Musikalische Reise durch Europas Kinderzimmer

Überraschende Perspektiven auf die kindliche Seelenlandschaft und Fantasie

Tief unter der Erde verborgen liegt die Zentrifuge und ist damit für den Bonner Liedsommer ein ganz besonderer Aufführungsort mit bemerkenswerter Akustik. Die Mezzosopranistin Elena Marangou und Tobias Krampen am Flügel präsentieren ein vielfältiges Programm pünktlich zu dem CD-Release von Into a Children’s Room. Der musikalische Blick in die Kinderzimmer reicht von Russland, England, Deutschland und Frankreich bis nach Griechenland. Und das mit durchaus namhaften Komponisten: Vom sanften Wiegenlied bis hin zum ausgelassenen Hoppe-Reiter-Spiel gehen Modest Mussorgsky, Benjamin Britten, Johannes Brahms, Alkis Baltas und Francis Poulenc in einem bunten Spektrum von kleinen Einschlafgeschichten ganz typischen Kindersituationen nach.

Mit kurzen Moderationen gaben Tobis Krampen und Elena Marangou während des Konzerts wertvolle Einblicke in Form, Technik und Inhalt des bunten Reigens von Wiegen- und Kinderliedern aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Besonders die russischen Kinderlieder, die vielleicht zunächst fremder und unzugänglicher als ihre europäischen Pendants erscheinen mögen, überraschten mit detaillierten Perspektiven auf die kindliche Seelenlandschaft und Fantasie.

Besonders Mussorgskys und Poulencs Szenen aus dem Kinderzimmer erinnern an dramatische Kurzfilme, die mal lebhaft, mal zart-versponnen daherkommen und stets die musikalischen Möglichkeiten kindlicher Imagination vorführen. Doch auch das Idyll des Wiegenlieds trübt sich, wenn in die wiegenden Harmonien erste Zweifel einbrechen; mag es wie bei Britten die Sorge der Amme oder der alleinerziehenden Mutter sein.

Aber auch von zukünftigen Abenteuern, Reisen und neuen Horizonten berichten die Lieder, mal ganz innig, dann wieder humoristisch und voll zärtlicher Ironie. Im Falle der Wiegenlieder zeigt sich einmal mehr: Scheinbare musikalische Naivität bedarf einer ganz besonderen Reife, um der hintersinnigen kindlichen Einbildungskraft gerecht zu werden.

Text: Clara Pauly
Photos © Liedwelt Rheinland | Sebastian Herzog-Geddes

Die CD kann bei der Liedwelt Rheinland bestellt werden.

Konzert am 23.9.2018 im Rahmen des Bonner Liedsommer 2018.

CD-Bestellung

CD-Bestellung

Into a Children’s Room

Die CD kann für 15,– Euro bestellt werden. Signierte CDs können gegen Aufpreis von 2,– Euro erworben werden, jeweils zzgl. 3,– Euro Versandgebühr.

Bitte schicken Sie uns eine Mail an sabine.krasemann@liedwelt-rheinland.de mit

– Anzahl CDs (mit / ohne Widmung)
– vollständiger Versandadresse
– Telefonnummer und / oder Mailadresse für Rückfragen

Bezahlung: Sie können uns eine Einzugsermächtigung erteilen. Dafür benötigen wir den IBAN und den Kontoinhaber. Alternativ können Sie gegen Rechnung bestellen.

Sie erhalten die Bestellung so schnell wie möglich. Es ist auch möglich eine alternative Versandadresse anzugeben, wenn Sie die CD beispielsweise verschenken möchten.

Elena Marangou, Mezzosopran
Tobias Krampen, Klavier

Die CD wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung des Bechstein-Centrum Düsseldorf.

Aus Tiefe und Höhe: Das Lied im Spiegel der Moderne

Aus Tiefe und Höhe:
Das Lied im Spiegel der Moderne

Vielseitige Experimente mit Klang und Farbe waren im Dialograum Kreuzung an St. Helena zu erleben. Das Spiel mit den Möglichkeiten des künstlerischen Materials stand an diesem Abend im Mittelpunkt.

