Boris Radulovic

Boris Radulovic

„Das Lied schafft eine unendliche Welt voll zauberhafter Orte, legendärer Charaktere und Ereignisse. Eine Welt der Verwandlung, Fantasie, Tod und Wiedergeburt. Hier darf man alles sein, hier ist Freiheit.“

 

Photo © Boris Radulovic

Netzwerk-Mitglied Boris Radulovic wurde 1984 in Belgrad geboren. Seit 2004 studierte Radulović an der Musikhochschule Köln in der Klavierklasse von Prof. Dr. h.c. Arbo Valdma. Im Anschluss daran schloss er sein Konzertexamen mit Auszeichnung ab, nachdem er die Klassen Prof. Pierre-Laurent Aimards und Prof. Paulo Alvares besucht hatte.

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Boris Radulovic arbeitet als Liedpianist mit Sängerin Karola Pavone zusammen: Zum Liedwelt Interview

Boris Radulovic im Interview mit Alice Lackner

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Pressestimmen

Stephan Mösch, Komponieren für Stimme

Komponieren für Stimme.
Von Monteverdi bis Rihm.
Stephan Mösch (Hrsg.)

Ein Handbuch.

In diesem Buch erkunden international renommierte Autoren den Umgang mit der menschlichen Stimme – im Wechsel der Stile, Gattungen und individuellen Schreibweisen.

Neben einem historischen Überblick bietet der Band Gespräche mit zwölf führenden Komponistinnen und Komponisten unserer Zeit.

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Das Buch auf der Seite des Bärenreiter-Verlags.

Der Musiktheaterexperte Stephan Mösch hat ein Handbuch geschrieben, das darüber Auskunft gibt. Christoph Vratz hat es gelesen. Hier der Podcast auf SWR 2 Cluster

2. Liednacht Aachen am 5.5.2017

Liedwelt unterwegs-
exotisch, experimentell und tief bewegend

Heimat Europa? – 2. Liednacht in Aachen am 5.5.2017. Ein Bericht von Alice Lackner.

Am 5. Mai 2017 lud die Hochschule für Musik und Tanz Aachen zur Aachener Liednacht ein. Diesjähriges Bindeglied des 2016 beim Publikum so erfolgreich eingeführten Formats der vielen kleinen Konzerte an verschiedenen Orten: „Heimat Europa?“

Die vielen Erlebnisse werden konzeptionell-inhaltlich miteinander verbunden. Als Teil des Rahmenprogramms zur Verleihung des diesjährigen Aachener Karlspreises wurde die Frage nach der ‚Heimat Europa‘ vom künstlerischen wie vom intellektuellen Standpunkt aus beleuchtet.

Exotisch, experimentell und tief bewegend: So beginnt die Aachener Liednacht im Prolog I unter dem Titel „Europäische Zukunftsmusik“ mit Composing Voices, einem Ensemble für Vokale Improvisation und Gedichtvertonung. Ferne Klänge der Weltmusik, schnatternde Zungenschnalzer, Atonalität im Wechsel mit Gedichtrezitation und Jazzgesang: Etwa zwanzig Minuten lang dauert dieser spektakuläre Auftakt zur zweiten Aachener Liednacht und wird sogleich vom Publikum mit tosendem Applaus belohnt.

„Wir haben uns oft gefragt, weshalb uns während der Vorbereitung zur Liednacht keine Fragen gestellt wurden wegen des Fragezeichens im Titel, aber diese Unsicherheit scheint mittlerweile ein selbstverständliches Gefühl geworden zu sein, wenn man über Europa spricht“, so Stefan Irmer im eröffnenden Grußwort. Man wolle sich am heutigen Abend auf die Suche nach der Heimat begeben.

Heimat Europa – eine Herzensangelegenheit

Diese Heimat Europa sei ihnen eine Herzensangelegenheit, auch über den rein künstlerischen Aspekt hinaus, so Ulrich Eisenlohr: „Wenn dieser Abend ein Ansporn sein kann, sich gegen bestimmte Bewegungen zu wehren, die den seit über 70 Jahren währenden Frieden in Europa in Frage stellen – wenn dieser Abend anspornt, das Erreichte aktiv zu verteidigen und weiter zu entwickeln – dann sind wir froh.“

Begeisterung und Nachdenklichkeit

Und dass dies gelungen ist, zeigte sich nicht nur daran, dass die Besucherzahlen bis Mitternacht anhielten, sondern vor allem an der Stimmung, die in dieser Nacht durch die Räume der Hochschule geisterte. Neben der Begeisterung für das technische und musikalische Können der Künstler schwebte eine Nachdenklichkeit in der Luft, insbesondere bei den Konzertblöcken, wo Flucht, Vertreibung und Krieg thematisiert wurden: Warnende Worte durch die Lieder des Exil-Komponisten Hanns Eisler oder den Werken von Viktor Ullmann ausgesprochen, welcher einen großen Teil seiner Werke im KZ Theresienstadt schrieb.

