Irene Kurka

Irene Kurka

In der zeitgenössischen Musik ist Irene Kurka eine international gefragte Sängerin im Konzert und auf der Bühne. Zahlreiche Komponisten (unter anderem Eggert, Corbett, Weeks, Muntendorf, Pisaro, Kampe, Seither, Beuger, Brass und Frey) schreiben und widmen ihr Stücke, nicht zuletzt für CD- und Rundfunkaufnahmen. Mittlerweile hat sie über 210 Uraufführungen gesungen.

Seit einigen Jahren beschäftigt sich Irene Kurka intensiv mit dem Repertoire und Konzerten für Stimme Solo (unter anderem Hildegard von Bingen, Nono, Berio, Cage, Lucier, Beuger, Bauckholt und Brass). Ihre 2012 veröffentlichte CD mit Liedern von Hildegard von Bingen und John Cage (Koproduktion mit dem Label Wandelweiser und dem Bayerischen Rundfunk) erntete in der Fachpresse begeisterte Kritiken.

2015 erschien die CD „Beten.Prayer“ für Stimme Solo. Anfang 2017 erschien die CD „chants“ für Stimme Solo mit Werken von Christopher Fox, Antoine Beuger, Eva-Maria Houben, Thomas Stiegler. Danach erschienen „Klavierlieder“ von und mit Eva-Maria Houben und die CD „Ohrwurm“ mit Klavierliedern von und mit Moritz Eggert.

Im musiktheatralischen Bereich arbeitet Irene Kurka seit 2008 mit der Komponistin Christina C. Messner zusammen, mit der sie szenische Miniaturen über das Leben von Simone de Beauvoir und das von der Choreographin Suna Göncü inszenierte Solo „Salome-Extrakté“ entwickelte. 2014 sang sie die Rolle der Autorin in Christinas Messner „Love Songs for Heim@t“ in Köln.

Mit den Komponisten Beuger, Brass und Houben konzipierte sie einen Abend mit drei Solo-Opern, der 2012 in München, Düsseldorf und dem Theater Dortmund aufgeführt wurde. Mit der Komponistin Karin Haussmann konzipierte sie den Abend „Eine unsterbliche Geliebte“ für das Beethovenfest Bonn 2017.

Die vielseitige Sopranistin wurde bereits mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichnet. 2013 erhielt Irene Kurka den Wolfram-von-Eschenbach-Förderpreis des Bezirkes Mittelfranken, 2014 erhält sie den Förderpreis für Musik der Stadt Düsseldorf.

Im April 2018 startete Irene Kurka den Podcast „neue musik leben“.

Irene Kurka war als Solistin unter anderem zu Gast bei: Tonhalle Düsseldorf, Kölner Philharmonie, Konzerthaus Berlin, IGNM Basel, Huddersfield Contemporary Music Festival, L’auditori Barcelona, Theater Dortmund, Festival Mecklenburg-Vorpommern, Villa Massimo Rom, Cites Des Artes Paris, Ungarischer Rundfunk Budapest, Posener Frühling, MOMENTSMUSICAUX AARAU, Hydra Festival Boston, Acht Brücken Festival Köln, Cafe Oto London, Counterflow Festival Glasgow, Festival Muziek Biennale Niederrhein, Theater Osnabrück, A.DEvantgarde-Festival München, Trier OPENING, Kunst Station Sankt Peter Köln, Ensemblia Mönchengladbach, Randspiele Berlin-Zepernick, Oberstdorfer Musiksommer, Greifswalder Bachwoche, Fränkischer Sommer, Neuburger Kammeroper, Bayreuther Barock.

Ihr Gesangsstudium absolvierte Irene Kurka an der Musikhochschule München, Southern Methodist University Dallas/USA und der University of British Columbia, Vancouver/Kanada. Ferner hat sie noch einen Masters für Mittelaltermusik an der Folkwang Universität der Künste in Essen absolviert.

Ihre Lehrtätigkeit hat sie bislang an die Academy of Music in Poznan/Posen, TU Dortmund, Guildhall School of Music and Drama London und zu „Jugend komponiert“ Schloss Rheinsberg geführt.

