raumZEIT und zeitRAUM bei „Luft & Raum“ im Juni

„Den Raum stellen wir – die Zeit müssen Sie füllen!“

Es ist wohl einer der ungewöhnlichsten Veranstaltungsorte zwischen Bad Godesberg und Bonn, den Künstler in den letzten Jahren für sich entdeckt haben – die ehemalige Zentrifugenhalle im Haus der Luft- und Raumfahrt. Bereits zum dritten Mal fand dort in diesem Jahr das Festival „Luft & Raum“ von Ingeborg Danz, Peter Stein und Tobias Krampen statt. Gastgeber sind die Besitzer der Zentrifuge, die das Publikum gerne begrüßten mit den Worten „Den Raum stellen wir – die Zeit müssen Sie füllen!“ In der Woche vom 11. – 18. Juni widmeten sich die drei Musiker gemeinsam mit Gästen dem diesjährigen Festivalmotto „raumZEIT | zeitRAUM“.

Zusammenspiel von Raum, bildender Kunst und Musik

In diesem Jahr haben die Veranstalter zum ersten Mal den Versuch gewagt, an jedem Abend der Festivalwoche eine Veranstaltung anzubieten. In Konzerten, einem Filmabend, einer Lesung mit Musik und einem Orgelvortrag mit Musik drehte sich alles um die Frage nach Raum und Zeit. Philip Glass traf hier auf Stephen Hawking, Heinrich Böll auf Bernd Alois Zimmermann und schließlich in den Konzerten immer wieder Minimal Music auf Alte Musik. Die besondere Akustik der kreisrunden Zentrifugenhalle, in der früher die Astronauten beim Training das Gefühl für Zeit und Raum verloren, stellte sich als geradezu ideal für Liederabende, aber auch Cembalo solo heraus. In der Bibliothek im Haus konnte man während der ganzen Woche die Origami-Ausstellung „Zahn der Zeit“ von Peter Stein und anderen befreundeten Faltkünstlern bewundern.

Musik im Wandel der Zeit

Verbindendes Element aller musikalischen Abende war Eric Saties Werk „Vexations“, das mit seiner geschätzten Aufführungsdauer von über 24 Stunden wohl ein Paradebeispiel für die Ausdehnung von Zeit und Raum in der Musik ist. Den ersten Abend eröffneten die drei künstlerischen Leiter, Ingeborg Danz (Alt), Peter Stein (Violine und Viola) und Tobias Krampen (Klavier) mit einem Liederabend, der sich zwischen romantischer und zeitgenössischer Musik bewegte.

Einer ähnlichen Gegenüberstellung folgte das Konzept, das mit dem Kammerchor der Universität Köln zu erleben war und in dem Lieder der Romantik auf die „Kneeplays“ aus Glass‘ Oper „Einstein on the Beach“ trafen.

Beim zweiten Konzertabend war Gastmusiker Stefan Horz zum Thema „Time stands still“ am Cembalo zu erleben. Gemeinsam mit Ingeborg Danz und Peter Stein waren Werke von Louis Couperin, Philip Glass, Astor Piazzolla, Johann Kaspar David Fischer, John Dowland und Johann Sebastian Bach zu hören, die eindrucksvoll zeigten, wie sehr Raum und Zeit in der Musik fließen können. Ähnlich spannend gelang auch die Gegenüberstellung von Neuer Musik und drei der Brandenburgischen Konzerte von Bach am vorletzten Abend.

Der Nachwuchs kommt zu Wort

Eine spannende Veranstaltungswoche zu gestalten, reicht den klugen Köpfen hinter „Luft & Raum“ nicht, denn bereits seit dem ersten Jahr finden parallel in dieser Woche Meisterkurse und Workshops im Bereich Liedgesang, Kammermusik und Origami statt. Die beeindruckenden Ergebnisse dieser Arbeit konnte man beim finalen Abschlussfest erleben, bei dem die Teilnehmer der Meisterkurse zu hören waren.

Bericht von Verena Düren

Hobby-Pianisten gesucht!

Hobby-Pianisten gesucht!

Eine Spurensuche mit Ainoa Padrón und Peter Bortfeld

Ainoa berichtet von einer Sängerin und einem Pianisten, die es zusammen mit einem Kunstlied versuchen wollten, weil sie es auf einer Hochzeit singen wollten, aber „die haben keinen Spaß daran, weil es einfach nicht klappt. Der Pianist spielt das so wie er es spielt und er erwartet Sachen von ihr und sie von ihm, aber sie können das nicht richtig miteinander kommunizieren, weil sie keine Profi-Sängerin ist und er nicht, weil er keinen Kontakt mit Sängern hat. Da habe ich auf die Schnelle ganz plakativ und grob versucht zu sagen, was die Sängerin braucht, aber der Pianist hatte einfach kein Empfinden dafür, wie eine Stimme funktioniert.“ – Peter: Jaaa – selbst wenn einer nur Klavierunterricht bekommen hat, sollte er trotzdem, auch wenn er nicht mit Bläsern oder Sängern zusammengespielt hat einmal etwas von „Atmen“ gehört haben. (lacht)

