück dazu, aber es ist auch in einem bestimmten Maße planbar.

Wie kommt es, dass junge Leute heutzutage gerne auf Pop- oder Rockkonzerte gehen, weniger aber in klassische Konzerte?

Man sagt ja, dass das Konzertpublikum in der klassischen Musik generell ausstirbt. Ich muss aber ganz ehrlich sagen: Schon zu Beginn meiner Karriere saßen viele grauhaarige Leute im Publikum. Das ist jetzt immer noch so – aber es sind natürlich andere Grauhaarige!

Ich glaube einfach, dass es irgendwann im menschlichen Leben Perioden gibt, wo man Zerstreuung auf einer anderen Ebene sucht. Vielleicht möchte man sich auch mit dem Alter etwas mehr öffnen für eine intellektuell und emotional herausfordernde Zerstreuung. Junge Leute in ihren Zwanzigern oder frühen Dreißigern sind im Gegensatz dazu noch mit ganz anderen Dingen beschäftigt: Sie wollen sich eine Karriere aufbauen und eine Familie gründen.

Diese Tendenz sehe ich übrigens auch bei meinen älteren Kindern, die jetzt erst anfangen, ein genuines Interesse an den hohen Künsten zu entwickeln. Aber ich halte es für durchaus wichtig, dass das Interesse an der Kunst schon im Kindesalter gesät wird, damit es später wieder aufkeimen kann.

Sehen Sie da in der frühen schulischen Erziehung Handlungsbedarf?

Auf jeden Fall! Leider werden die künstlerischen Fächer in der schulischen Ausbildung ja zunehmend stiefmütterlich behandelt. Das halte ich für sehr falsch. Denn um was geht es in der schulischen Ausbildung? Um die Frage, wie wir zu dem geworden sind, was wir heute sind. Durch das Verständnis dessen, was gewesen ist, sollen wir in die Lage versetzt werden, unsere Zukunft zu gestalten.

Zu dieser Entwicklung gehört eben auch die Kunst. Die Menschen haben sich ja nicht Kunstwerke einfallen lassen, weil sie ansonsten nichts zu tun hatten. Ganz im Gegenteil: Die Kunst hat dem Leben erst einen Sinn gegeben. Ich glaube deshalb, dass es zutiefst menschlich ist, nicht nur in materiellen Dingen zu denken, sondern zu versuchen, sich das Leben auch mit anderen Dingen zu verschönern.

Herr Prégardien, Sie haben sich insbesondere als Liedsänger einen Namen gemacht. Was bedeutet die Gattung des Liedes für Sie, und was unterscheidet einen Liederabend von einem Konzertabend?

Jedes Lied ist wie ein Schauspiel oder eine Oper im Kleinen. Als Interpret ist man gefordert, in sehr kurzer Zeit eine Atmosphäre zu schaffen, die den Inhalt des Stückes dem Publikum nahe bringt. Wenn ich einen Liederabend singe, der aus fünfundzwanzig Liedern besteht, dann muss ich eben genau so viele Situationen und Stimmungen darstellen: Mit meinem Körper, mit meiner Seele, meiner Stimme, meinen Augen, meinen Händen. Das finde ich unheimlich faszinierend!

Auf einen Liederabend muss ich mich als Sänger auch ganz anders vorbereiten, als auf einen Opern- oder Konzertabend. Beim Lied ist man sein eigener Herr auf dem Podium, man kann oft seine eigenen Programme zusammenstellen, und das ist natürlich eine sehr schöne und kreative Arbeit.

Die Faszination für das Lied scheint sich bei den meisten Musikern durchzusetzen, weniger aber beim Publikum. Weshalb sind Liederabende schlechter besucht als beispielsweise Opernaufführungen?

Einerseits hat ein Abend in der Oper oder in der Philharmonie natürlich den Event-Charakter: Man macht man sich schick, der Herr kann seine neue Krawatte ausführen oder die Dame ihr neues Kleid. Bei Kammermusikkonzerten ist das anders, die sind viel intimer und kleiner.