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Veranstaltungen

Konzert am 12.9.2018

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Podcast – eine Expertise zur zeitgenössischen Musik

Photo © Irene Kurka | Hartmut Bühler

Bonner Liedsommer 2018 – alle Veranstaltungen im Überblick

alle Veranstaltungen im Überblick

 

Elf Fragen

Elf Fragen an …

  • Was machen Sie tagsüber?
  • Ihr heißer Literatur-Tipp?
  • Ihr liebstes Kinderlied?
  • Mein persönliches Lied-Steckenpferd
  • Was ich der Welt mit dem Lied sagen möchte…
  • Gehen Sie gerne wandern? Wo? Warum?
  • Ihre größte Freude beim Lied-Musizieren?
  • Graben Sie gerne in Archiven?
  • Ein Bild oder eine Skulptur das ein Lied verdient?
  • Ihr Lieblingsort für einen Liederabend?
  • Thrilling Story behind – Ihr spannenstes Lied-Fundstück?
  • Ihr Ritual vor jedem Auftritt?
  • Gucken Sie Fußball?
  • Ein unvergessliches Konzerterlebnis?
  • Ihre favorisierte Lied-Aufnahme?
  • Was wollten Sie als Kind später einmal werden?
  • Was würde uns in einer Zeit ohne das Lied verloren gehen?
  • Wie stellen Sie sich das perfekte Liederabend-Publikum vor?
  • Welchen Rat würden Sie jeder/jedem jungen Liedstudent/in mitgeben?
  • Was schätzen Sie an der Szene der Lied-Liedhaber?
  • Vervollständigen Sie: „Jeden Morgen ein Lied…“ (etwa: …macht mich wach und lieb)

Hier geht’s zu den Antworten!

 

In meiner Konzeption ist ein Liederabend immer wie ein kleiner Theaterabend

„In meiner Konzeption ist ein Liederabend immer wie ein kleiner Theaterabend.“

Interview mit Judith Hoffmann

Frau Hoffmann, in Ihrem Lebenslauf lese ich, dass Sie vor Ihrem Gesangsstudium Gitarre studiert haben und mit Diplom abgeschlossen. Wie kam es zu dieser Hinwendung zum Gesang?

Ich bin als „Orchesterkind“ an einem großen Opernhaus aufgewachsen und habe schon früh viele Opern und Operetten gesehen und deren Probenprozesse mitbekommen – ich habe es geliebt diese Proben zu erleben. Später habe ich dann auch im Bewegungschor auf der Bühne mitgetanzt. Dabei habe ich sehr viel über das Theaterleben mitbekommen.

Dass ich selbst auch Musikerin werden wollte war mir völlig klar. Auch wenn ich schon immer wusste wie der Betrieb funktioniert. So habe ich mir keine Illusionen gemacht, wie hart dieser Beruf ist. Ich habe dennoch zuerst mit einem Instrumentalstudium (Gitarre) begonnen, habe dann aber schnell gemerkt, dass mein Herz eben doch ganz dem Gesang gehört und schließlich auch Gesang studiert. Im Gesang habe ich alle Ausdruckmöglichkeiten die mir wichtig sind gefunden.

Hatten Sie davor schon gerne gesungen?

Gesungen wurde bei uns zuhause immer. Das war meiner Mutter sehr wichtig. Sie hat mir auch die Möglichkeit gegeben, dass ich früh schon Gesangsunterricht bekam.

Ist es für einen Sänger heutzutage nicht ungeheuer schwer, sich angesichts der großen Anzahl an Sängern auf dem Markt durchzusetzen?

Na, ich sehe das ganz pragmatisch, das Problem sich durchsetzen zu müssen haben sie in anderen Berufen auch. Ich glaube jeder findet seinen Weg, wenn er diesen Beruf wirklich mit tiefer Leidenschaft und gutem handwerklichen Können begeht und seine Stimme immer weiterentwickelt. Es gibt immer einen Weg, seinen persönlichen zu finden ist die Aufgabe. Ich glaube das Wichtigste für mich ist, weiterzumachen, auch wenn es gerade einmal anstrengend ist. Wichtig ist es, immer sein Ziel im Auge zu behalten.

Was machen Sie am liebsten: Oper, Lied oder Oratorium?

Das kann ich gar nicht sagen. Ich liebe alle drei Sparten. Jede hat Ihren besonderen Reiz. Und überall werden Geschichten in musikalischer Form erzählt. Die Oper ist mir tatsächlich am vertrautesten durch meine Kindheit. Oratorien und Lieder kamen erst mit dem Gesangsunterricht als Jugendliche dazu. Schon im Studium waren mir die Liederabende zunehmend sehr wichtig. Die Kombination von Lyrik und Musik im Lied hat mich immer sehr interessiert. Ich hatte das Glück dabei tolle Menschen an meiner Seite zu haben die mir bei der Konzeption von Liederabenden geholfen haben. Auch viele Oratorien mag ich sehr.

Welche Lieblingswerke und -komponisten haben Sie?