Es braucht schon eine Menge Routine, um auf einen Sänger eingehen zu können, an einem Tag beeilt er sich vielleicht und an einem anderen ist er nicht so gut drauf und da warte ich dann eben einen Moment. Um das zu durchschauen muss man Liedbegleitung schon eine ganze Weile machen. (Peter)

Es ist auch eine wichtige Frage, wo man denn anfängt: nur beim Pianisten oder auch bei dem Sänger? Das Bewusstsein muss sich nicht nur bei den Pianisten ändern, sondern auch bei den Hobbysängern. Ganz viele Sänger haben große Ambitionen und schnappen sich einen Bekannten, der Klavierunterricht hat, um mal eben ein Lied durchzusingen. Aber dem Sänger ist oft nicht klar, was der Pianist für eine Aufgabe hat. Und Sänger erwarten dann einfach, dass es flutscht und zusammen klappt und wunderbar.

Ich denke, daher wäre es auch wichtig dem Sänger beizubringen, was der Pianist leisten muss. Da schließt sich ein Kreis, denn der Sänger übt ja alleine. … In der Gesangsunterricht-Situation ist das total anders. Der Gesangslehrer weiß schon Bescheid und wartet an bestimmten Stellen … (Ainoa)

„… ja, die Sänger alleine – da ist ein weites Feld für die Balance zwischen alles richtig machen und sich ausdrücken, wirklich was erzählen“, (Peter) „… das ist schon sauschwer und so viel – und dann noch wissen, was das Klavier beisteuert! Dann kommt die Reflexion dazu, dass es so vielleicht gar nicht funktioniert was man wollte, weil man plötzlich zu zweit ist und dann muss man gemeinsam umplanen.“ (Ainoa)

Aber wie kommen wir da nun heraus aus der Nummer? Es scheint ja mehrere Ansätze zu geben, um Hobbypianisten zu finden.

Das Ding ist halt – von der komplexen Aufgabe am Klavier als Laie etwas zu packen. Und sich dann noch darauf einzulassen, dass man mit jemandem zusammen musiziert. Auf der Grundlage dachte ich, es wäre schön kleine kurze Übungen zu entwickeln: Ein paar Takte aus einem Lied herauszuschneiden. Also nicht die Leute gleich den ganzen Klavierpart lernen lassen, sondern sie „unterfordern“. (Peter)

Wir müssen den Pianisten die Möglichkeit geben mehr wahrzunehmen als ihr eigenes Ding und ihnen etwas geben, wo sie plötzlich erkennen, worum es geht und dann sagen, ach so – das ist ja nichts und dann bekommen sie Spaß an der Sache. (Ainoa)

Wir reduzieren auf eine einzige kurze Phrase

Konkret könnten wir eine Phrase vom Sänger nehmen (singt) „Sah ein Knab ein Röslein steh’n …“, aber nicht mit Originalbegleitung, sondern hier ein Akkord … da ein paar Akkorde … … … ein ganz kleiner Ausschnitt, ganz reduziert. So kann der Pianisten erfahren, was es eigentlich bedeutet diesen Klavierpart mit dem Sänger zu spielen. Es wäre spannend, in kleinen Teams solche Mini-Aufgaben spielt. (Peter)

„… und dann singt der Sänger die Phrase darauf, mal schneller, mal langsamer und der Pianist hängt sich dran …“ (Peter) „… und dann hört der Pianist vielleicht, jetzt stirbt der Sänger gerade und er macht weiter!“ (Ainoa)

Wenn die Hobbypianisten das schaffen, dann steigt auch das Selbstvertrauen und dann können sie wahrscheinlich schon in ein kleines Lied einsteigen. Ach es ist so spannend! Darüber hinaus die Noten zu erwischen, ihnen eine Farbe zu geben, oder drei verschiedene Farben für drei Strophen, das haben die Pianisten alle noch nie gemacht, die sind froh, wenn sie irgendwie durchkommen in so einem Lied. (Peter)

Variieren lernen im Strophenlied

Ja, da wäre so ein Schubert’sches Strophenlied super. Wenn ein Pianist wirklich Spaß hat ein Strophenlied mit einem Sänger zusammen zu gestalten, fände ich das als Einstieg spannend. Zu sehen, wie man mit wirklich wenigen Mitteln die Strophen unterscheiden lernt und wenn dann noch der Sänger dazukommt, den man begleitet, dann hat der Pianist wirklich verstanden worum es geht. (Ainoa)

Da könnten die kleinen Aufgaben über die wir eben gesprochen haben wunderbar untergebracht werden. „Das Wandern ist des Müllers Lust…“; „Komm lieber Mai und mache…“. „Lied der Trennung“ sind 18 Strophen!!“ (Ainoa lacht) Ja, und so ein Stück wie „Der Zauberer“ ist eigentlich freundlich, den einen Lauf am Schluss versäbelt man, aber der Rest ist kinderleicht: Ohhh – da habe ich ja jetzt was zu tun! (Peter lacht)