Andererseits kann man einen Liederabend auch nicht einfach so konsumieren. Als Zuhörer ist man gefragt, sich selbst einzubringen, denn man muss den Text verstehen wollen und sich intellektuell auf die Interpretation des Sängers einlassen können.

Oft gehen die Leute so gerne in die Oper, weil man dort so tolle Melodien hören kann. Bei vertonten Gedichten, also Liedern, kann man nicht nur die Musik auf sich wirken lassen; die Musik hat hier keinen Selbstzweck, sondern dient der Verdeutlichung und Emotionalisierung der sprachlichen Ebene. Das erfordert natürlich Konzentration seitens des Zuhörers.

Was würden Sie also jemandem entgegnen, der zwar Klassik-Fan ist, aber noch nie in einem Liederabend war?

Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Leute die Gattung des Liedes nicht mehr loslassen wird, wenn sie sich nur einmal darauf einlassen. Für mich ist so ein Liederabend immer wieder eine Art Therapie: Er führt dazu, dass ich zu mir selbst und zu meinen tiefsten Emotionen einen Weg finde.

Vielen Zuhörern geht es auch so: Oft kommen Leute danach zu mir und sagen, sie hätten weinen müssen. Aber es ist ja nicht so, dass ein konkretes Ereignis sie in dem Moment traurig gemacht hätte. Im Gegenteil, vielmehr löst sich durch das Zuhören etwas, und den Leuten geht es danach besser als zuvor!

In guten Liederabenden gibt es Momente, wo es im Raum absolut still ist, so dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Die Leute sind still, weil sie lauschen, ja besser noch: Weil sie in sich selbst hinein lauschen. Diese Gruppendynamik, die innerhalb dieses Lauschens entsteht, ist für mich einfach unglaublich.

Das Lied hat diese Kraft, da es uns einerseits intellektuell durch den Text stimuliert, andererseits durch dasjenige Instrument dargeboten wird, welches am nächsten an der Seele sitzt: Die menschliche Stimme. Wenn man also für die Liedgattung offen ist, dann wird man an so einem Abend berührt, da bin ich mir ganz sicher.

Das Interview führte Alice Lackner.

Han-Young Yoo

Han-Young Yoo

„Die Sänger singen durch den Mund, ich singe mit den Händen“

Warum ich Lied begleite

„Wenn ich über den Flügel schaue und den Sänger sehe, den ich begleite, kann ich die musikalische Einheit fühlen. Das ist ein ganz anderes Gefühl, als wenn ich als Solopianistin auftrete.“

„Ich nehme den Atem, die Blicke des anderen wahr. So entsteht eine nonverbale aber umso intensivere musikalische Konversation. Die Sänger singen durch den Mund, ich singe mit den Händen. Ich stelle eine Frage und erhalte eine Antwort, der Sänger stellt eine Frage und ich gebe eine Antwort. Gemeinsam schenken wir dem Publikum eine schöne Geschichte. Sie ist auf den Flügeln des Gesangs getragen, wie es das Lied von Mendelssohn so treffend beschreibt.“

Biographie

Hanyoung Yoo schloss ihr Studium für Soloklavier an der Ewha–Women-University in Seoul mit einem Bachelor of Musik ab.

Sie studierte Soloklavier an der Hochschule „Folkwang Universität der Künste“ bei Prof. Ludwig Maxein. Nach Ihrer Diplomprüfung 2002 schloss sie 2004 an der „Musikhochschule Maastricht“ bei Prof. Joob Celis ein Aufbaustudium mit der Bestbenotung ab. Danach erlangte Hanyoung Yoo 2007 an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und bei Prof. Jürgen Glauß das Konzert-Examen für Liedbegleitung.

Neben dem Studium besuchte sie Meisterkurse des Mozarteums in Salzburg sowie bei Peter Feuchtwanger in Bonn. Zudem erlangte sie ein Diplom an der Donizetti-Akademie in Milano.