Diese Frage konnte ich früher schon nicht beantworten, wenn es hieß: was ist Deine Lieblingsband. Ich mag so viel und bin ziemlich schnell begeisterungsfähig. Meine Lieblingsmusik ist die, die mit Hingabe, Ehrlichkeit, Spielfreude, Können, und Emotion musiziert wird. Natürlich gibt es immer mal einen Komponisten oder eine Komponistin die mich besonders beschäftigen. So bin ich im Moment ein Gustav Mahler-Fan, liebe Tschaikowsky und Rachmaninov, könnte Korngold jeden Tag hören und finde Händel zum niederknien schön. Das hängt sicher auch mit meinen aktuellen Projekten zusammen. Es gibt ein Werk das ich seit meiner Kindheit liebe, das ist das Klavierkonzert von Clara Schumann.

Einerseits sind Liederabende beliebt, andererseits ziehen sie ein zumeist schon bereits initiiertes, mit dem Repertoire und den Konzertritualen vertrautes Publikum an. Wie kann man vermitteln wie interessant das Kunstlied auch für eine breitere Öffentlichkeit ist?

Das ist ein spannendes Thema, worüber ja im Moment zum Glück auch viel von Kolleginnen und Kollegen kreativ nachgedacht wird. Ich bin mir sicher, dass es da nicht nur einen Weg gibt, sondern viele spannende Wege. In meiner Konzeption ist ein Liederabend immer wie ein kleiner Theaterabend. Ob ganz mit Liedern oder auch im Zusammenhang mit Texten oder Lyrik.

So bin ich für mich nach Programmen die ganz aus Liedern einen roten Faden spinnen, auf den Weg mit der Verbindung von Lied und gesprochenen Wort gekommen. In den letzten vier Jahren sind dadurch mit dem Sprecher und Dramaturgen Kolja Buhlmann fünf abendfüllende Programme mit Lied und Lyrik entstanden, von denen einige bereits szenisch aufgeführt wurden. Mein aktuelles Programm „Alma Mahler und Ihre Strahlenden Satelliten“ ist das erste Stück in dem ich nicht nur singe, sondern auch den Text von Kolja Buhlmann spreche.

Gesetzt Sie hätten eine Carte Blanche und könnten tun und lassen was Sie wollen, was würden Sie realisieren wollen?

Im Grunde habe ich das Glück, genau das in meinen Lied-Programmen machen zu können was mich interessiert. Das ist mir ganz bewusst, dass dies ein Privileg ist, sozusagen der Lohn für die Arbeit, als Künstler seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das möchte ich gerne weiterentwickeln und aus dieser Konzeption heraus den Liederabend immer mehr zu einem Theaterabend formen!

Gibt es irgendwelche lustigen, kuriosen oder albtraumartigen Anekdoten, die Sie bei Ihren Konzerten erlebt haben?

Zum Glück bin ich bei Konzerten noch nicht von alptraumartigen Anekdoten geplagt worden.

Meine Lieblingsgeschichte mit Kindern: ich habe die Kinderoper „Petterson und Findus“ gespielt und war der Findus. Der war in dem Stück zwischendurch recht grantig und ich saß vorne an der Bühne. Ein Mädchen in der ersten Reihe kam zu mir und meinte ich, also Findus, dürfe nicht so gemein zu dem Hahn sein – und ich dusseliger Kater war in dem Moment so in der Rolle, dass ich ihr trotzig gesagt habe, dass das doch geht und so sein muss….. Zum Glück hatte das Mädchen eine Mutter dabei, die sie davon abgehalten hat zu mir auf die Bühne zu kommen und die Angelegenheit für meinen Widersacher, den Hahn, zu klären. Seitdem habe ich nie wieder mit Kindern von der Bühne aus diskutiert. Es hat mir gezeigt wie sehr Kinder sich mit solchen Stücken identifizieren – so wundervoll!

Was beschäftigt Sie aktuell?

Zurzeit habe ich verschiedene Projekte. Da ist mein Alma Mahler-Projekt, das am 27. Mai 2018 in Königswinter Premiere haben wird. Das Programm beinhaltet Lieder von Zemlinsky, Mahler, Berg, Schönberg, Korngold, Britten, und Alma Mahler. Ich finde es eine sehr spannende Zusammenstellung und bin immer wieder erstaunt wie verknüpft damals die ganze Künstlerszene war. Zudem habe ich gerade ein Ensemble mit Trompete und Orgel gegründet. Unser aktuelles Programm ist ein Barockprogramm mit vielen Barock-Klassikern für Sopran und Trompete.