Vier Versionen für vier Strophen zu entwickeln das sollte eigentlich keine neue Aufgabe für den Pianisten sein. Ich bin so erzogen worden, dass ich bei jedem Part überlege, was ich erzähle, wenn ich Klavier spiele. Das versuche ich meinen Klavierschülern zu vermitteln, dass sie sich eine Geschichte ausdenken, damit sie herausbekommen was das Stück ihnen sagt, sie so einen ganz persönlichen Zugang zu ihrem Stück zu bekommen. Es geht nicht darum, dass sie von mir eine Interpretation annehmen, sondern dass sie selbst etwas damit verbinden. Dann bohren wir zusammen, bis die Kinder denken, jaaa da habe ich im Kino mal was gesehen, oder: da war gestern eine Situation, eine ganz spielerische Herangehensweise. Wenn man so aufgewachsen ist in der musikalischen Erziehung ist das eigentlich nicht neu, wenn man verschiedene Strophen verschieden gestalten möchte. (Ainoa)

Verschiedene Interpretationen als Nuancen unterscheiden lernen

Bei der Beschäftigung mit einem Lied lerne ich sowieso viele verschiedene Interpretationen kennen? Wenn ich mir drei Aufnahmen kaufe oder auf Youtube drei Aufnahmen anhöre dann habe ich drei Interpretationen….

Du musst mal ein paar Stufen runterkommen: ich spreche mal von Musikstudenten, zukünftigen Profis, die alle Youtube in der Tasche haben. Die hören zu Hause überwiegend Pop. Die hören sich eine Arie an, wenn sie die lernen sollen, aber nur eine Version und die merken sich auch nicht, wer das dann da singt. Die vergleichen nicht verschiedene Interpretationen, die gehen nicht in klassische Konzerte und in die Oper. Die gehen in die Hochschule und dann nach Hause. (Peter)

Oft engagieren sich hier Laien mehr…. Die kümmern sich mehr (Ainoa)

Ich habe da eine sehr interessante Erfahrung beizusteuern: Der Kulturbeauftragte eines Ortes veranstaltete für Interessierte sechs Abende. Es ging bei dem Abend, den ich nun meine um Beethoven-Interpretationen anhand einer Sonate. Ich habe am Klavier gezeigt wie das Stück funktioniert und dann habe ich Auszüge in verschiedenen Versionen vorgespielt, guckt mal, diesen Anfang spielt Glen Gould so und Arrau so und Walter Gieseke so. Die einhellige Resonanz war: Die sehr neugierigen und engagierten Teilnehmer hatten noch nie im Leben Interpretationen nebeneinander gehört. Sie gingen oft in Konzerte, aber dass es so krasse Unterschiede gibt war bis dahin gar nicht klar gewesen. Die waren sehr dankbar! Ich dachte wow für mich normal, aber für die Leute eine neue Erfahrung… Sich mit verschiedenen Interpretationen zu beschäftigen und wirklich zu recherchieren, das sehe ich in der heutigen Generation völlig bergab gehen.

Da wo es interessant wird, in ein Archiv zu gehen oder auf einen Dachboden…. Verschwindet das?

Ich fürchte schon. Selbst die Fähigkeit Texte zu verstehen, sich aktiv mit Texten zu beschäftigen sehe ich stark bergab gehen. Komisches Deutsch in einer Bach-Arie – die Sänger haben oft nicht den blassesten Schimmer, was sie da singen. (Peter) …. Sie hätten sich selbst damit vorher damit beschäftigen müssen. (Ainoa) … ich glaube ich bin nicht böse genug im Unterricht. (Peter)

Dann gibt es ja noch das Thema der verschieden hohen Fassungen beim Kunstlied…

Verschiedene Tonhöhen spielen – Transponieren, ja! Das ist eine ganz andere Welt, ob ich ein Stück in F-Dur oder in Fis-Dur spiele, abgesehen davon dass die Fingersätze ganz anders gehen. Ich denke, das haben die Pianisten früher oft mehr geübt als heute, daher konnten das vermutlich dann mehr. Die Frage ist, mit welchem Anspruch das damals realisiert wurde. Ob das wohl in Konzertqualität war oder einfach zu Schwieriges weggelassen wurde ist die Frage.

Ich denke das kommt auch auf die Transposition an: Von D nach Des das geht gerade noch, aber andere Wechsel sind wesentlich unangenehmer. Heutzutage kann man zumindest die Noten mit Sibelius bequem in einer anderen Tonart auf die Noten bekommen. Ad hoc umlesen und spielen, weil der Sänger heute indisponiert ist, das heißt „vom Blatt“ etwas in einer anderen Tonart spielen das geht eigentlich nicht. Die Fingersätze sind ja gerade für die pianistisch anspruchsvollen Stellen ganz tief eingespeichert. Da muss ich komplett umlernen, bei einem Wolf-Lied beispielsweise. (Ainoa)

„Wolf Mignon, heute mal einen Ton tiefer….“ (alle lachen)

Da kommt ein Sänger und sagt, „ohh … ich habe eine Fassung entdeckt für mittlere Stimme“, und ich sage: „Ach ja….,“ denn bei solch komplexen Harmonien ist das wirklich alles neu einzustudieren, das ist nicht einfach und braucht auch viel Zeit.