Sie gewann zahlreiche Preise in Seoul und während des  internationalen Liedwettbewerbs in der Hochschule für Musik und Tanz Köln, wo sie für die beste pianistische Leistung ausgezeichnet wurde. Seit 2009 arbeitet sie als Dozentin für Korrepetition an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Hanyoung Yoo trat mit Solokonzerten wie auch als Liedbegleiterin und Kammermusikerin in Erscheinung.

Sie gibt zahlreiche Konzerte in Deutschland, Italien und Korea.

Vor kurzem trat sie innerhalb des Musik-Sommer-Festivals „Cervo“ in Italien  auf.

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Michael Gees – Wie klingt die Welt?

Michael Gees – Wie klingt die Welt?

Herr Gees, Sie beschäftigen sich viel mit extemporierter Musik. Damit sind Sie in der Klassik-Welt einer unter Wenigen. Weshalb ist das so? Warum scheuen sich die Leute vor Improvisation, und warum ist die klassische Musik so streng strukturiert?

Ich glaube, wir haben uns angewöhnt, unserer menschlichen Evolution zu misstrauen. Wir können uns unsere positive Wirksamkeit nicht vorstellen. Dabei erzeugt alles, was wir denken und tun, Resonanz, Zweckmäßiges und natürlich auch Unnützes. Es wirkt sich vielleicht nur homöopathisch aus, wenn ich meinen kleinen Finger krümme, aber es wirkt, auch in Bangladesch.

Wenn wir nun mit der Bequemlichkeit brechen, nichts bewirken zu können, dann sind wir auf einer Mission. Dann sind wir es, die – was auch immer – veranlasst haben und verantworten müssen. Stellten wir uns beispielsweise der ‚klassischen‘ Musik auch als einer Herausforderung an unsere Phantasie, stünden wir plötzlich in schöpferischer Verantwortung, gleich den bewunderten Heroen der Klassik. Und das macht uns Angst. Es ist eigenartig, dass wir uns die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zutrauen, aber skeptisch bleiben in Bezug auf die Frage, ob wir die geistige Höhe Beethovens erreichen geschweige denn übertreffen könnten.

Wie funktioniert Improvisation bei Ihnen? Haben Sie ein gewisses Konzept, nach dem Sie improvisieren, oder ist es ein völlig freier Prozess?

Hätte ich ein Konzept, wär’s keine Improvisation. Andererseits gibt es für die gewissermaßen gebundenen Improvisationen meiner auf CD erschienenen Soloprogramme Vorbilder, wie etwa das ‚Cantare supra librum‘, eine in der Renaissance gebräuchliche Praxis des ‚Singens über dem Buch‘. Dabei wurden die Nebenstimmen zu einem gegebenen Cantus firmus spontan hinzuerfunden. Die Sänger anverwandelten sich auf diese Weise an das, was sie sangen, sie machten es zu ihrer eigenen Sache. Und darum geht es mir ja auch: zu werden wie das, was ich spiele.

Da ist zunächst einmal nichts.

Völlig frei, zumindest zu Beginn, ist Improvisation, wenn niemand im Saal weiß, was jetzt klingen will. Und wenn wir zum wissenden Feld werden, eben weil wir nichts wissen. Wenn ich wähle, was ich hören will. Und die Mitwirkenden, die wir ganz fälschlich „Publikum“ nennen, fassen das Gehörte individuell auf. Wenn wir also die Improvisation gemeinsam entwickeln, aus Gegenseitigkeit und Verständnis. Wenn etwas entsteht, worauf niemand von uns allein gekommen wäre, was zuvor niemand hätte wissen können: das ist freie Improvisation.