Eine weitere Formation, mit der ich konzertiere, besteht aus Sopran, Kontrabass und Klavier. Damit waren wir vor kurzem im Konzerthaus Dortmund zu Gast. Abgesehen von meinen eigenen Projekten und Formationen habe ich in der nächsten Zeit Konzertverpflichtungen für das Verdi Requiem und viele weitere Oratorien. Im Opernfach habe ich jetzt gerade einen Fachwechsel abgeschlossen und bin gespannt, was dort als nächstes auf mich zukommt.

Was steht denn auf Ihrer Wunschliste ganz oben für die nähere Zukunft?

An Liedern: Vier letzte Lieder von Strauss. Dafür bekam ich gerade eine Einladung im Winter 2019, für eine bearbeitete Fassung für Sopran und Orgel. In der Oper: Tatjana (Onegin/Tschaikowsky), Fiordiligi (Cosi fan tutte/Mozart).

Wieviel Prozent Ihrer Arbeitszeit geht für Üben und Konzertieren drauf, wieviel für Organisatorisches?

Momentan würde ich sagen 70/30. 70 Prozent für das Üben, Auswendiglernen, Proben und Konzertieren, und 30 Prozent Organisation.

Wie gehen Sie mit Lampenfieber um? Haben Sie da Rituale vor Auftritten?

Ja ich habe feste Rituale vor Konzerten mit denen ich auch meine Aufregung kontrolliere. Schon morgens konzentriere ich mich ganz auf den Ablauf am Abend. Ich meditiere und versuche auch schon morgens aufgeregt zu sein, damit das Adrenalin schon etwas abgebaut werden kann bis ich auf die Bühne gehe. Denn wie wir alle wissen, sagt uns Adrenalin entweder wir müssen gleich kämpfen oder wir sollten gleich sehr schnell wegrennen. Beides ist auf der Bühne nicht wirklich eine gute Idee. Da ist es schon von Vorteil, wenn ich das Adrenalin über den Tag hinweg abgebaut habe.

Was machen Sie, wenn Sie krank sind, oder anders gefragt: Was tun Sie im Vorfeld, um zu verhindern, dass es so weit kommt?

Ich mache nichts Besonderes. Ich passe gut auf mich auf und werde einfach selten krank. Als Sänger muss man eine starke Gesundheit haben, sonst ist der Beruf nichts.

Ist es nicht eine ungeheure Belastung, sich immer so um sein Instrument sorgen und unter Umständen auf viele Dinge verzichten zu müssen?

Für mich nicht. Ich sehe mich als Sänger wie ein Leistungssportler. Wir arbeiten mit unserem Körper und einem sehr feinen und sensiblen Instrument, der Stimme. Das Glücksgefühl beim Singen ist so groß, dass es mich für alles, was ich vielleicht nicht machen kann, entschädigt. Wobei mir gar nicht so viele Dinge einfallen die ich gar nicht machen kann. In den Kneipen darf ja sowieso nicht mehr geraucht werden. (lacht) Das ist für mich eine große Freiheit, denn früher konnte ich durch den Rauch nicht mit in die Kneipen gehen.

Das Interview führte Guido Krawinkel.
Photo © Judith Hoffmann |  Anne Hein

Elena Marangou

Elena Marangou

Wir begrüßen Elena Marangou in der Liedwelt Rheinland und freuen uns auf die Zusammenarbeit! Hier entsteht in Kürze eine Liedwelt-Biographie. Untenstehend finden Sie weiterführende Informationen.

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Veranstaltungen

Es gibt derzeit keine bevorstehenden Veranstaltungen.

Konzert am 20.9.2018
Konzert  am 23.9.2018
Konzert am 28.9.2018

Weblinks

Website

Photo © Elena Marangou, privat

„Come Away Death“ – Konzert am 18.4.2018

„Come Away Death“

Die bunte und hellsichtige Welt des William Shakespeare beeinflusste auch das Kunstlied. Zu erleben war das beim Saison-Abschluss der Reihe „Im Zentrum Lied“ in der Fritz Thyssen Stiftung. Natürlich musste dafür ein Brite her: Der Bariton Martin Lindsay leitet als Dozent der Kölner Musikhochschule das Seminar „Englisches Lied- und Arienrepertoire“. Er kennt sich also perfekt aus im Repertoire.

Bei uns wenig bekannte Lieder der Engländer Gerald Finzi, Roger Quilter oder Michael Tippett setzte er auf sein Programm „All the World’s a Stage“. Das weitete sich mit Liedern von Hanns Eisler über Charles Ives und Ernest Chausson aber auch sehr international. Kaum zu glauben, wie viele Komponisten Shakespeare in Romantik und Moderne vertonten.