Wenn wir jetzt wieder die Laienpianisten ins Gespräch bringen, der fängt da bei einer Transposition komplett von vorne an, das sind ja ganz andere Fingersätze und das „mal eben“ einen Ton höher oder eine Terz tiefer spielen, das geht gar nicht. (Ainoa)

Hobby-Liedpianisten – eine Spurensuche

Wo findet man denn die Klavierspieler, die schon so gut spielen können, dass es sich lohnen würde, dort mit unserem Experiment zu starten?

Man müsste am besten dort suchen, wo singende Personen schon auftauchen. Bei mir im Dorf gibt es beispielsweise einen Kirchenchor, da sind auch Klavierspieler dabei. Wenn sie in der Probe sind, da bilden sie schon ihre Anker, sehen ihre Stimme und checken auch mit anderen Stimmen gegen. Das ist doch schon einmal ein guter Ansatz. (Peter)

Wenn ich es so recht überlege – bis ein Hobbysänger ein Lied singen kann oder ein Hobbypianist ein Lied spielen kann – das sind ganz verschiedene Voraussetzungen. Das ist vielen Sängern bewusst, dass man da schon eine ganze Menge mehr draufhaben muss, wie Du sagst, wenn dann einer auf der Straße vorbeigeht und das hört, könnte das peinlich werden. (Ainoa)

Dass der Pianist, der da etwas „begleitet“ auch noch was etwas in der Rolle eines Korrepetitors sagt, also etwas zur Interpretation des Sängers oder allgemein zum Zusammenspiel, das ist bei Laienspielern völlig unwahrscheinlich. Ja, ich denke auch, das Sorgenkind ist erstmal der Klavierspieler: aus seiner Erstarrung muss er zu einem zuhörenden Wesen gedeihen.“ (Peter)

Ich habe es selbst auf Festivals erlebt, dass ein Sänger in die Pianisten-Runde fragt, hat jemand Lust mit mir einfach mal ein paar Lieder zu machen – da meldet sich kei-ner! Und hier sprechen wir von der Profi-Ebene. Es gibt schon eine Scheu, wenn man mit der Sängerwelt nichts zu tun hat, anders als mit Instrumentalisten. Ich kann mir vorstellen, dass das bei guten Amateuren noch eklatanter ist. (Ainoa)

Vielleicht könnte man auch durchaus Musikschul-Klavierlehrer oder private Klavierlehrer darauf ansprechen, ob es Schüler gibt, die durchaus Anzeichen haben, hier einmal auf einem Wochenend-Seminar etwas studieren zu können, auch die Szene der professionellen Sänger, die Hobbysänger unterrichten könnten wir ansprechen. Die haben das gleiche Problem! Meine Frau wäre heilfroh, wenn auch nur einmal in der Woche ein Pianist auftauchen würde, der halbwegs etwas vorbereitet hätte, wenn sie Gesangsunterricht gibt. (Peter)

Muss man demnach also auch an die Klavierlehrer herangehen? Aber dann muss der Klavierlehrer ja auch bestimmte Dinge mitbringen, damit er seinen Schüler für ein Kunstlied vorbereiten kann. Er muss ja auch wissen, wie man ein Kunstlied als Pianist einstudiert.

Die Klavierlehrer können es ja selber nicht. (Peter lacht)

Ganz klassische Dinge, oft ganz einfache sind einfach nicht bewusst, viele Klavierlehrer kommen nicht auf die Idee, das Lied in den Klavierunterricht zu bringen…(Ainoa)

Wir sind gefragt, Leute zu finden, vielleicht zehn, die zusagen würden, sich an einem Wochenende für zweimal drei Stunden und gucken mal, „was so geht“. Wir könnten so die Leute näher kennen lernen, lernen wie sie üben, proben und schaffen. Dann könnten wir sagen, okay, nehmen wir uns jetzt für die nächsten Wochen diese zwei Lieder vor, wir geben ein paar Tipps, wo geatmet wird, man sich wird Zeit nehmen müssen, wie man herangehen kann und wir sehen uns in zwei Wochen noch einmal ohne Sänger …. und vielleicht beim dritten Treffen kommt einer dazu der singt. So könnte das Herangehen etwas aufgebaut werden und die Hobbypianisten hätten genug Zeit zu üben. (Peter)

Was ist bei Euch passiert, dass Ihr zu den 2 % der Klavierspieler gehört, die sich für Kunstlied interessieren?

Ich habe bei uns im Dorf mit 15 mit einem Freund, der Cello spielte, und eine spielte Geige. Mit denen habe ich immer mal was gemacht. Und dann gab es da noch einen Sänger …. Als studentische Hilfskraft habe ich dann schon Gesangsklassen begleitet, weil ich das einfach machen wollte. Lieder sind mir am nächsten am Herzen. Da habe ich dann Pech gehabt, dass ich Studienleiter an der Oper wurde, das war nicht wirklich mein Ding. Es ist doch toll, wenn man vom Sänger lernt, wie die Musik atmet und die Farben – meine Güte! Man kann ein Forte nicht einfach nur „reinhauen“, sondern kann es so spielen, dass es mit der Stimme zusammenkommt – schneller kann man gar nicht lernen. (Peter)