Warnende Worte und folkloristisch-bunter Abschluss

Natürlich darf auch gelacht und gefeiert werden bei der Liednacht, zuletzt beim abschließenden folkloristischen Zigeuner-Block kurz vor Mitternacht im Spiegelfoyer des Theater Aachen. Die Besucher gingen erfüllt nach Hause, inspiriert von Klängen aus fernen Ländern, volksliedhaften Kindheitserinnerungen, warnenden Friedensaufrufen, und vor allem: mit einem verstärkten Bewusstsein für den Wert und die Unabdingbarkeit der Europäischen Union, welche dieses gemeinsame Musizieren der Studierenden aus über zwanzig verschiedenen Ländern und Kulturkreisen möglich macht – im Aachener Dreiländer-Eck ein Gedanke, der wie selbstverständlich präsent ist und hier lebendig wurde.

Konzeption 2. Aachener Liednacht:
Prof. Stefan Irmer und Prof. Ulrich Eisenlohr, Hochschule für Musik und Tanz Köln / Aachen

Zur Veranstaltung

Ein Bericht von Alice Lackner.
© Photos Alice Lackner

 

Interview mit Elena Harsányi und Toni Ming Geiger

„Die Gattung Lied interessiert mich besonders, weil sie interdisziplinär ist!

Interview mit Elena Harsányi und Toni Ming Geiger

Am 21. Mai geben Sie einen Liederabend im Bonner Beethovenhaus. Was erwartet den Besucher?

Wir sind beide Bonner und dachten, dass wir auch den großen Sohn der Stadt als Liedkomponisten etwas in den Fokus rücken sollten. Beethoven wurde bis Franz Schubert als der große Liedkomponist seiner Zeit gehandelt. Insofern wollen wir sein Liedschaffen auch in diesem Konzert würdigen.

Das Programm des Abends heißt „Ein Jahrhundert in Wien“ und zeigt die musikalische Entwicklung im 19. Jahrhundert bis hin zu den Anfängen der Atonalität. Wir beginnen mit Liedern von Beethoven und stellen diese immer wieder späteren Vertonungen von Schubert gegenüber. Dabei haben wir auch einige Doppelvertonungen im Programm, in denen zu hören ist, wie Beethoven und Schubert den jeweils gleichen Text interpretiert und musikalisch umgesetzt haben. Ein sehr bekanntes Beispiel ist Goethes „Kennst Du das Land“ (Mignon), das zweimal zu hören sein wird. Mit den Vier Lieder op. 2 von Arnold Schönberg beschließen wir den Abend und auch das Jahrhundert und begeben uns an die Grenzen der Tonalität.

Grundsätzlich moderieren wir unsere Konzerte auch immer, weil es uns sehr wichtig ist, das Publikum auch über die Moderation mitzunehmen. An diesem Abend wollen wir die Zuhörer mitnehmen nach Wien und sie bekannt machen mit den wichtigsten Liedkomponisten und Dichtern der Zeit wie natürlich Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich von Matthisson und Richard Dehmel.

Herr Geiger, wie kam es, dass Sie sich für den Weg als Liedbegleiter entschieden haben?

Mich hat das Klavier immer schon fasziniert, weil es so vielseitig ist und ich damit auch auf verschiedene Arten tätig sein kann: solistisch, als Kammermusiker oder eben als Liedbegleiter. Dass ich dabei geblieben bin, war allerdings nicht selbstverständlich, denn nach dem abgeschlossenen Bachelor habe ich mit dem Gedanken gespielt, etwas ganz anderes zu machen und einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen.

Was wäre die andere Option gewesen?

Ich war an der Cologne Business School und habe mich dort nach dem Studiengang Kulturmanagement erkundigt. Während des Studiums habe ich mich schon im AStA engagiert, außerdem habe ich in einer Gruppe junger Kreativer eine CD eigenständig produziert und ich habe in den Bereich Kulturmanagement reinschnuppern können. 2015 habe ich beispielsweise auch ein Praktikum beim Festival ACHT BRÜCKEN gemacht.

Wieso waren Sie so unschlüssig bzw. warum ist es dann doch das Klavier geblieben?