In vielerlei Hinsicht ist kein Unterschied zum Komponieren: da ist zunächst einmal nichts. Und dann die Wahrnehmung, dass das Nichts nicht nichts ist. Sondern belebt ist, voller Tongestalten. Und, kaum, dass eine Idee über die Schwelle tritt, Gestalt annimmt und hörbar wird, es gleich wieder aus ist mit der „völligen“, ungebundenen Freiheit. Es ist sehr erstaunlich, was alles nicht mehr geht, nachdem die ersten Töne aufgeklungen sind. Wie die Idee zur Spielregel wird, nach der sich alles Weitere richtet. Wie beispielsweise ein Text so etwas wie eine Wegweisung ist. Wie durchaus nicht alles geht, wenn ich gemeinsam mit Kollegen einen Text vertone, ein Lied erfinde.

Wie kann man sich diese Weisung vorstellen, die ein Text Ihnen vorgibt?

Der Text weiß, wie er vorgetragen werden will. Jedes Gedicht hat seine Melodie, wie überhaupt alles Lebendige eine Musik hat. Gedanken pulsieren in die physische Welt hinein und resonieren als Musik. Umgekehrt resoniert Musik in der geistigen Welt als Gedanke. So können Wort und Musik synästhetisch wechselwirken. Liedkomponisten resonieren natürlich auf ihre eigene Art mit dem Text. Sonst wären ja alle Vertonungen einander gleich oder ähnlich. Aber völlig verschieden sind sie eben auch nicht. An textgleichen Vertonungen lässt sich gut studieren, wie die Musiken verschiedener Komponisten gewissermaßen im gleichen Zimmer, im gleichen geistigen Raum erklingen.

Nicht viele Pianisten setzen einen so großen Fokus in ihrem Schaffen auf das Lied, wie Sie es tun. Wie sind Sie zum Lied gekommen? Und was begeistert Sie an dieser musikalischen Gattung?

Meine beiden Eltern waren Sänger und meine große Liebe zu Studienzeiten war eine Sängerin. Fast alle meine Lieder sind ihr gewidmet. Zum Liedpianisten habe ich also viel natürliche Neigung. Das Geschick dazu, Sänger zu begleiten und sie so gut wie möglich aussehen zu lassen habe ich mir im Laufe der Jahre angeeignet. Aber vor allem bedeutet Lieder begleiten, in Musik denken, tönen und sprechen zu dürfen, das Wort geleiten auf seinem Weg zum Verständnis. Das fließt im Lied wunderbar zusammen. In der Oper wird die Textdichte eines Liedes ja nur ganz selten erreicht. Das Lied denkt. Und das gefällt mir. Dazu habe ich beizutragen.

Herr Gees, warum brauchen wir in dieser technologisierten und digitalisierten Welt heutzutage überhaupt noch Musik? Welchen gesellschaftlichen Beitrag leistet Musik?

Vor allen Dingen mal den, dass sie es ist, die – neben anderen Künsten – einen gesellschaftsbildenden Beitrag leistet; die Digitalisierung tut das ja eben gerade nicht. Musik ist nach meinem Verständnis geradezu ein Hörbild der Gemeinschaft, die Idee des Miteinanders schlechthin. Unisono, Heterophonie, Kontrapunkt, Harmonie und Dissonanz bis zu ihrer Auflösung ins weiße Rauschen: Musik ist die Harmonia Mundi, die Integration des Tönenden. Und Musik kann etwas Einzigartiges: Gleichzeitigkeit. Wenn wir gleichzeitig reden, verstehen wir einander nicht. Wenn wir gleichzeitig musizieren, können wir uns und andere als unterschiedlich beitragend erkennen und wahrnehmen, einander begegnen und in Beziehung gehen. Die Parallelität unseres Tuns stört uns nicht nur nicht sondern ist uns im Gegenteil geradezu ein Erkenntnisinstrument.