Ich konnte Sänger überhaupt nicht leiden, meine Mutter hat viel Klassik gehört und ich mochte alles bis auf Gesang. Ich dachte, ne, da wird so geschrien im Radio und wenn sie eine fremde Sprache gesungen haben, habe ich nichts verstanden. Ich habe das mit dem Text und den hohen Noten in der Oper nicht verstanden. Und dann waren die Sänger in der Oper immer so aufgedreht, geschminkt und laut. Dann kam ich an die Hochschule und es war immer noch so. Dann fragte mich ein Sänger an, magst Du was machen in der Liedklasse. So habe ich als erstes Schumann-Lieder entdeckt und es war eine Freude, auf dem Kammermusik-Niveau mit einem Sänger zu arbeiten! Das war der beste Einstieg mit der Dichterliebe anzufangen – da bin ich einfach hängengeblieben. Dieser erste Sänger hat in seiner Freizeit American Football und so sah der auch aus und mit dem habe ich die Dichterliebe gemacht (lacht). Dann hatte ich einen sehr guten Liedprofessor, Hans Peter Müller in Freiburg, der hat ganz toll mit mir gearbeitet an der Gewichtung und Balance in einem Akkord beispielsweise, wenn man die eine oder andere Stimmführung betonen möchte. (Ainoa)

Das Gespräch am 10. Mai 2017 führten Verena Düren und Sabine Krasemann

Schumann: Einsamkeit

Robert Schumann: Einsamkeit

 

Matthias Goerne, Gesang
Markus Hinterhäuser
, Klavier

Nachdem Matthias Goerne gerade ein Schubert’sches Abenteuer hinter sich gelassen hat, bei dem er im Laufe der Jahre immer wieder seine unglaubliche Strahlkraft in der Gattung des Kunstlieds unter Beweis stellte, hat er nun eine kleine Auswahl von etwa zwanzig dieser kleinen Kostbarkeiten getroffen, die Robert Schumann im Jahr seiner Heirat bzw. in seiner düstersten Phase in Düsseldorf liebevoll gestaltet hat.

Weblink zur Aufnahme

Interview mit Boris Radulovic

„Du spielst so Klavier, als ob du singen könntest!“

Im Interview: unser Netzwerkmitglied Boris Radulovic

Herr Radulovic, Sie begleiten schon seit einigen Jahren Sängerinnen und Sänger in der Gattung ‚Lied‘. Dabei ist Liedbegleitung vielleicht nicht das erste, woran ein junger Pianist in seiner Karriereplanung denkt. Meist studiert man ja das Klavierspiel, um später (etwas überspitzt gesagt) große Konzertsäle mit großen Klavierkonzerten zu bespielen. Wie kamen Sie auf die Liedbegleitung?

In gewissem Sinne war das gar keine bewusste Entscheidung von mir. Irgendwie bin ich in meinem Leben immer wieder auf den Gesang gestoßen. Zum Beispiel erinnere ich mich daran, dass ich als Kind leidenschaftlich gerne Pavarotti nachmachte. Ich stellte mich ins Wohnzimmer, breitete theatralisch die Arme aus, und schmetterte „O Sole Mio!“

Und dann später, als ich schon an der Hochschule für Musik und Tanz Köln studierte, kamen immer wieder Sänger und Gesangsprofessoren auf mich zu, die meinten: „Du spielst so Klavier, als ob du singen könntest!“ Wahrscheinlich ist es in diesem Sinne kein Zufall, dass ich jetzt so viel mit Sängern arbeite. Manchmal zieht sich ja so ein roter Faden durch das Leben, den man nicht bewusst planen oder steuern kann …

2014 gab es kein Zurück mehr für mich

Den tatsächlichen ‚Durchbruch‘ für mich gab es dann aber beim Heidelberger Frühling 2014, wo ich als Pianist ausgewählt wurde, zwei Wochen lang intensiv am Lied zu arbeiten – ich glaube, es waren etwa 40 Lieder in diesen zwei Wochen. Das hat mir plötzlich einen wahnsinnigen Ruck gegeben, und ich dachte: „Wow, jetzt gibt es kein Zurück mehr!“

Welche Eigenschaft des Liedes war es, die Sie so begeistert hat?

Der Text, ganz klar! Zur Zeit des Heidelberger Frühlings war mein Deutsch glücklicherweise schon so gut, dass ich mich mit der großen deutschen Lyrik beschäftigen konnte. Das war eine wunderbare Erfahrung für mich: Dadurch, dass jedes Lied eine Gedicht-Vertonung ist, eröffnen sich unglaublich viele zusätzliche Sinn- und Interpretations-Ebenen. Und genau diese Ebenen habe ich, ehrlich gesagt, immer beim Solo-Klavierspiel vermisst.

Können Sie vielleicht ein konkretes Beispiel für diese zusätzlichen Ebenen geben, die sich für Sie im Lied eröffnen?

Der Mensch ist ja ein sehr vielschichtiges Wesen, und manchmal zeigt man – aus welchen Gründen auch immer – nicht diejenigen Gefühle, die man empfindet. Vielleicht lächelt man das Gegenüber an, um Zuversicht zu vermitteln – obwohl man selbst sehr traurig ist. Solche Dinge können im Lied zum Ausdruck gebracht werden.