Am Ende des Bachelor-Studiums hatte ich große Probleme mit dem Allein-Sein eines Pianisten. Gerade über die anderen Projekte habe ich gemerkt, wie gerne ich auch mit anderen arbeite und als Pianist ist man ja doch sehr viel alleine. Die richtige Wahl war dann für mich der Master-Studiengang Liedbegleitung. Ich habe schon vorher mit Sängern gearbeitet und das macht mir große Freude. Außerdem habe ich nun auch selber Gesangsunterricht, was natürlich auch spannend ist, weil ich mich so von zwei Seiten dem Lied nähere und natürlich die Sängerin, mit der ich arbeite, viel besser verstehe.

Wieso konzentrieren sich so wenige Pianisten auf die Liedbegleitung?

Das war natürlich sehr lange Zeit ein Bereich, der als reine Begleitung verschrien war und auch sehr stiefmütterlich angesehen und behandelt wurde. Doch inzwischen sieht man das zum Glück anders, was beispielsweise auch daran zu erkennen ist, dass das Fach inzwischen auch Liedgestaltung heißt. Ab dem „Erlkönig“ und seiner pianistischen Herausforderung ist eigentlich klar, dass es sich bei dem Liedduo um zwei gleichberechtigte Partner handelt und man im Idealfall auch eine gemeinsame Vorstellung von der Interpretation hat. Ich habe mich immer schon sehr gerne auch mit Literatur beschäftigt und immer schon viel gelesen. Die Gattung Lied fasziniert mich besonders, weil es eine interdisziplinäre Gattung ist.

Frau Harsányi, Ihr gemeinsames Liedduo mit Toni Ming Geiger war ja für ihn ausschlaggebend, um doch beim Klavier zu bleiben und sich auf die Liedgestaltung zu konzentrieren. Wie würden Sie denn als Sängerin das Musizieren im Liedduo beschreiben?

Ich kann nur bestätigen, was Toni gerade schon sagte. Bisher ist es leider noch nicht so sehr verbreitet, dass es sich auch beim Liedduo um zwei gleichberechtigte Partner handelt. Es ist jedoch auch für den Sänger ein ganz großer Unterschied und deutlich zu spüren, wie der Pianist seine Rolle empfindet.

Seit wann musizieren Sie gemeinsam?

Als festes Duo sind wir beim Beethovenfest 2014 zum ersten Mal gemeinsam aufgetreten. Vorher kannten wir uns aber auch schon über gemeinsame Projekte innerhalb des Projekts Netzwerk Ludwig van B. von Dr. Solveig Palm. Inzwischen bin ich in Saarbrücken, die Distanzen sind also größer geworden, aber Toni ist als Liedduopartner so gut, dass wir auch größere Distanzen bei unserer Zusammenarbeit in Kauf nehmen.

Was lieben Sie am Lied?

Als Sängerin an der Oper kann ich mich nicht verstecken und ich fühle mich – selbst im Ensemble – doch oft sehr einsam. Beim Lied ist das völlig anders. Ich kann meine ganze Persönlichkeit einbringen, dies aber wiederum im Austausch mit jemand anderem. Ich bin in keinem anderen Bereich als Sängerin so frei, erlaube so intime Einblicke und kann so selbständig und kreativ arbeiten wie in der Gattung Lied. Hinzu kommt natürlich noch, dass es stimmlich sehr interessant ist: ich muss feiner arbeiten, flexibler sein und jedes Konzert ist ein Experiment.

Das Gespräch führte Verena Düren.

LiedweltLinks

Toni Ming Geiger
Konzert am 21.5.2017

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Heinrich Heine

Heinrich Heine

„Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehn.“ – Heinrich Heine, 1827

Kindheit und Jugend

Der 1797 in Düsseldorf geborene Heinrich Heine (gebürtig Harry Heine) wuchs in einem assimilierten jüdischen Elternhaus auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums verließ er seine Heimat zeitweise, um als Auszubildender in Frankfurt und Hamburg der kaufmännischen Familientradition zu folgen. In dieser Lebensphase publizierte die Zeitschrift Hamburgs Wächter erstmals Gedichte Heines. Als 22-Jährigen zog es ihn wieder zurück ins Rheinland, um in Bonn Rechtswissenschaften zu studieren.

Literarischer Beginn

Einen größeren Reiz als die Juristerei übten jedoch die Vorlesungen Schlegels, des Mitbegründers der Romantik, auf den jungen Heine aus. Hinzu kamen der Einfluss Ernst Moritz Arndts in Bonn und Hegels in Berlin, die den häufigen Besucher literarischer Salons veranlassten, 1821 erste Gedichte und Tragödien veröffentlichen zu lassen. Im Jahr 1825 beschloss Heine sich protestantisch taufen zu lassen, um seine Berufsaussichten als mittlerweile promovierter Jurist zu erhöhen und nahm zudem den Vornamen Heinrich an.