Musik wirkt in einem gemeinschaftsbildenden Konzert

Musik ist hörbares Miteinander. Musiker bilden zusammen mit dem „Publikum“ ein Stellvertreterfeld für das, was sie mit in den Raum nehmen und in Musik erleben. In der Fülle ihrer Beziehungen zueinander und zum Weltgeschehen sind sie Repräsentanten der Menschengemeinschaft. So wirkt ein in diesem Sinne gelungenes, nämlich gemeinschaftsbildendes Konzert weit über den Saal hinaus, in dem es stattfindet. Und wem das unbescheiden vorkommt: Anspruch und Wirkmächtigkeit der künstlichen Intelligenz sind kaum geringer. Allzu klein dürfen wir von uns nicht denken, wenn wir’s mit ihr aufnehmen wollen.

Das Interview führte Alice Lackner.

© Foto: Hermann und Clärchen Baus, Köln

Zum Konzert „Permamusik – Composing Voices“ am 16.11.2017

Andreas Durban

Andreas Durban

Liedgesang ist für mich der große, geheimnisvolle Kinosaal im Kopf.

Die Alchimie des Liedes

Die Arbeit als Dozent für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Tanz Köln brachte mich sehr intensiv mit dem Genre des Liedgesangsin Berührung. Über lange Jahre unterrichtete ich junge Sängerinnen und Sänger, darstellerisch ihre Lieder zu interpretieren.

Dabei mache ich immer wieder die gleiche alchimistische Erfahrung. Durch die „chemische Reaktion“ von Lyrik, Komposition, von Stimme und Psyche, entsteht ein Gesamtkunstwerk, das nur dann zu strahlen beginnt, wenn alle vier Aspekte gleichberechtigt nebeneinander wirken.

Poetische Ideen nehmen Einfluss auf die Gefühle des Komponisten. Sie bedienen sich einer allgemeingültigen Bildersprache, die einen tiefen emotionalen Prozess hervorruft, dem der schöpferische Akt des Komponierens folgt.

Diesen Schöpfungsakt wiederholt im interpretatorischen Idealfall der Sänger – und etwas überspitzt formuliert – sollte es ein wahres Wunder sein, dass er genau so singt, wie der Komponist komponierte, da er, poetisch (semantisch) inspiriert, das in die Stimme legt, was er spontan empfindet und in sich bewegt

Die Feuersteine der präzisen musikalischen Struktur auf der einen Seite und der vollkommenen psychischen Spontaneität auf der anderen Seite schlagen im Akt des Liedvortrags immer wieder wie scheinbare Gegensätze aneinander und ihre Funken erzeugen Flammen ganz eigener Art.

Liedgesang ist für mich der große, geheimnisvolle Kinosaal im Kopf. Die Imaginationsfähigkeit der Sängerinnen und Sänger entführt blitzschnell auf innere Bühnen; Traumbilder wechseln wie an die Wand geworfenen Bilder der Laterna Magica. Den Zuschauern erscheinen komprimierte Essenzen, Bilder und Klänge als Konzentrate. Das Lied ist das wahre – das verdichtete Leben. Nicht nur die Religion dient als Opium des Volks, der Liedgesang erfüllt diese Aufgabe – im positivsten Sinne – noch viel effektiver! Die Langeweile und die sinnentleerte Belanglosigkeit gibt man mit dem Hut an der Garderobe ab.

Das Leben wird heiliges Erlebnis,  Rausch, Tanz, unter der Vorherrschaft des Dionysischen – es war kein Zufall, dass ausgerechnet Friedrich Nietzsche, der den Gott Dionysos wieder zum Leben erweckte, sich auch  als Lyriker und Komponist im Genre des Liedgesangs versuchte.

Biographie

Andreas Durban arbeitete lange Jahre als Schauspieler an Deutschen Bühnen. Zuletzt war er unter der Intendanz von Manfred Beilharz am Schauspiel Bonn und am Staatstheater Wiesbaden  engagiert.

1998 übernahm er zudem einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Tanz Köln für szenischen Unterricht und Ariengestaltung. Hier begann für Ihn auch die Auseinandersetzung mit dem Genre des Liedgesangs.