Gewisse Subtilitäten funtionieren nur durch die Verbindung von Text und Musik

Beispielsweise kann die Komposition eines Liedes im musikalischen Aufbau zunächst fröhlich erscheinen, aber durch einen zweifelnden Text wird genau diese Fröhlichkeit gleichzeitig hinterfragt. Durch die Verbindung von Melodie und Text können also gewisse Subtilitäten und psychologische Tiefen dargestellt werden. Man kann die Tragik einer ganzen Lebensgeschichte in einem Lied innerhalb von kürzester Zeit darstellen. Und das, obwohl die meisten Lieder nur ein, zwei Minuten dauern!

Ist die Kürze von Liedern für Sie eine Herausforderung oder Chance?

In gewissem Sinne beides. Das Lied ist, unter anderem wegen seiner kurzen Dauer, eine extrem anspruchsvolle Gattung. Es erfordert, dass man den Charakter eines Stückes sofort auf den Punkt trifft – da gibt es nicht, wie in einer Solo-Sonate, die Exposition und eine langsame Entwicklung von Motiv und Thema, so dass man sich während des Klavierspiels an die Geschichte annähern kann. Nein, im Lied muss ab dem ersten Ton klar sein, worum es geht, denn es bleibt kaum Zeit für eine Entwicklung. Das bedeutet aber auch die Chance, als Künstler sehr präzise Arbeit zu arbeiten, und sich sehr klar darüber zu werden, was man ausdrücken möchte.

Würden Sie also auch sagen, dass die Liedbegleitung die Art und Weise verändert hat, wie Sie Solo-Werke interpretieren?

Auf jeden Fall! Ich würde behaupten, dass die Solo-Literatur erst durch das Lied für mich so richtig plastisch wurde. Und ich gebe gerne zu, dass ich manchmal über die Art und Weise, wie ich früher an Musik heran ging, lächeln muss. Da ging es so viel um technische Perfektion. Aber wir sind doch keine Maschinen!

Gretchens Herzschlag in der linken Hand

Nehmen wir zum Beispiel die linke Hand in ‚Gretchen am Spinnrade‘ von Schubert. Ein Pianist sieht darin wahrscheinlich zunächst einen typischen Siciliano-Rhythmus, und wird versuchen, diesen möglichst sauber zu spielen. Aber das ist natürlich völliger Quatsch! Es ist ja der Herzschlag vom Gretchen, der da in Töne gefasst wird!

Durch die Arbeit als Liedpianist sehe ich also in bestimmten musikalischen Phrasen jetzt nicht mehr nur – überspitzt gesagt – die Linienführung oder bestimmte harmonische Wendungen, sondern ganz konkrete Bilder, die ich mir oft sogar beim Üben mit einem eigenen Text unterlege.

Hat das Lied also auch verändert, wie Sie Musik generell hören?

Auch das, ja. Man nimmt ein Lied ganz anders in den Alltag mit als reine Instrumentalmusik. Denn während die Instrumentalmusik uns vielleicht eher offen lässt, wie wir sie hören, ob man ein Stück zum Beispiel eher als melancholisch oder traurig oder hoffnungsvoll empfindet, ist die Musik im Lied ganz klar an das Wort gebunden.

melancholisch oder traurig oder hoffnungsvoll

Zum Beispiel: Wenn ich Wolken am Himmel sehe, kommt mir vielleicht die erste Zeile aus ‚In der Fremde‘ von Schumann in den Sinn: „Aus der Heimat hinter den Wipfeln rot, da kommen die Wolken her“. Ein visueller Moment kann also zugleich eine Melodie, einen konkreten Text, eine Stimmung und eine Emotion in mir hervorrufen! Das ist doch unglaublich!

Und immer wieder kommt es vor, dass ein Lied durch seine Kombination von Wort und Ton meine eigenen Gefühle viel besser beschreibt, viel plastischer und konkreter, als ich sie je selbst beschreiben könnte.

Das klingt so, als hätten Sie im Lied tatsächlich Ihre große Liebe gefunden. Aber leider sehen das nicht alle Konzertbesucher so. Tatsächlich gehen vergleichsweise wenige Leute in Liederabende. Woher, glauben Sie, kommt das?

Ich denke, das liegt an einer Kombination von Dingen. Erstens sind die Gedichte von Liedern meist in einer Sprache geschrieben, die wir heute so nicht mehr verwenden würden. Das heißt, man muss sich auf den Text einlassen und ihn vielleicht auch mehrmals lesen, um ihn zu verstehen. Das ist natürlich eine intellektuelle Herausforderung, die Zeit und Kraft kostet.

Hinzu kommt, dass wir in einem Zeitalter leben, in welchem alles immer sehr schnell gehen muss. Kommunikation erfolgt über kurze Textnachrichten, Begriffe werden abgekürzt, wir hetzen von einem Event zum nächsten, und uns bleibt kaum Zeit für uns selbst. Die Leute wollen sich in ihrer Freizeit entspannen und gehen in ein Konzert, um sich vom Alltag abzulenken. Das ist wiederum eine ungünstige Voraussetzung für die Gattung des Liedes, welche Zeit und Konzentration erfordert.