Es war ein Programm mit Konzept und dramaturgischem Bogen. In einen „Prologue“ und fünf Akte war dieser Abend unterteilt. Der „Epilogue“ endete still mit den Worten „Fall asleep, or, hearing, die“, vertont von Ralph Vaughan Williams. Routiniert begleitet von der Pianistin und Hochschul-Kollegin Elnara Ismailova setzte Lindsay gekonnt auf sein schauspielerisches Talent. Man konnte allein aus seiner Mimik den Sinn erfassen. Im stark abgedunkelten Saal war ein Mitlesen der im Programmheft abgedruckten Texte ohnehin nicht möglich. Eindringlich der zweite Akt mit ruhigen Liedern wie Finzis magischem „Come Away Death“.

Zum Schmunzeln im restlos gefüllten Saal regten Lindsays langgezogene „Y-a“-Laute in Hugo Wolfs „Die Schwalbe“ aus dem „Sommernachtstraum“ an. Der musikalische Streifzug durch Shakespeares Sonette und Dramen von „Otello“ bis zu „Henry VIII“ machte Freude, auch wenn der geöffnete Flügel stellenweise zu wuchtig war und Lindsay sich im ersten Block zu sehr auf eine mittlere Laustärke verließ. Seine vokal wenig runde Stimme machte er durch Wahrhaftigkeit und Zerbrechlichkeit wett. Das passte gut zu Shakespeares Bühnenfiguren.

Text: Matthias Corvin
Der Originalartikel erschien am 20.4.2018 in der Kölner Rundschau. Wir bedanken uns für die Abdruck-Genehmigung.

Photo © Elnara Ismailova: Barbara Lutterbeck –
Martin Lindsay: Peter Czajkowski

Zum Konzert vom 18.4.2018
Wiederholung des Konzerts im Rahmen des Bonner Liedsommers am 9.9.2018

Bonner Liedsommer 2018 – Hintergründe

Bonner Liedsommer 2018 – Hintergründe

Die Vielfalt der Liederabend-Gestaltung in der Mischung aus Künstlern, Konzepten und Orten das Publikum begeistert!

Wir freuen uns, dass zahlreiche Konzerte im Bonner Liedsommer Veranstaltungen unserer Kooperationspartner sind, die wir mit eigenen Veranstaltungen ergänzen. Auch greifen wir erfolgreiche Konzerte unserer Partner und Mitglieder wieder auf.

So präsentieren wir den Sinn des Netzwerks Liedwelt Rheinland hier in konzentrierter und sicht- wie erlebbarer Form – lassen Sie sich von dem Potential der Konzerte inspirieren und gehen Sie auf Entdeckungstour mit uns.

Unsere Interviews

Abwechslungsreiche Formate und hochkarätige Inhalte

Auf vielfältige Art und Weise werden wir das Kunstlied ausleuchten: Hommages an Rainer Maria Rilke, William Shakespeare und Thomas Mann erwarten Sie. Freuen Sie sich auf kleine „Kinderzimmer-Szenen“ bei unserem CD-Release-Konzert „Into a Children’s Room“ in der Bonner Zentrifuge am 16.9. oder das szenische Konzert im Theater im Ballsaal am 10.7.: „Dichter.Liebe! Oder die Reise des Poeten“ im Rahmen des Bonner Schumannfests.

Portraits und Literatur

Eröffnet wird der Liedsommer mit einem Portrait von Alma Mahler am 27. Mai bei ProKlassik e.V. in Königswinter. Zu entdecken ist in dem vielfältigen Programm außerdem ein bezauberndes Marienleben von Hindemith bei RheinVokal und das Programm „De Profundis clamavi“ im Dialograum Kreuzung an St. Helena. Es erwartet Sie auch in der Doppelkirche Schwarzrheindorf ein improvisierendes Lieder-Programm für Sopran und Qanun, die chorische Umsetzung von Liedern im Museum König oder unser Workshop für Hobby-Liedpianisten im Agora Artists Studio.

Netzworking at it’s best

  • Mit dem Konzept wendet sich die Liedwelt Rheinland sowohl an Mitglieder und Partner des Netzwerks, wir freuen uns durch die Initiative neue Kontakte, Veranstalter und Partner gewonnen zu haben.
  • Aufgabe der Liedwelt Rheinland ist die Koordination und Vernetzung aller Veranstaltungen innerhalb des Bonner Liedsommers 2018, sowie die regionale und überregionale Präsentation.
  • Das Festival wird mit eigener Optik und den einzelnen Veranstaltungen übergeordnete Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unter dem Label Bonner Liedsommer 2018 kommuniziert. Geplant ist auch die gemeinsame Bewerbung aller in Frage kommenden Veranstaltungen beim Rheinischen Kultursommer. Ein wichtiges Anliegen ist es, Veranstalter und Kunstschaffende aus der Region zu erreichen, die das Kulturgut Lied in einem neuen Gesamtkontext nachvollziehbar machen möchten. Natürlich möchten wir auch neue Neugierige an die unterschiedlichen Aufführungsorte locken und für das Lied begeistern.