In Zusammenarbeit mit den Korrepetitoren Georg Leisse und Hanyoung Yoo erarbeitet er mit Studierenden darstellerische Interpretationsmöglichkeiten von Liedern, Oratorien und Arien. Er inszeniert szenische Liederabende und Opernprojekte. 2008 gründete er mit dem Komponisten Henrik Albrecht die Literatur-Oper Köln. Auch betreut Andreas Durban Gesangsstudierende bei der schauspielerischen Gestaltung ihrer Abschlusskonzerte.

2015 schrieb er das Libretto „Leben, eine Schubertiade“ zur Komposition von Henrik Albrecht, das 2016 mit den Hamburger Symphonikern und dem Hamburger Schubertchor zur Uraufführung kam. 2017 schreibt er im Auftrag der Berliner Philharmoniker das Libretto zu der Kinderoper „Parzival“ (Komposition Henrik Albrecht), die 2018 in der Berliner Philharmonie und im Festspielhaus Baden Baden zur Uraufführung kommt.

Bei „Im Zentrum LIED“ trat er in der Spielzeit 2016 viele Male als Erzähler auf. In der Spielzeit 2017/2018 wird er erstmals auch als Kurator einen Liederabend gestalten.

LiedweltLink

Der Text muss zum eigenen Erleben werden“ – Interview mit Andreas Durban

Schäferstündchen

Schäferstündchen

Eine musikalische Liebeserklärung als besonderes Geschenk

Schenken Sie sich ein gemeinsames Schäferstündchen!

Wollten Sie einem sehr guten Freund, Ihren Eltern oder ihrem Lebenspartner schon länger einmal sagen, wie wertvoll er oder sie für Sie ist? Sagen Sie es mit einer Gedichtzeile und schenken Sie sich gemeinsam verbrachte Zeit in Form eines Konzertbesuchs!

Ganz im Zeichen von „Schäferstündchen“ steht das nächste Konzert bei Im Zentrum LIED. Gemeinsam besuchen Sie am Mittwoch, den 24. Januar 2018 das Konzert. Sie bekommen vorab per Post eine Geschenkkarte. Diese ist mit der von Ihnen ausgesuchten Zeile aus einem der Gedichte versehen, die dort gesungen werden. Widmen Sie also Ihrem Liebsten, Ihrer Liebsten eines der Lieder des Abends!

So wird aus dem Konzertbesuch eine gemeinsame, ganz persönlich verbrachte Zeit, die Sie schenken.

Wie funktioniert’s?

Füllen Sie das Formular aus oder schicken Sie uns Ihre Bestellung formlos per Mail.

Sie suchen eine Gedichtzeile aus, die zu Ihrer Liebsten / Ihrem Liebsten und Ihnen passt. Wählen Sie hier eine Liedzeile, die Sie verschenken wollen.

Diese Widmung steht auf Ihrer Geschenkkarte, die zugleich für Sie beide die Eintrittskarte für das Konzert ist.

Damit das Geschenk dauerhaft in Erinnerung bleibt, sind die Widmungen auf Wunsch im Programmheft abgedruckt.

Sie bekommen Ihre Geschenkkarte (=Eintrittskarten für den 24.1.) per Post zugesendet. Sie ist mit Ihrem Zitat gestaltet.

Auf Wunsch senden wir die Karte auch an den Beschenkten direkt. In dem Fall geben Sie uns bitte eine alternative Versandadresse an.

Überweisen Sie 35 € mit dem Betreff „Schäferstündchen, Nachname, Vorname, Vers Nr.“ für Ihre Geschenkkarte + 2 Eintrittskarten.

Hier finden Sie das Formular, das Sie uns bitte per Post oder Mail senden an:

Verena Düren, An der Kelter 13, 53177 Bonn oder verena.dueren@liedwelt-rheinland.de.

In Kooperation mit unserem Partner Im Zentrum LIED