Und zuletzt ist das Lied in gewissem Sinne durch das Wort noch konkreter und präziser in seiner Aussage als die reine Instrumentalmusik. Es zwingt den Zuhörer zu gewissen Bildern und Regungen, und manche Menschen sind vielleicht damit auf den ersten Blick überfordert. Wir sind es nicht mehr gewohnt, so offen und konkret über unser Innenleben zu sprechen.

Aber ich bin davon überzeugt, dass wir genauso sensibel sind wie die Leute früher, als die Lieder geschrieben wurden. Jeder Mensch möchte verstanden und geliebt werden, und das wird sich nie ändern. Es kann so heilsam sein, ein Lied zu hören, wo jemand von genau dem Schmerz singt, den man gerade selbst durchmacht. In diesem Sinne ist das Lied immer auch eine Art Therapie für mich.

Diese Resonanz habe ich übrigens auch immer wieder vom Publikum bekommen. Oft kommen Leute auf mich zu, die zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Liederabend waren, und die zu Tränen gerührt und – ja, man kann sagen – erschüttert sind! Deshalb denke ich auch, dass der tiefer liegende Grund für schlecht besuchte Liederabende nicht eine generelle Ablehnung gegen diese Kunstform ist, sondern vielleicht eher ein abstraktes Vorurteil, welches wir lösen müssen.

Wie könnten, Ihrer Meinung nach, solche Vorurteile gegenüber Liederabenden abgebaut werden? Wie können wir es schaffen, auch Leute in die Konzertsäle zu bringen, die sich vielleicht zuvor noch nie mit dem Lied befasst haben?

Einerseits kann man Liederabende durchaus ein wenig aus ihrer starren Form lösen, indem man sie zum Beispiel in einen szenischen Rahmen setzt oder mit bildender Kunst kombiniert, etwa mit einer Gemäldeausstellung. Das Auge hört ja bekanntlich mit.

Andererseits glaube ich, dass wir Interpreten noch viel stärker zusammen arbeiten müssen, um zum Beispiel gemeinsame Konzerte zu organisieren, oder neue, kreative Formate zu schaffen. In diesem Sinne empfinde ich Liedwelt Rheinland auch als ein hervorragendes Medium, um genau dies zu erreichen.

Und zuletzt bleibt uns als Künstler die große, verantwortungsvolle Aufgabe, das Lied so ehrlich und offen darzubieten, wie wir nur können. Erst wenn der Funke auf die Leute überspringt und wir sie auf eine unprätentiöse, direkte Art berühren, werden wir das Publikum der Zukunft schaffen und halten können.

Das Interview führte Alice Lackner.

© Photo: Michael Staab

Liedwelt-Link: Boris Radulovic

 

 

Carl Loewe Liederabend in Unkel

„Macht es Ihnen Spaß heute Abend?“

Luther und die Reformation – Legenden und Balladen

Der Geschichtsverein Unkel e.V. widmet sich 2017 zum 23. Mal eine Woche dem Komponisten Carl Loewe. Für den sonntäglichen Liederabend am 25.6. öffneten die Besitzer der Burg Unkel die Türen ihres wunderschönen Wohnsitzes gleich am Rhein.

 

 

Mit Blick auf den breiten Strom und das Siebengebirge gab es einen gesellig-entspannten sommerlichen Sonntagsausklang zu erleben: Der Liederabend von Marc Rosenthal (Tenor) und Mark Unkel (Klavier) rankte sich thematisch geschickt gewoben um das Thema „Luther und die Reformation“, wozu Lieder, Legenden und Lyrische Fantasien Loewes mit Exkursionen in die Oratorien von G.F. Händel kombiniert wurden.

Tenorale Bravour leitet durch die Tücken der eigenwilligen Stimmführung

Wenn man bedenkt, dass Loewe selbst von der evangelisch-lutherischen Kirchenmusik kommt, ist der Schritt vom Oratorium zum Kunstlied, das einen Schwerpunkt auf religiöser Symbolik hat, nicht mehr weit hergeholt. Aber zunächst gab es eine einleitende Canzonetta zu hören, die gleich mit den Tücken der Loewe’schen Stimmführung Maß nahm. Hat doch Carl Loewe die meisten seiner Lieder für sich selbst geschrieben – natürlich so, wie es für ihn gut lag, ärgern sich die Sänger, die seine spannenden Werke interpretieren, mit den Anforderungen seitdem herum: Von recht tiefen, fast parlierenden Passagen aus schwingt sich die Melodie unvermutet mit großen Intervall-Sprüngen in tenorale, glänzende Höhen, ein Schema, das der Tenor Mark Rosenthal durch den gesamten Liederabend hindurch mit großer Bravour präsentierte.

Kluge Konzeption für inhaltlich starke Spannungsbögen

Nun erschloss sich der erste Teil mit spannenden Legenden und Geschichten, die in den Gedichten verwoben waren durch eben jene Verwendung christlicher Symbolik. Jedoch werden nicht unbedingt „heilige“ Geschichten erzählt, viel Weltliches, Liebe, Leid und Leben rückt in direkten Kontakt zur Luther’schen Gedankenwelt. Und so wurde der Einschub der zu Herzen gehenden Arie des erblindeten Samson ganz logisch von Stimmung und Sujet erreicht – ein kluger und ungewöhnlicher Bezug zum Händel’schen Oratorium in einem Liederabend. Rosenthal sang die Arie mit geschlossenen Augen, was die Dramatik berührend verstärkte.