 

Die Bildrechte der Galerien

Photo © Künstlerinnen und Künstler:

Judith Hoffmann: Anne Hein
Desar Sulejmani: Alexander Vejnovic
Sylvia Dörnemann: Sylvia Dörnemann
Matthias Höhn: privat
Eikona Ensemble (2x): Nicole Günther
Eric Schneider: Peter Adamik
Christiane Oelze: Nathalie Bothur
Michael Schwalb: privat
Franziska Heinzen: Maren Schäfer
Benjamin Mead: Maren Schäfer
Frauke May: G. Holde Ortne
Kristy Becker: privat
Elisabeth Menke | JESSYLEE PHOTOGRAPHIE
Hesen Kanjo: Melanie Stegemann
Elnara Ismailova: Barbara Lutterbeck
Martin Lindsay: Peter Czajkowski
Elena Marangou: Elena Marangou
Tobias Krampen: Tobias Krampen
Martin Wistinghausen: Martin Wistinghausen
Irene Kurka: Hartmut Bühler
Ainoa Padrón: Manuel Gonzalez
Peter Bortfeldt: Peter Bortfeldt

Copyright sonstige Bilder:

Alma Mahler: alma-mahler.at
Rilke im Wallis: Rilkes Leben und Werk im Bild, Insel Verlag, Wiesbaden 1956
Thomas Mann: Thomas Mann Archiv und Thomas Mann Gesellschaft
William Shakespeare: Wikipedia
Heinrich Heine: NN (Quelle Pixabay)

„Lenz und Liebeswonnen enden – kostet aus die frühe Zeit“ – Konzert am 1.5.2018

„Lenz und Liebeswonnen enden – kostet aus die frühe Zeit“

Grundsätzlich ist die Nähe zur tatsächlichen Volksmusik und zum Volkslied wie zu Sagen und Legenden aus der „Heimat“ eine der wichtigsten künstlerischen Inspirationsquellen für Komponisten. Immer wieder schauen bzw. hören Komponisten daher dem Volk „aufs Maul“, woraufhin ein künstlerischer Verarbeitungs- und Auseinandersetzungsprozess einsetzt. Dass auch Beethoven hier ganz tief geschürft hat, zurück zu den Ursprüngen ging und so seine künstlerische Sprache wahrhaft und so berührend werden ließ, ist sicherlich ein wichtiger Aspekt in Bezug auf sein künstlerisches Gesamtschaffen.

Am 1. Maifeiertag gab es im Bonner Schumannhaus die Gelegenheit, an einer kleinen Europareise teilzunehmen und diesem engen Bezug zur Quelle nachzulauschen: Insgesamt neun junge Musikerinnen und Musiker gestalteten das Auftaktkonzert von Beethoven@home. Die jungen Künstlerinnen und Künstler hatten gemeinsam mit der Ludwig-van-Beethoven-Musikschule Bonn (Eva Wolsing und Beatrix Ebersberg) einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Vormittag zu bieten. Insgesamt erklangen 23 Lieder in acht thematisch und geographisch sortierten Abschnitten, die von fachkundigen wie unterhaltsamen Moderationen und kurzen Gesprächen über die Hintergründe der Lieder verbunden wurden.

Das Volkslied als schöpferische Inspirationsquelle

Die Nähe des Kunstliedes zum Volkslied hat deren Aufführung im häuslichen Rahmen so populär gemacht, dass Beethoven über 170 Bearbeitungen schrieb – aber die Melodien und Geschichten scheinen ihn auch persönlich fasziniert zu haben: Denn er schrieb weiter an Bearbeitungen auch ohne konkreten Auftrag von Verlegerseite und hat sich sicherlich hierzu entschlossen, weil er die künstlerische Inspirationsquelle auch als grundlegend für sein Schaffen empfand. Außerdem fand Beethoven hier die Möglichkeit, kompositorisch so Manches auszuprobieren, das später in „klassischen Werken“ wieder auftaucht.