Pariser Exil

Zur Zeit Heines europaweiten Durchbruchs wendete sich das französische Bürgertum im Sommer 1830 gegen den Adel. Als bekannter Schriftsteller, der die revolutionäre Stimmung unterstütze, verließ er 1831 das reaktionäre Preußen und ließ sich in Paris nieder. Seine in den Folgejahren publizierten Schriften lösten Begeisterung bei der deutschen politischen Opposition aus, woraufhin 1835 Heines Werk Opfer der Zensur im gesamten Deutschen Bund wurde. Nach weiteren Publikationen von seinem Pariser Exil aus erkrankte Heine Ende der 1840er Jahre und diktierte vom Krankenbett aus sein literarisches Vermächtnis bevor er 1856 verstarb.

Heine auf der Konzertbühne

Heines lyrisches Werk wurde von zahlreichen Komponisten vertont, darunter Schubert, Clara und Robert Schumann, Brahms, Mendelssohn, Wagner und weitere. Neben dem Liederkreis oder der Dichterliebe dürfte Die Lorelei die größte Berühmtheit erlangt haben. Heine selbst spielte kein Instrument, fühlte sich der Musik jedoch nie fern, da er keine strikten Grenzen zwischen den unterschiedlichen Kunstformen sah. So thematisiert er die Musik in seinem Gedicht Zur Telelologie:

Ohren gab uns Gott die beiden,
Um von Mozart, Gluck und Hayden
Meisterstücke anzuhören –
Gäb es nur Tonkunst-Kolik
Und Hämorrhoidal-Musik
Von dem großen Meyerbeer,
Schon ein Ohr hinlänglich wär!

 

Text: Julian Hambitzer

 

Weblinks

ZeitOnline: Heines Loreley

Heine Institut: Wer war eigentlich Heinrich Heine?

Bild

Liedwelt unterwegs – 10. Kulturkonferenz Region Aachen

Liedwelt unterwegs –
Musik+Text+Bild sucht Ort

Lieder in Bildern“ auf der Kulturkonferenz Aachen / Euregio am 27.4.2017

Die „Liedwelt Rheinland“ war mit ihrem Projekt „Lieder in Bildern“ von unseren Netzwerkmitgliedern Markus Schönwolf (Komponist) und Ernst-Martin Heel (Maler) vor Ort. Das Ziel: Veranstalter und neue Aufführungsorte zu finden, die an dem synästhetischen Projekt, das Musik, Literatur und Malerei verbindet. Mit Erfolg! Die ersten Interessenten sprachen uns bereits kurz nach der Präsentation an!

Für die Jubiläums-Ausgabe der Kulturkonferenz für die Region Aachen / Euregio hatte sich das Kulturbüro einen besonders interessanten Ort in Aachen ausgesucht. Das historische Stadtbad ist inzwischen zum beliebten Veranstaltungsort geworden mit ganz besonderem Flair: gepolsterte Badewannen und hier und da ein antiker Duschkopf erinnern an den früheren Zweck des Gebäudes.

Die besten Ideen unter der Dusche

Hier konnte man also im wahrsten Sinne des Wortes ‚unter der Dusche‘ die besten Ideen haben. 18 neue Projekte wurden an diesem Abend in lockerer Atmosphäre vorgestellt. Diese gingen durch alle Bereiche der Kunst: Musik, Film, Theater, Bildende Kunst waren vertreten. Auch die Menschen hinter den Projekten waren bunt gemischt: mal standen Veranstalter zur Präsentation auf der Bühne, ebenso wie die Künstler selbst oder auch Netzwerker auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern.

In gerade einmal drei Minuten konnten auch wir unsere Idee vorstellen, viele teils fertige Projekte lernten die Teilnehmer an diesem Abend kennen, von einem „Kummerkonzert“ über einem Netzwerk von Homepages zur Verbreitung kultureller Veranstaltung auf dem Land bis hin zu Skulpturen reichten, die die Grenzen im Dreiländereck thematisieren.

In den Pausen zwischen den Präsentationsblöcken war man eingeladen zum Knüpfen neuer Kontakte, intensiven Gesprächen über die Projekte, die vorher nur angerissen wurden oder auch zum Austausch mit Kulturschaffenden, deren Projekte in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich gefördert wurden. Diese hatten ihre Stände auf die kleinen Kabinen der früheren Badeanstalt verteilt. Nach Abschluss aller Präsentationen wurde noch zum gemütlichen Teil des Abends und weiterem Austausch in die Kellerbar geladen.