Die vielschichtigen Malereien und Skulpturen von Dorissa Lem aus Köln Ehrenfeld erfüllten das Motto „Aus Tiefe und Höhe“ auf mehrfache Weise: Inhaltliche und räumliche Tiefe stachen in jedem Kunstwerk hervor, immer wieder entdeckte man auf der bildlichen Oberfläche neue Strukturen, Gewebe von Linien und farbliche Tiefenstaffelungen. Die visuellen Bewegungsimpulse, der Widerstand des Materials und die konsequente Durcharbeitung bis ins Innere zeichnen die Bilder und Skulpturen von Dorissa Lem aus und schafften die besondere Atmosphäre für das Konzert mit Irene Kurka und Martin Wistinghausen.

Der musikalisch-künstlerische Teil des Abends widmete sich dem zeitgenössischen Lied und begann gewissermaßen in der Tiefe der Tradition: Der Bass Martin Wistinghausen eröffnet mit dem gregorianischen Psalm 130 De Profundis clamavi und präsentierte direkt im Anschluss eine moderne Wiederaufnahme des Psalms mit elektronischer Zuspielung.

Die mikrotonalen Möglichkeiten des Einzeltons lotete Wistinghausen rezitierend und singend aus, wobei ein ganz besonderes Instrument zur Erzeugung von Borduntönen als Liedbegleitung zum Einsatz kam: eine indische Shrutibox.
Auch die Sopranistin Irene Kurka, die sich intensiv mit dem zeitgenössischen Repertoire für Stimme Solo beschäftigt, wagte den Bogenschlag von Tradition und zeitgenössischer Musik. Ihr differenziertes Spiel mit mikrotonalen Elementen forderte das konventionelle Musikerleben heraus und bewies bei Kompositionen von Hildegard von Bingen bis Johannes Schachtner melodische Energie, Eindringlichkeit und musikalische Präzision.

Text: Clara Pauly
Photo © Liedwelt Rheinland | Sebastian Herzog Geddes

Konzert am 12.9.2018 im Rahmen des Bonner Liedsommer 2018.

„11 Fragen an…“ – Irene Kurka

„11 Fragen an…“ – Irene Kurka

Was machen Sie tagsüber?
Üben, Kontakte pflegen, Yoga, Spazierengehen, Freunde treffen und vieles mehr

Ihr heißer Literatur-Tipp?
Ich lese sehr viel und es gibt so viele tolle Bücher, z.B.: Peter Sporck: Der zweite Code, Will Bowen: Complainte Free World (gibt es auch auf deutsch), Gerhard Hüther: Etwas mehr Hirn, bitte

Ihr liebstes Kinderlied?
Schneeflöckchen, Weißröckchen

Mein persönliches Lied-Steckenpferd:
Auch das zeitgenössische Liedgut zu singen

Graben Sie gerne in Archiven?
Ja, obwohl es heutzutage eher im Internet ist.

Ihr Lieblingsort für einen Liederabend?
Carnegie Hall in New York.

Thrilling Story behind – Ihr spannendstes Lied-Fundstück?
Das Liederschaffen von Moritz Eggert, welches ich auf der CD „Ohrwurm“ mit dem Komponisten eingespielt habe.

Ihr Ritual vor jedem Auftritt?
Ausreichend schlafen.

Ein unvergessliches Konzerterlebnis?
Die 70-jährige junggebliebene Meredith Monk in der Kölner Philharmonie 2016.

Was wollten Sie als Kind später einmal werden?
Schauspielerin, Sängerin, Psychologin

Wie stellen Sie sich das perfekte Liederabend-Publikum vor?
Neugierig, zahlreich und begeistert

Photo © Liedwelt Rheinland | Sebastian Herzog-Geddes

„11 Fragen an …“ Karola Pavone

„11 Fragen an…“ – Karola Pavone

 

Ihr heißer Literatur-Tipp?