Die Madeln, die führen uns an der Nase her

Natürlich ging es in den Liedern vor allem um Wein, Weib und Gesang – kleine Geschichten, Szenen und Bilder, mit dem tapferen Ritter, mit klugen Madels oft deftig-schlüpfrig oder auch derb. Die Sänger wurden dabei kontinuierlich von Cello und Klavier begleitet, was klanglich eine schöne Bereicherung war, zumal Johannes Zipfel am Cello nicht nur verlässlicher Partner der Sänger und Pianisten war, sondern ganz maßgeblich an der feinen Gestaltung der Lieder Teil hatte. Die mit dem Sänger korrespondierende Violine spielte zunächst Lotta Nikolayczik.

Die Erzählung des Sängers wurde verstärkt, reflektiert: So mancher Scherz ausgemalt, das Geschehen kommentiert. Auch eine Antwort auf die zahlreichen augenzwinkernden Verführungsversuche gab es. Im zweiten Teil übernahm die Violine noch eigenständigere Rollen: Casper Hesprich übernahm diesen Part im zweiten Teil – klug ausgesucht war die Rolle der Violine hier, setzte der ersten Konzerthälfte noch eins drauf, da der Part so überraschend vielfältiger angelegt war als im ersten Teil. Alles klang plötzlich neu: Bordunklänge, virtuose Girlanden und Sprünge oder längere Vor- und Nachspiele zeigten, welche kammermusikalische Vielfalt im Volkslied-Ausdruck steckt.

Wer solche Buama afipackt

Zunächst gab es „alpine“ Stilbilder aus der Schweiz und dem Tirol. In mehreren Liedern wie dem Lied „Wegen meiner bleib d’Fräula“ wurde die Verbindung zum Volksstück unmittelbar: Diese Bearbeitung hat auch bei Wenzel Müller als Arie des Hausmeisters in das „Das NeuSonntagskind“ seinen Platz, kein Einzelfall – finden sich auch bei Nestroy und Haibels in deren Bühnenwerken Volksliedvertonungen, die als Volksliedbearbeitung in den heimischen Salon transportiert wurden, damit die Fan-Gemeinde sie hier nachempfinden konnte, indem sie sie selbst im häuslichen Rahmen erneut musizierte.

Das lautmalerische Lokalkolorit aus Tirol gestaltete die Sopranistin Katharina Diegritz beispielsweise im Lied „Wann i in der Früh aufsteh‘“ mit bezaubernder, augenzwinkernder Schauspielerei. So entstand aus dem schwungvoll mit Bravour gesungenen virtuosen Lied eine bildhaft angedeutete schmissige Szenerie. Denn viele Lieder sind gespickt mit einer Anspielung nach der nächsten: Kleine lustige Schweinereien fanden ihr Bild in der einfachen Natur und der Arbeit auf dem Lande. So wurde aus dem Almauftrieb ein Vorwand, mit der Schwägerin gemeinsam „die Kühe zu hüten“ – ein mit „naiven“ Anspielungen gespicktes Lied darüber, was der Schwager und die Schwägerin so alles auf der Alm zu tun haben. Der Refrain „ei, ai, eia“ ließ zu zahlreichen persönlichen Fortspinnungen im Kopf des Besuchers Platz. Überhaupt ging es im ersten Teil vor allem um die Liebe, um emanzipierte Madel und alte Schachteln, den depperten Tyroler Bua und den talkerter Jodel und entsprechend aufgelockert war die Stimmung im Saal.

Lasst im Wein uns den Gram ertränken!

Ganz neue Töne erklangen im mittleren Programmteil mit „Oj, oj upilem sie w karczmie“. Die Bordunklänge, das Drehen der Leier stellen die Instrumente prinzipiell nicht nur klanglich mehr in den Vordergrund – insbesondere, da Beethoven hier eine holprige deutsche Übersetzung vertont hat.

Umso erstaunlicher, dass auch Lieder, bei denen Beethoven zum Teil nur Melodien und keine Originaltexte zur Verfügung standen, passgenaue Originalität und Stimmigkeit auch in der Wahl der Inhalte haben. Die Holprigkeit, die falsche Betonungen und sich gegen die Melodie sperrende Worte teils skurril anhäufte, überwand der Bariton Benjamin Hewat-Craw galant. Wie bereits in den beiden Liedern, die der Bariton zu Anfang der Matinée sang, gestaltete er gemeinsam mit der Mezzosopranistin auch das „Kosakenlied“ in feinster Manier.