Bericht: Verena Düren

Liedwelt unterwegs – Heidelberg Music Conference 2017

Liedwelt unterwegs –
Besuch auf der Music Conference in Heidelberg 2017

Letzte Woche waren wir mit der Liedwelt Rheinland auf der Music Conference in Heidelberg zwecks Networking. Eine schöne Gelegenheit, sich ungezwungen mit Kollegen zwischen den Programmteilen und am Abend in Ruhe auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Ein Bericht von Sabine Krasemann

Leider ging aufgrund von zwei Krankheitsfällen das sehr spannende Konzept der Gespräche (Konzept vom Team des Konzerthaus Dortmund) am ersten Vormittag nicht auf, da die beiden Herren Hinterhäuser und Naske so ganz auf sich gestellt blieben und somit über ihr Festival bzw. Konzerthaus Interessantes und Weises zum Besten gaben, es aber nicht wirklich zu einem Schlagabtausch und -austausch kam, wie er zu erwarten gewesen war.

So waren die Erwartungen vieler Kongressbesucher enttäuscht. Denn anstelle der konzipierten und erwarteten Dialoge gab es Monologe zu erleben: Viel Wahres, Philosophisches von Markus Hinterhäuser (Salzburger Festspiele), auch zum Thema Lied eine schöne Anekdote – natürlich aus einer wahrhaften Luxus-Position heraus – jedenfalls immer wieder eine Freude, klugen Worten zu lauschen.

Einem Zwiegespräch zwischen der einen Wandel ins Neue ankündigenden designierten Programmdirektorin der Volksbühne Berlin Marietta Piepenbrock und Markus Hinterhäuser mag man nun an anderer Stelle vielleicht mit Spannung entgegen sehen dürfen.

Dann zeigte Herr Naske vom Konzerthaus Wien, wie er konsequent und erfolgreiche mit taktisch absolut unterhaltsamen und klugen Schachzügen seinen Gesprächsplan durchzuziehen versteht. Auch diesen eleganten Ritt muss ihm erst einmal einer nachmachen, Moderator Holger Noltze hatte keine Chance eine Frage zu stellen, die nicht so geschickt beantwortet wurde, dass der den „Tanker der Hochkultur“ steuernde Naske nicht doch weiter in seinen Fahrwassern fuhr. Ein amüsantes Gespräch, bei dem die Zuhörer allerdings weniger auf den Inhalt – der Darstellung des Wiener Konzerthauses  – lauschten als dass sie dem konzeptionellen Ablauf des Gesprächs amüsiert folgten.

Allerdings war das ursprüngliche Gesprächskonzept ein Dialog mit Hanns-Ferdinand Müller von der RWE, um der Frage nachzugehen, inwiefern beim Change Management ein Wissenstransfer aus anderen Wirtschaftsbereichen stattfinden kann hier ganz ad absurdum geführt.

Perspektiven am Neckar

Ein Impulsvortrag von Nick Pfefferkorn, Breitkopf & Härtel zeigte nicht nur die Geschichte des alteingesessenen Hauses, sondern der Verlagsleiter zeigte, dass die Verlage nun anscheinend tatsächlich im digitalen www aufgewacht sind und stellte intelligente Ansätze und Konzepte vor, welche Aufgaben die Verlage haben – außer dem Melken der bewährten Cash-Cows, denn mit ein paar letzten Recken sind bald alle Komponisten aus dem Urheberrechtsschutz nach 70 Jahren heraus.

Martina Steinröder brachte Vertiefendes zum Thema „Spielend im digitalen Wachstum“: Visionen in neue Märkte wurden eröffnet wie auch der philosophische Ansatz von Wolfgang Welsch rund um die Frage, wie wichtig denn die Optik für den Musikmarkt nun sei  erweiterte den Blick.

Am Freitag gab es Round Tables in denen die Konferenz-Teilnehmer zu einzelnen Themen tiefergehende Diskussionen in kleineren Kreisen führten.

Spannend wurde es im Gepräch mit David Görges, Head of New Media des BVB Borussia Dortmund zu erfahren, wie der König Fußball von den neuen Medien profitiert hat, welche Wege er einschlägt, welche Entwicklungen ihm von vorne herein zugute kamen. Wie Fans funktionieren, wie man sie anspricht und was sie begeistert. Dazu Informatives aus Rundfunksicht von Johannes Bultmann, Gesamtleiter der SWR Festivals und Klangkörper.