 

 

Überhaupt präsentierte sich Rosenthal als eindringlicher Erzähler, der mit Gestik und Blicken den direkten Kontakt zum Publikum suchte. Den ersten Teil beschloss „Jerusalem of Gold“ – ein hebräisches Lied, das sich wiederum als sehr glückliche Paarung mit den vorherigen deutschen Liedern erwies und eine neue thematische Brücke baute. Zu Herzen gehend, mit eindringlichen Nuancen gestaltet, wurde das Publikum zur Pause mit Erfrischungen in den gemütlichen Fachwerk-Innenhof gebeten.

Facettenreiches Klavierspiel

Auch nach der Pause setze sich die kluge Konzeption des Konzerts fort. Marc Unkel, Liedpianist und Künstlerischer Leiter der Carl Loewe Musiktage begrüßte das beschwingt zurückkehrende Publikum mit „Macht Ihnen das Spaß heute Abend?“ – Was einhellig mit einem „Jaaa!“ beantwortet wurde. Hier im ersten Werk nach der Pause stand endlich der Pianist im Mittelpunkt und das Publikum konnte nun mehr über Stimmführung und Eigenarten im Klavierpart von Carl Loewe erfahren: In den Liedern wechseln sich unvermutet kurze, perlende mit virtuosen Passagen ab, die den Pianisten herausfordern, rasch zu einem fast rezitativischen Spiel zu wechseln. So stützt der Liedpianist den Sänger in seinen Passagen ab. Mark Unkel meisterte dieses Denken und Gestalten in langen Bögen ebenso wie das schnelle Umschalten auf die perlenden Einschübe und steuerte so gekonnt jedem Lied zahlreiche Klangfarben bei.

Begeisterter Applaus für einen kurzweiligen, klug konzipierten Liederabend

 

 

Mit Loewes „Biblisches Lied“ für Klavier solo stimmte Mark Unkel in Chopin’scher Art balladesk gestaltet in den zweiten Teil ein. Anschließend wurde sogleich ein neuer Rückbezug hergestellt: Mit „Comfort ye“ aus dem Messias wurde wieder der Bogen von Loewe zu Händel geschlagen, eindringlich und strahlend umgesetzt von Mark Rosenthal. Es schlossen sich bis zum Ende wiederum sinnierende Loewe-Lieder an, zum Schluss wurde das Publikum mit „Die Zugvögel“ in seinen Gedanken weit über den Horizont in den lauen Sommerabend geschickt. Das Publikum jedoch forderte mit einem begeisterten Applaus eine Zugabe nach diesem kurzweiligen Liederabend. Mark Unkel und Marc Rosenthal bedankten sich mit einer eindringlichen Wiederholung von „Jerusalem of Gold“.

Bericht und Bilder: Sabine Krasemann

Das Konzert
Der Veranstalter

Raimund Fürst

Raimund Fürst 

„Mit meinen Liedern berühre ich die Welt, die mich rührt“

Der Tenor Raimund Fürst studierte Gesang bei Walburga Wegner (Köln) und H. J. Scholz (Staatliche Hochschule für Musik Rheinland). Er widmet sich insbesondere der historischen Interpretation Alter Musik, arbeitet mit bedeutenden in- und ausländischen Spezialensembles zusammen und war Gast bei vielen Festivals (Maastricht-Festival, Utrecht-Festival Oude Muziek, Tage Alter Musik Herne u. a.). Nicht nur als Gesangssolist sondern auch als Regisseur ist er ständiges Mitglied der Rheinischen-Panto-Mini-Oper.

Dazu kommen zahlreiche Tourneen (durch das gesamte Bundesgebiet, nach Italien, Frankreich, Belgien, Österreich, Ungarn, in die Niederlande, die Schweiz und die USA), Opernproduktionen und CD-Einspielungen. Als gefragter Oratoriensänger hat er sich vor allem auf die großen Evangelisten Partien des Barock spezialisiert. Dabei führt er seine hohe nicht falsettierende Stimme ganz im Sinne des historischen Haute-Contre. In den letzten Jahren hat er sich, angeregt vor allem auch durch eine enge Zusammenarbeit mit der Ruhrtriennale, verstärkt Projekten mit zeitgenössischer Musik gewidmet.

Er war bereits im WDR, NDR, DLF, ZDF, ORF, Niederländischen Rundfunk, Boston Radio, Radio France u. v. a. Sendern zu hören.

Liedwelt Links

TheCypress Curtain of the Night – Konzert am 24.6.2017

Weblinks

Homepage

Gesucht: Liedpianisten!

Gesucht: Liedpianisten!

Hobbysänger, die forschend in die Welt des Kunstlied-Gesangs tauchen gibt es viele. Aber wo sind die Pianisten, die das Kunstlied für die zahlreichen Hobby-Pianisten erobern – und zwar im Idealfall gemeinsam mit einem Sänger??

In einem ersten Sondierungsgespräch ist die Liedwelt Rheinland gemeinsam mit den Liedpianisten Ainoa Padron und Peter Bortfeld der Frage am 10. Mai 2017 nachgegangen.