„Was ist authentisch?“

Hier erklang – eben wie erwartet – elegisches Moll: Ein längeres Vor- wie Nachspiel imaginiert ein romantisiertes Bild am Ufer der Wolga mit pizzicato-Tupfern im Cello, unmittelbar sitzt man mit den beiden Ausführenden in der Runde … und lauscht wiederum deren Gespräch über Sehnsucht und die Liebe. Die erzählende Geige (Casper Hesprich) malt die das Gespräch begleitenden Gedanken hier anmutig wie elegisch aus. Erstaunlich wie aktuell manches Parlando-Moll klang, dem die Mezzosopranistin Lea Müller zuvor in zwei russischen Volksliedern folgte – an unserem Klischée was die Erwartungen an das „Lokalkolorit“ betrifft, scheint sich jedenfalls in den letzten zweihundert Jahren nicht so viel geändert zu haben, sonst wären weder Künstler noch Publikum so nah und begeistert am Ball geblieben.

Auch die zahlreichen Duette, die sich in der Matinée verstreuten, trugen klanglich dazu bei, mit ihren verschiedenen Varianten den Morgen zu bereichern. Es kam zu immer neuen Stimm-Kombinationen und natürlich bot jedes Volkslied auch eine kleine Szenerie, die sich belebte durch die „Gespräche“ der Protagonisten.

Traumhafte Welt

Bevor es mit Liedern aus Spanien, Italien und Ungarn weniger elegisch wurde, tat sich im schwedischen Wiegenlied „Lilla Carl“ vor allem in den Doppelgriffen und kommentierenden Sprüngen zum Bordun eine traumhafte Welt auf: Schön gestaltete Lea Müller diesen ruhigen Fluss.

Konsequent entführte Eike Kutsche mit der Cellistin Sue Schlotte nun in die Obertonwelt. Hier fand die Matinée ihren künstlerischen Ruhe- und Angelpunkt, begab sich für einen kostbaren Moment auf die „andere Seite“, hielt inne. Die authentische Spiritualität versetzte die Lauschenden so in eine Klanginsel, die gerade deshalb in der Überhöhung der Volksmusik und dem alltäglichen Singen der Menschen sehr nahe ist. Daher erfuhr die anwesende Gemeinschaft hier klanglich jenes Eins-Sein aller Menschen – eine wichtige Verbindung allen gemeinschaftlichen Mensch-Seins und somit dessen, was das Volkslied unterschwellig vermittelt: Den Grund, warum uns auch die Beethoven’schen Volkslieder nach zweihundert Jahren noch so tief berühren, konnte man nun verstehen.

Una paloma blanca

Zur südeuropäischen Atmosphäre passend hatte auch der Tenor Nico Heinrich hörbar und sichtlich Spaß am Gestalten des spanischen Piraten-Tiranilla oder dem doppeldeutigen, kurzen russischen Lied über die Mädchen, die ganz viele „Beeren“ im Wald finden, in der Menge dargestellt von einer geschäftig plappernden Violine, deren „Wortschwall“ das kurze Lied eigentlich sprengt. Fein und schlank gestaltet, gelang ihm im ungarischen Weinlied „Edes Kinos emlekezet“ die schwungvolle Wende in die Zielgerade der Matinée, die die neun Künstlerinnen und Künstler mit einer schwungvollen Zugabe würzten.

Vertiefen konnte der Zuhörer sein Wissen bei den fachkundigen Gesprächsteilnehmern von Dr. Solveig Palm, die auch nach dem Konzert zu anregenden Gesprächen zur Verfügung standen.

Text: Sabine Krasemann
Photo © KLINK ART, Joachim Müller-Klink

Zum Konzert

Benjamin Hewat-Craw

Benjamin Hewat-Craw

Der Bariton Benjamin Hewat-Craw ist ein begabter Liedsänger auf Englisch und Deutsch. Im November 2017 hat er einen Liederabend im Beethovenhaus Kammermusiksaal gegeben.

Er fokussiert sich auf die Zyklen von Schumann und Schubert. Im September 2018 ist seine erste Winterreise mit Yuhao Guo als Pianisten zu erleben, der weitere Konzerte folgen sollen. Er hat eine große Leidenschaft für die Lieder der englischen Komponisten R. Vaughan-Williams und G. Finzi, deren Zyklen er oft in England und Deutschland gesungen hat.

LiedweltLinks

Bericht über das Konzert am 1.5.2018

Veranstaltungen

Es gibt derzeit keine bevorstehenden Veranstaltungen.

Konzert am 14.10.2018
Konzert am 3.11.2018
Konzert am 1.5.2018
Konzert am 2.7.2018
Konzert am 15.09.2018

Weblinks

Homepage

Photo © Benjamin Hewat-Craw, Photograph Christian  Palm