Robert Seethaler: „Ein ganzes Leben“; Agatha Christie.

Mein persönliches Lied- Steckenpferd?

Ironische, augenzwinkernde Lieder. Balladen. Und alles, was mit Sehnsucht zu tun hat.

Gehen Sie gerne wandern? Wo? Warum?

Ja, sehr. Im Wald, am Berg, am Wasser. Weil es mich „erdet“, den Kopf befreit; mich damit den Themen des Liedes näher bringt und meistens Platz für halbwegs gute Ideen schafft. Und es ist einfach schön.

Thrilling Story behind – Ihr spannendstes Lied- Fundstück?

Schubert/Mayrhofer: Atys. Ernest Chausson/Verlaine: Le chevalier malheur. August Bungert/Heine: Reinigung

Ihr Ritual vor jedem Auftritt?

Yoga, nicht zuviel, nicht zuwenig essen, etwas frische Luft. Dann kurz Panik schieben, dann ausatmen.

Ein unvergessliches Konzerterlebnis?

Mit Boris Radulovic live im serbischen Fernsehen. Schräg und schön.

Als Zuhörer: Frans Helmersson und Pavel Gililov mit Brahms und Rachmaninow, außerdem Claudio Abbado nach einem phantastischen Konzert in Wien kennengelernt zu haben.

Ihre favorisierte Lied- Aufnahme?

Dichterliebe mit Fritz Wunderlich und Hubert Giesen. Vier Letzte Lieder mit Jessye Norman und Kurt Masur.

Was wollten Sie als Kind einmal werden?

Meeresbiologin. Hat super funktioniert! Es bleibt eine große Vorliebe für Lieder, die im/am/unter/vom Wasser handeln, und das „Abtauchen“, wenn auch in andere Welten.

Was würde uns in einer Zeit ohne das Lied verloren gehen?

Schönheit. Empathie. Große und kleine Gefühle. Achtsamkeit. Alles!

Wie stellen Sie sich das perfekte Liederabend-Publikum vor?

Offen, interessiert, humorvoll, leidenschaftlich, selbstverständlich gutaussehend und stinkreich 🙂

Welchen Rat würden Sie jeder/jedem jungen Liedstudent/in mitgeben?

Sing soviel Du kannst; Einatmen, Ausatmen; Üben, Üben, Üben.

Wer mitgezählt hat, merkt es gleich: Karola Pavone hat sich als erste an die Zahl 11 gehalten 😀

Photo © Karola Pavone | Photograph: Roman Kuryliv

„11 Fragen an…“ – Anna Herbst

„11 Fragen an…“ – Anna Herbst

Was machen Sie tagsüber?
Arbeiten!

Was ich der Welt mit dem Lied sagen möchte…
ist genau das, was nur das Lied sagen kann!

Ihre größte Freude beim Lied-Musizieren?
Eine innige, intuitive und spontane Kommunikation zwischen Musikern und Publikum.

Ihr Lieblingsort für einen Liederabend?
Am Strand!

Thrilling Story behind – Ihr spannendstes Lied-Fundstück?
„Les Quatrains Valaisans“ von Jean-Philippe Dartois.

Ihr Ritual vor jedem Auftritt?
Pasta! e basta 🙂

Ein unvergessliches Konzerterlebnis?
Als Sängerin – mein Debut in der Kölner Philharmonie. Als Zuhörerin: Matthias Goerne mit der Winterreise.

Ihre favorisierte Lied-Aufnahme?
Ian Bostridge und Julius Drake „The English Songbook“

Was wollten Sie als Kind später einmal werden?
Lied-Sängerin!

Wie stellen sie sich das perfekte Liederabend-Publikum vor?
Zahlreich und begeistert!

Was schätzen Sie an der Szene der Lied-Liebhaber?
Den Mut zum Feinsinn.

Photo © O-Ton Michael Zerban